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2021 – Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Teil 2

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 9

Der heutige Tag besteht aus der Besichtigung Tallinns.
Wir haben uns vorgenommen so viel wie möglich von der Altstadt zu sehen. Und das hat sich auf alle Fälle gelohnt. Tallinn hat eine sehr schöne Altstadt.
Mit vielen schönen Seiten die man auch gerne den Touristen zeigt die hier täglich mit riesigen Kreuzfahrtschiffen an Land gespült werden,
wie auch hässlichen Ecken die man lieber nicht auf der Rundtour den Touristen zeigt.
Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Balti Jaama Markt. Dies ist eine Renovierte, 3-stöckige Markthalle. Im Untergeschoss befindet sich ein Supermarkt, im Erdgeschoss befindet sich der eigentlich Markt, viele Stände mit Obst und Gemüse.

Es gibt eine riesige Fleischhalle sowie kleinere Stände. Lokale mit warmen Speisen und Cafés runden das ganze ab.

Im oberen Stockwerk gibt es Stände mit Secondhand Kleidung, aber auch Neuware und etwas Haushaltswaren. 
Ein wenig wie Flohmarkt.

Wir werden an einem kleinen Stand fündig für neues Flüssigmetall das wir eventuell verwenden können um den linken Spiegel zu reparieren.
Man könnte hier nur kaufen, so lecker sehen die gesamten Lebensmittel hier aus. Wir beschränken uns aber auf ein wenig Obst für unseren weiteren Stadtrundgang.

Die Altstadt von Tallinn

Wir laufen nun weiter in Richtung Hafen. Der Weg dorthin bringt uns durch verwinkelte Gässchen an schöne Aussichtspunkte von denen man eine tolle Sicht auf die Altstadt von Tallinn hat.

Unser Weg bringt uns an die Linnahall, ein Lost Place, welcher allmählich verfällt.
Viele Treppen sind bereits gesperrt, nichts desto trotz sehenswert, da man hier verweilen und den Ausblick auf Tallinn oder die Ostsee genießen kann.
Die Tallinna Linnahall ist eine Multifunktionshalle in der estnischen Hauptstadt Tallinn.
Sie war bis zur Einweihung der Saku Suurhall die größte Mehrzweckhalle Estlands.

Zurück in Richtung Innenstadt kommen wir am Estnischen Seefahrts-Museum vorbei, ein Museum zur Geschichte der Seefahrt in Tallinn.

Das KGB Gefängnis in Tallinn

In der gleichen Straße findet man jedoch noch ein Museum, das einem sehr zum Nachdenken bringt.
Aus dem Gebäude Pagari Str. 1 wurde ab 1940 ein Haus des Schreckens.
Hier befand sich die estnische Abteilung für Staatssicherheit der UdSSR, die bereits ab Juni 1940 Regimekritiker inhaftierte.

Die Inhaftierten wurden geschlagen und gequält, bevor Sie vor dem Tribunal erschienen, das sie zum Tode oder einer langjährigen Haft im Gefangenenlager verurteilte.

1941 wurden im Keller des Gebäudes Zellen angelegt, die bis heute Symbol des kommunistischen Terrors sind.
Das Gefängnis wurde zwar nur bis in die 50er Jahre genutzt, aber das Geschehene ist den Menschen bis heute in Erinnerung geblieben. Die Zellen der Pagari Str. sind ein stiller und unmittelbarer Zeuge, der mit jeder Pore von den schwerwiegendsten Verstößen gegen die Menschenrechte und den Verbrechen des menschenverachtenden Regimes erzählt.
Der Besuch ist Deprimierend, interessant und das Wissen, dass es immer noch politische Gefangene auf der Welt
gibt die unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert werden beschäftigt einen sehr.

Wir laufen noch einige Stunden durch die Altstadt, bewundern die schön renovierten Gebäude und sehen Massen an Touristen die Ihren Guides folgen und mehr oder weniger gespannt zuhören.

Da es noch zu früh ist zum Abendessen, gehen wir erst mal zurück zu unserem Hotel das gerade mal 15 Minuten
Fußweg von der Innenstadt entfernt ist. Wir nutzen die Gelegenheit und versuchen mit dem Flüssigmetall die Spiegelhalterung zu reparieren.
Wir sind gespannt ob das ganze am nächsten Tag hält.

Ein Abend in Tallinn

Den Abend zum Essen verbringen wir im Restaurant und Cafe Rukkilill kohvik.
Es ist ein gemütliches und familiäres estnisches Café im Herzen der Altstadt! Nur 50

m vom Rathaus entfernt. Rukkilill bedeutet aus dem Estnischen übersetzt Kornblume, und die Kornblume ist die estnische Nationalblume.
Es gibt nur hausgemachte Speisen, Knödel und fünf Arten von traditionellen Suppen an.
Das Café befindet sich in einem Gebäude, das unter dem Schutz der UNESCO steht und als Museum in der estnischen Abteilung für Kulturerbe und Erhaltung registriert ist.
Definitiv eine Empfehlung für alle die unbedingt die Estnische Küche probieren möchten.

Neben unseren, mittlerweile obligatorischen Brotsticks genießen wir Veise Pelmeenid, das sind ursprünglich aus Russland stammende, in Wasser oder Brühe gekochte und mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, die man entweder als Suppeneinlage oder als Hauptgericht isst.

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Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 10

Im Hotel ist am Abend noch ein Motorradfahrer angekommen. Unverkennbar auf dem TET unterwegs. Das zeigt zu mindestens der Reinigungszustand seines Bikes.
Wir treffen uns noch auf dem Hotelparkplatz zu einem kleinen  Plausch. Er hat sein Motorrad beim umfahren einer matschigen Stelle total versenkt und musste von einem Quad gerettet werden.
Er ist auf dem Weg nach Finnland zu seinen Verwandten.

Für uns geht es weiter zu dem Lahemma Nationalpark.  Als erstes aber zum Bauhaus um Teile zu kaufen den Spiegel zu reparieren. Als Oliver den Spiegel einstellen wollte hat er ihn direkt wieder komplett in der Hand. Das flüssige Metall hat leider nicht gehalten.

Nun sind Schlauchschellen angesagt.
Auf dem Parkplatz des Baumarktes werden die Schlauchschellen direkt verbaut und es sieht erstmals gar nicht so schlecht aus

.

Eigentlich sollte es zu dem ehemaligen U-Boot Hafen Hara Allveelavade Sadam gehen, aber da Tina gerne eine Moorwanderung machen will, planen wir um und wandern durch ein Hochmoor.
Auf dem Weg dahin besuchen wir noch den Jagala Wasserfall.
Dort treffen wir ein Pärchen das uns einen Campingplatz in Cesis empfehlt bei dem wir auch eine Kanutour buchen können.

Eine Wanderung durch das Hochmoor

Die Wanderung durch das Moor ist sehr schön und sehr wohltuend. Auch wenn Motorrad Hosen nicht unbedingt wandertauglich sind.

Viru Raba ist ein Moor im Harju County, Estland. Die Dicke der Torfschicht beträgt ca. 6 m.
Die Wanderung durch den Sumpf ist sicherlich eine der schönsten, die man in Estland machen kann. Man muss erst einige Zeit durch den Wald laufen, bevor es auf die Holzplanken geht.
Diese sind bis zum Aussichtsturm relativ breit und auch für Kinderwagen und Rollstühle geeignet.
Danach geht es mit zwei Planken wesentlich schmaler weiter. Kommt einem auf diesen Planken entgegen muss man aufpassen nicht in das Moor zu fallen.
Der Rückweg führt dann aber auch ein gutes Stück außen am Moor durch den Wald.

Spuren des Kalten Krieges

Als nächstes wollen wir dann noch die Kadila Raketenbasis besuchen das sich als ein echter Lost Place zeigt, an dem nur zugewucherte Trümmer stehen.

Die Raketenbasis Rohu war Teil der Atomraketenbasis der Sowjetunion im Distrikt Rakvere. Einige Ruinen, Raketen-, Service- und Lagerhallen sowie Flugplätze kann man dort aber noch finden. Dutzende zerfallene Gebäude und ein mehr oder weniger vorhandenes Straßennetz geben einen Eindruck davon, wie der ehemals geschlossene und gut abgeschirmte Bereich zu seinen Zeiten des kalten Krieges aussah. Für diejenigen die sich mehr mit der Militärgeschichte Estlands und den dazugehörigen Schauplätzen interessiert empfehlen wir einen Blick auf die offizielle Seite von Estland zu tätigen.

Im weiteren Verlauf unserer Reise regnet es wieder heftig und wir kommen nicht so voran wie wir gehofft haben.
Am Peipussee suchen wir nun einen Campingplatz. Der erste will 30€ für die Nacht was uns definitiv zu viel ist. Wir haben aber auch das Gefühl nicht willkommen zu sein und fahren weiter.

Der zweite Platz den wir in der Nähe der Ortschaft Nina finden kostet gerade mal 5€. Und der entpuppt sich als echtes Kleinod.

Angekommen an dem Platz ist außer einem roten Wohnmobil eines Litauischen älteren Ehepaares niemand da.
Der Besitzer des Wohnmobils macht uns aber mit Händen und Füßen klar dass wir jemanden anrufen müssen.
Das tun wir auch und am anderen Ende ist ein Dame die gut Englisch kann. Sie erklärt uns alles und so haben wir unseren Übernachtungsplatz gefunden.

Er bietet eine saubere Toilette und einen ruhiger Platz den wir uns nur noch mit dem älteren Paar teilen mit ihrem selbst ausgebauten Van dort übernachtet, sowie eine Katze die einsam, hungrig und sehr anhänglich ist.
Zur unserer Freude kotzt die uns Nachts ins Vorzelt.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 11

Elistvere Tierpark 

Schon ist sie rum, unsere letzte Nacht in Estland. Wir fahren über wunderschöne Kurvenreiche Straßen sowie einigen, etwas anspruchsvollere Off Road Passagen in Richtung Lettland.

Auf unserem Weg besuchen wir noch den Elistvere Tierpark und sind eigentlich erschüttert.
Viele der Tiere zeigen jedoch das typische Verhalten in Gefangenschaft und sehr viele der, eigentlichen Rudel Tiere sind alleine in Ihren Gehegen.

Es ist auf die einheimische Fauna Estlands spezialisiert und wird vom staatlichen Waldbewirtschaftungszentrum betrieben.

 

 

Der Park wurde 1997 gegründet und soll Tiere und Vögel unter möglichst natürlichen Bedingungen ausstellen.

Eesti Lennundusmuuseum

Das nachfolgende Luftfahrtmuseum eine positive Überraschung.
Das Estnische Luftfahrtmuseum befindet sich in Lange bei Tartu in Estland. Es ist das einzige Luftfahrtmuseum des Landes.

Das Museum wurde im Dezember 1999 im Rahmen eines privaten Initiativverfahrens gegründet und am 14. Juni 2002 offiziell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Viele Maschinen aus Ost und West, Teilweise sogar begehbar, sind zu besichtigen.

Und jede Menge Maßstabsgetreue Modelle. Wir verlassen dann Estland und kehren zurück nach Lettland.

Ein Resümee für Estland. Wahnsinnig schöne Landschaften, eine lange und teils traurige Geschichte mit stolzen,
zurückhaltenden aber sehr freundlichen Menschen hat uns auf seine Art begeistert.

Wir erreichen am frühen Abend den Campingplatz Zagarkalns in Cesis direkt an der Gauja den wir uns ebenfalls wieder nur mit wenigen anderen Campern teilen müssen.
Ein großer Platz mit in den Jahren gekommenen Sanitäranlagen.

 

 

Da es die Möglichkeit gibt ein Lagerfeuer zu machen, genießen wir den Abend bei Lagerfeuer und lecker Bierchen.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 12

Gut geschlafen ist zwar anders  aber nach einem leckeren  Frühstück und heißem Kaffee sind die Lebensgeister geweckt und es kann zu neuen Ufern aufgebrochen werden.
Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht auf Kanutour auf der Gauja.

Eine Bootsfahrt die ist.. manchmal anstrengend

Wir buchen die Tour direkt am Campingplatz und der Besitzer erklärt uns den gesamten Ablauf sowie die einzelnen, wichtigen Stellen auf der Gauja und was wir beachten sollen.

Anschließend werden wir mit dem Kleinbus ca. 11 km in Richtung Norden gebracht und an einer Einsatzstelle für die Kanus abgeladen.
Ausgestattet mit Schwimmwesten geht es nun zu neuen Ufern. Zu mindestens für Tina ist es das erste Mal in einem Kanu.
Entsprechend angespannt ist sie und es dauert eine ganze Weile bis sie die Tour auf dem Wasser einigermaßen genießen kann.
Die Gauja fließt sehr ruhig und mit sehr wenig Strömung dahin.
Da wir aber, wie schon so oft auf dieser Reise, hat aber enorm starken Gegenwind mussten wir ganz schön viel paddeln.

Es gibt verschiedene Stellen unterwegs an denen man anlegen kann und eine kleine Rast zum Fotografieren oder zum Picknick einlegen kann.
Auf Grund der Anspannung von Tina verzichten wir darauf und fahren die gesamte Strecke durch.
Nach knapp drei Stunden erreichen wir wieder den Campingplatz und sind doch schon etwas fertig.

Wir erholen uns mit einem kleinen  Fußmarsch in die Stadt zum einkaufen.
Heute gibt es Reisfleisch.

Entdeckungen am Campingplatz

Bevor wir jedoch kochen, schauen wir uns im Umfeld von unserem Campingplatz noch etwas um und sind sehr positiv überrascht.
Direkt hier beginnt der Naturlehrpfad Cīrulīši.

Während eines  Spaziergangs erfährt man hier mehr über die die Entwicklung des Gaujatals von der Eiszeit bis zum heutigen Tag.
Der Naturpfad erzählt die Entwicklungsgeschichte des Gauja-Flusses und der umliegenden Natur.
Wie entstand der Fluss? Wer waren die ersten Einwohner?
Antworten bekommt man während eines langsamen Spaziergangs durch diesen sagenhaften Ort.
Eine echte Empfehlung.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 13

Die alte Holzfähre Ligatne 

Wir starten in der Frühe von unserem Campingplatz an der Gauja in Richtung Süden.
Allzu viel zum besichtigen gibt es eigentlich nicht bis zu unserem nächsten Übernachtungsziel der “Mill of Zasa”.

Aber das gleichen wir mit Abenteuer aus.
Als erstes sorgen wir dafür, dass die rote Gesichtsfarbe von Tina, die sich gestern beim Kanufahren einen Sonnenbrand geholt hat,
wieder in einen leicht blassen Weisston ändert indem wir die alte Holzfähre bei Līgatnes nehmen.

Eine der wenigen handbetriebenen  Fähren, die es noch gibt.
Es ist schon Abenteuerlich auf die Fähre und wieder runter zu fahren, aber zu sehen wie routiniert der Fährmann seine Arbeit verrichtet ist eine Augenweide.

Die Alte Papiermühle

Über endlos lange Sandpisten geht es dann zur Alten Papiermühle in Līgatnes.

Die Papierfabrik ist seit 2014 geschlossen, aber es ist jedoch möglich, einen Besuch beim Tourismuszentrum von Līgatnes zu beantragen.
Der Werksbesuch kostet ca. 6 Euro pro Person und der Führer erklärt die gesamte Geschichte. Der Besuch in der Fabrik erscheint wie eine Zeitreise.
Die Fabrik ist das wichtigste historische Erbe der Stadt Līgatnes. Dort wurden mehrere Jahrzehnte lang Familien gearbeitet.
Schließlich hängt das Leben aller Einwohner von Līgatnes mit der Fabrik zusammen.
Für die Fabrik wurden Holzhäusern für die Arbeiter gebaut die uns schon bei der Einfahrt in Līgatne aufgrund ihres besonderen Baustils aufgefallen sind.

Sehenswert sind auch die Einen Sandsteinhöhlen, in denen die Einwohner der Stadt ihre im Herbst geernteten Gemüsevorräte lagern.

Mehrere Felsen, wie Lustūzis, Anfabrik-Felsen und Spriņģu Felsen gehören zu staatlich geschützten Naturobjekten.

In der nahe gelegenen Ortschaft More besuchen wir noch das Museum. Eine Sammlung von Hinterlassenschaften des 2ten Weltkrieges.
Wenn man dem Museum näher kommt zieht der T34, ein Panzer der Sowjetarmee seine Aufmerksamkeit auf sich.

Obwohl das Museum geschlossen hat öffnet eine nette Dame uns die Ausstellung und bittet uns auch ein paar Worte in das ausliegende Gästebuch zu schreiben.
Dieser Aufforderung kommen wir gerne nach. Denn die Ausstellung aus Relikten des 2. Weltkrieges ist schon sehr interessant.

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Die folgenden, über 30 km Sand- und Schotterpiste am Stück lassen das Offroad Herzchen höher schlagen. Auch wenn Teile davon reine Waschbrettpisten sind, genießen wir jeden Kilometer.

The Mill of Zasa

In Jekapils kaufen wir noch ein, da Hardy, der Besitzer von der Mühle, heute Abend den Grill anwerfen will.
Über die nächste Schotterpiste geht es dann zur Mühle. Die vielen Baustellen LKWs stauben uns munter ein, so dass wir anschließend komplett weiß gepudert sind.

Am Ziel angekommen fallen wir aus allen Wolken. Was für ein Bildschöner Platz.

Hardy hat mit der Mill of Zasa wirklich eine Traumhafte Oase der Ruhe geschaffen. Wir werden begrüßt wie Familienmitglieder und genau so fühlen wir uns auch. Er hat uns verschwiegen, dass heute sein Geburtstag ist.
So kommen wir in das Vergnügen gemeinsam mit Ihm, Lene seiner rechten Hand die alles im Griff hat und seinen Freunden aus Lettland und Deutschland am Abend einige sehr schöne Stunden zu verbringen.

Wer noch mehr interessantes und amüsantes über die Geschichte von Hardy und seiner “Mill of Zasa” erfahren will, dem sei der Podcast

Audiografie – Fotografie zum Zuhören von Ingo Stoll ans Herz gelegt und da die Folge “Die Mühle von Zasa – Hardy Kortmann – Eine Märchengeschichte aus Lettland” den ihr unter anderem auf der Seite von der Familie Stoll “Bunte Tüte ohne Huhn” finden könnt.

Mill of Zasa

 

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 14

Der heutige Tag beginnt ganz ruhig und gemächlich. In der Nacht hat es angezogen und es bildete sich eine hohe Luftfeuchtigkeit, so dass alles was zum trocknen auf der Leine hing nasser war wie gestern Abend.
Inklusive Zelt. Wir haben die Zeit genutzt und uns von Hardy die Mühle zeigen lassen sowie die Soldatengräber des zweiten Weltkrieges, die keine 100 m von der Mühle stehen besichtigt.

Nach einem guten Frühstück mit reichlich Kaffee kommen wir dann doch irgendwann auf die Piste.
Es ist ein sonniger Tag und bisher mit über 25°C der wärmste unseren ganzen Urlaubs.

Da ist es ganz angenehm heute keine Off Road Strecken zu fahren.     Wir fahren mehr oder weniger direkt zu dem Berg der Kreuze nach Litauen unterwegs halten wir kurz an einem Partisanen Denkmal.
Der Partisanenbunker den man besichtigen kann hatte leider nicht geöffnet.

Die weitere Fahrt ist Ereignislos und führt uns vorbei an riesigen Feldern. Das ist wahrscheinlich die Kornkammer Litauens.

Der Berg der Kreuze

Schon von Weitem fällt der Blick der Reisenden auf eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Litauens: auf den Berg der Kreuze.
Am Berg der Kreuze angekommen platzen wir mitten in eine Hochzeitsfoto Session und werden direkt mit eingebaut.
Wir bekommen Süßigkeiten gereicht und Schnaps angeboten,. den wir aber dankend ablehnen.
Die Fotografin drapiert das Brautpaar zwischen uns und schon sind wir im Hochzeitsalbum verewigt.

Der Berg der Kreuze ist ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort in Litauen dessen Entstehung auf verschiedene Legenden zurück geführt wird.
Der Berg liegt ca. 12 km nördlich von Šiauliai. Um 1900 standen 150 und 1940 etwa 400 Kreuze auf dem Hügel.

Der Hügel war zunehmend ein Dorn im Auge des kommunistischen Regimes in Litauen. Es wurde beschlossen, den angeblich heiligen Ort zu zerstören.

Eine erste Vernichtungsaktion fand 1961 statt. Hierbei wurden die Kreuze mit Bulldozern niedergewalzt, 2179 Kreuze vom Hügel geholt und die Holzkreuze verbrannt.
Eiserne Kreuze wurden zum Schrott gegeben, die Stein- und Betonkruzifixe zerschlagen, vergraben oder im nahe liegenden Bach versenkt.
Doch bereits in der nächsten Nacht wurden neue Kreuze errichtet.
1973, 1974 und 1975 wurden diese Zerstörungsaktionen des Regimes wiederholt, jedoch blieb der Kreuzzug der Kommunisten gegen den Berg der Kreuze erfolglos,
wodurch der Berg zunehmend zum Symbol des nationalen Widerstands wurde.

Die kleinen Kreuzanhänger und Rosenkränze, die die ebenfalls dort aufgehängt wurden, schlagen bei Wind aneinander und verstärken die mystische Stimmung des Berges. Der Berg der Kreuze ist bedrückend und beeindruckend zugleich.
Ein Platz der auf jeden Fall besucht werden sollte.

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Nun geht es zu unserem nächsten Campingplatz.

 

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 15

Wir haben die letzte Nacht in einem Schlosspark übernachtet und verlassen den Campingplatz Kurtuvenai bei blauen Himmel und Sonnenschein.

Heute steht als Ziel Vilnius, die Hauptstadt Litauens  fest. Auf dem Weg dahin gilt es jedoch noch einiges zu besichtigen.
Überraschender Weise kommen auch noch einige Kilometer Schotterpiste unter die Räder.

Wir fahren in Richtung Südosten und  immer mehr wird uns deutlich vor Augen geführt dass der Herbst Einzug hält.
Nicht an den Temperaturen merkt man das, die immerhin bei 27 – 28°C liegen, sondern an den vielen Kranichen die sich auf den Feldern sammeln um in Richtung Süden zu starten.
Und an den vielen Familien und Kleinbauern die damit beschäftigt sind die Kartoffelernte einzubringen.

Das IX Fort in Kaunas verpasse ich wegen schlechter Ausschilderung.

Na gut, das Wasserschloss in Trakai wird es bringen.

Tut es aber nicht. Hunderte von Menschen die sich durch die engen Straßen zwängen und die vielen Autos die von den Anwohnern Parkplätze angeboten bekommen.

Parken gegen Bares.

So bleibt nichts anders als sich durch die Menschen und Fahrzeugmassen zu schieben und ein paar Schnappschüsse der Wasserburg zu machen.

Motorradparadies Litauen

Was uns jedoch entschädigt ist die Landschaft durch die wir hier im Südosten Litauens fahren dürfen.

Einfach traumhaft. Sollte jemand der Meinung sein dass sich die Baltischen Staaten nicht zum Motorradfahren eignen, der wird gerade hier eines besseren belehrt.

Zugegeben, es gibt keine Passstraßen mit Schwindel erregenden Höhen. Aber es gibt kleine und feine Landstraßen auf denen man sich von einer Kurve in die nächste schwingen kann.
Der Verkehr in Litauens Hauptstadt ist Chaos pur und das Hotel ist ok. Auch wenn uns die vielen Busse auf dem Hotel Parkplatz schon übles ahnen lassen.

Auch hier sind wir wieder sehr nahe an der Altstadt. Und die lässt einen erst mal sprachlos werden.

Wir flanieren ein wenig durch die Straßen und bestaunen die vielen Wunderschönen Häuser.
Nachdem wir uns für ein Resteraunt entschieden haben stillen wir unseren Hunger mit kalter, Rote Beete Suppe, Schweinerippchen und einer Schweinshaxe.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 16

Der heutige Tag in Vilnius zeigt sich sehr sportlich. Also so richtig sportlich.
Also nicht direkt für uns, aber für die Hunderte oder Tausende von Läufern die an dem Vilnius Marathon teilgenommen haben.

Für uns geht der Sport am Frühstücksbuffet los. Die Touristen von den vielen Reisebussen plündern das Buffet.

Wir haben Mühe etwas zu ergattern, schaffen es aber irgendwie doch noch. Danach gehen wir auf Stadtbesichtigung und da hat Vilnius sehr viel zu bieten.

Die freie Republik Užupis

Durch die Altstadt führt uns unser Weg direkt in die freie Republik Užupis.

Užupis bedeutet „jenseits des Flusses“ und bezeichnet einen kleinen Stadtteil am Rand der Altstadt von Vilnius.

Užupis war einst ein jüdisches Viertel, und wurde erst im 16. Jahrhundert durch die erste Brücke über den Fluss mit dem Rest der Stadt verbunden.
In Mitmachworkshops kann vom Töpfern bis zum Malen alles Mögliche an kreativen Techniken erlernt werden.
Künstler und Bewohner von Užupis führen gemeinsame Aktionen durch um Kunsthappenings sowie Musikfeste zu organisieren.

Wir durchwandern dieses Künstlerviertel von Vilnius und landen irgendwann im angrenzenden Park.
Ein Abstieg aus luftiger Höhe durch den Wald benötigt eigentlich eine Bergsteiger Ausrüstung.

Gedimino kalnas

Auch die Burg will besichtigt werden und der Aufstieg bringt uns ebenfalls wieder ins Schwitzen.
Der Gediminas Turm und die Kathedrale in unmittelbarer Nähe sind wirklich sehenswert und einen Besuch wert.

Der Gediminas-Turm ist der einzige erhaltene Eckturm der Anlage der Oberen Burg und ist schon von weitem zu sehen.

Der Turm auf dem 142 m hohen Gediminas-Hügel ist heute ein Wahrzeichen von Vilnius.

Auf den Turm kann man mit einer Seilbahn fahren, also auch geeignet für Leute die nicht so gut zu Fuß sind!

In der Innenstadt steppt derweil der Bär.
Immer mehr Teilnehmer finden sich die am Vilnius Stadt Marathon teilnehmen und es starten noch Gruppen als bereits erste Teilnehmer geehrt werden.
Nachdem wir gefühlt alle Straßen der Altstadt abgelaufen haben, gehen wir zurück in das Hotel um uns zu etwas zu ruhen bevor wir wieder in die Stadt gehen zum Abendessen.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 17

Der letzte Tag in Litauen

Vilnius entlässt uns am frühen Vormittag aus seinem Bann und wir starten in Richtung Südwest mit dem Wissen dass dies die letzte Nacht in Litauen war und wir nun eigentlich schon auf dem Rückweg sind.

Neben den vielen kleinen Straßen die wir fahren gönnt uns Litauen auch noch mal gute 15 km übelste Waschbrettpiste.

Litauen – der Grutas Park 

Bevor wir die Polnische Grenze erreichen besuchen wir noch den Grutas Park.
Der Grutas-Park ist ein Skulpturenpark in der Nähe des Kurorts Druskininkai, im Süden Litauens.
Er wurde vom einem litauischen Unternehmer errichtet. 
Dutzende von Skulpturen aus der Zeit der sowjetischen Besatzung Litauens, die von ihren ursprünglichen Standorten in den Stadtzentren entfernt wurden, fanden hier einen neuen dauerhaften Standort.

In einer für Propagandastatuen bewusst untypisch gewählten Umgebung werden die Personen, die durch die Statuen repräsentiert werden,
und die Taten, für die sie verantwortlich waren, mit dreisprachigen Informationstafeln vorgestellt (litauisch, englisch, russisch).
Eine Sammlung von Russischen Denkmälern, Bildern und anderen Exponaten die in den Städten der baltischen Staaten nicht mehr erwünscht sind.
Eine beeindruckende Sammlung von Lenins  Marx, Engels und Stalin  Abbildungen neben vielen, uns bis dato unbekannten Personen der dunklen Geschichte der Baltischen Staaten die in den Städten nicht mehr erwünscht sind.

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Polnische Grenze und werden auch prompt kontrolliert.
Wohl aus purer Langeweile. Wir fahren eine Weile weiter in Richtung Westen bis wir uns entscheiden einen Campingplatz zu suchen.

Wir werden fündig und fahren zum Campingplatz Echo am See Jezioro Niegocin.

Irgendwann erwischt es jeden!

Auf dem Weg dorthin heißt es dann irgendwann erwischt es jeden. Ein platter Reifen bei Tigger. Wir pumpen den Reifen mit Hilfe unserem Kompressors auf und Humpeln mehr oder weniger zum Platz.

Wir werden von der Besitzerin sehr freundlich in bestem Englisch empfangen. Nach dem Einchecken gibt sie uns auch noch die Adresse des besten Reifenservices vor Ort.
Ein herrliches Fleckchen Erde das ich aber nicht wirklich genießen kann, denn Reifen Flicken ist angesagt. 
Und was das bei einem Heidenau K60 Scout kennt, weiß wie ich mich Quälen durfte.
Operation gelungen  Patient lebt.

Tina hat derweil unser leckeres Abendessen zubereitet. Nudeln und Gulasch. Wir genießen unser Abendmahl auf einer Bank am See.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken –  Tag 18

Die Masuren in Polen

Es hat die Nacht geregnet. Somit wird heute wieder ein nasses Zelt eingepackt.
Tina sehnt sich nach Brot ohne Kümmel. Ob das was wird?

Führerhauptquartier Wolfschanze

Auf unserer Liste steht heute das Führerhauptquartier Wolfschanze in dem Oberst von Staufenberg das Attentat auf Adolf Hitler verübte.

Bevor wir jedoch dorthin fahren, heißt es ein kleines aber feines Problem zu beseitigen. Wir brauchen Bargeld. War das bezahlen mit Karte in den Ländern des Baltikums überall möglich stehen wir hier in Polen vor dem genauen Gegenteil. Fast überall brauchen  wir Bargeld. Und da in Polen der Euro nicht eingeführt wurde müssen wir uns Zloty besorgen. In der nächsten größeren Stadt suchen wir uns einen Geld Automaten, was sich trotz Google Maps gar nicht so einfach gestaltet. Mehrfach schickt uns Google an Orte wo eventuell mal ein Geldautomat war. Im Städtchen Kętrzyn (Rastenburg) werden wir fündig.
Auf dem Weg zur Wolfsschanze findet man auf der linken Seite noch ein kleines Museum auf einem ehemaligen Flugplatz. Allerdings wird dort nicht geflogen, aber dafür sind die Maschinen zum Anfassen. Zusätzlich gibt es eine Ausstellung der polnischen, deutschen und amerikanischen Armee.

An der Wolfschanze gibt es extra einen Parkplatz für Motorräder die auch nichts kosten.
Wir durchschreiten dieses Freilichtmuseum und wissen gar nicht wie man diesen Ort beschreiben soll, beziehungsweise wie man die Gefühle beschreiben soll die man dabei hat. Erschreckend? Faszinierend?
Echt keine Ahnung, wir finden nicht die passenden Worte.
Aber es wird einem wieder ein  Teil der dunklen Geschichte vor Augen geführt und hier lebendig gehalten.
Leider etwas das viele in der heutigen Zeit vergessen haben.
Die Geschichte des Attentats auf Adolf Hitler wird hier ebenso detailliert dargestellt und wieder gegeben wie auch die hier an diesem Ort getroffene Entscheidung für das Schicksal von Warschau.
Zur Ablenkung durchfahren wir aber die Wunderschöne Landschaft der Masuren auf kleinen Straßen und ein Paar Wellblechpisten.

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Der Oberlandkanal

Das letzte Ziel für uns ist der Oberlandkanal mit seinen einzigartigen ” Schleusenanlagen” um Boote von einem Teil des Kanals über Schienen in den Nächsten Kanal zu bringen.
Nebenbei sind wir auf einem sehr spärlich ausgestatteten aber landschaftlich Wunder schönen Campingplatz direkt an dem Kanal.

Während wir unser Zelt aufbauen werden tatsächlich einige Schiffe über dieses Hebewerk auf den nächsten Level gebracht.

Wir laden den Campingwart auf ein Bier ein und genießen den Abend bei leckeren selbstgemachten Frikadellen und einem kleinen Lagerfeuer.

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Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 20

Die Heimreise

Mittlerweile sind wir wieder in Deutschland angekommen.
Nachdem wir am Mittwoch noch ein wenig durch die Masuren gefahren sind, haben wir uns entschlossen Polen den Rücken zu kehren
und nach Deutschland zu fahren Tina hat dazu auch schon einen Campingplatz im Spreewald ausgesucht den wir nun mit fast 600 km Entfernung ansteuern.

Anfangs noch über feine Landstraßen in der Kaschubai geht es später dann auf die Polnische Autobahn die übrigens Maut kostet und in Zloty oder mit Karte bezahlt werden muss.

Freudentränen oder Sintflut?

Durch den schönsten Sonnenschein geht es Westwärts.
Es zieht ein Wolkenschleier auf und es kommt wie es kommen musste, Deutschland empfängt uns direkt nach dem Grenzübergang mit Starkregen.
Patschnass wie wir sind entschließen wir uns für einen Aufenthalt im Hotel mit Gaststätte dabei.

Teuer, das Essen ok, im Bad tropft es von der Decke was auch irgendwie keinen wirklich interessiert.

Nach dem Frühstück geht es wieder auf die Straße und wir fahren auf wundervollen, Kurvigen und kleinen Straßen durch den Spreewald.
Anschließend durchfahren wir einige bekannte Ortschaften wie Bitterfeld oder Halle auf dem Weg in Richtung Harz. Dort werden wir auf dem Seecampingplatz in Kelbra die letzte Nacht vor der Heimfahrt verbringen.

Am Ende der Reise bleiben uns Erinnerungen an die drei Baltischen Staaten die sich so sehr ähneln aber auch so unterschiedlich sind.
Es sind Länder in denen Menschen wohnen die stolz sind, die fröhlich sind und zu denen wir bestimmt wieder auf einen Besuch vorbei kommen werden.
Mit insgesamt 6 Fähren kam es einem manchmal schon vor wie eine Kreuzfahrt.

Und denjenigen die bisher noch nicht dort waren empfehlen wir es so schnell wie möglich auf den Weg zu machen.