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2021 – Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Teil 1

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Usus Via Baltica

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 1

Die Anreise

Endlich geht es wieder los. Endlich wieder auf Reisen. Nach so langer Zeit des Stillstandes, der Pandemie die uns fest im Griff hatte.

Und es spielt für uns auch keine Rolle dass der Wettergott es diesmal zur Abreise nicht gut mit uns meint.

Die Tiger sind beladen und Abfahrtbereit. Es soll für die nächsten drei Wochen auf Tour durch das Baltikum gehen. Eine Rundreise durch Estland, Lettland und Litauen.
Länder deren Kulturen und Sprachen uns komplett unbekannt sind aber die wir unbedingt kennen lernen wollen. Mit diversen Reiseführern, Reiseberichten, YouTube Videos und Dokumentationen haben wir versucht uns auf diese Reise vorzubereiten. Vieles steht auf unserer Wunschliste das wir uns anschauen möchten.

Unsere Anreise erfolgt mit der DFDS Fähre von Kiel nach Klaipėda in Litauen. Wir haben die Fähre im Vorfeld gebucht und wie auch schon bei der Schottlandreise den Rabatt von Louis verwendet.
Da wir keine Autobahnen lieben führt uns unser Weg auf kleinen Straßen in Richtung Norden. Mit der Märchenfähre Lippoldsberg überqueren wir die Weser.
Es regnet nun ununterbrochen und wir sind komplett durchweicht.
Aufgrund des schlechten Wetters entscheiden wir uns gegen einen Campingplatz und buchen uns eine Nacht in einem Hotel in der Nähe von Soltau ein.

 

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken Tag 2

Der nächste Tag hat schon die ersten Highlights auf unserer Wunschliste auf dem Programm. Doch ehe wir diese erreichen durchfahren wir die Lüneburger Heide.
Irgendwie durchqueren wir die Heide immer dann wenn die Erika in der Blüte steht. Und wie jedes mal denken wir uns dass es mal Zeit wird für einen Trip in die Heide während der Blütezeit.

Es werden Erinnerungen wach von den Zeiten an denen wir mit unseren Kindern Urlaub in der Heide gemacht haben.

Manchmal muss ich erst Denken bevor ich Spontan sein kann!
Tina Löffler 28.08.2021

Wir fahren an so schönen Landschaften vorbei, aber trotzdem schaffen wir es nicht stehen zu bleiben und Bilder zu machen um diese Momente festzuhalten.
Es zieht uns einfach weiter. So schnell wie möglich wollen wir das Baltikum erreichen.

Von der Lüneburger Heide geht es direkt zur Elbfähre Zollenspieker.

Dort gibt es den Motorradtreff Hoopte mit seinen leckeren Fischbrötchen auf die wir uns schon den ganzen Morgen gefreut haben.
Nachdem wir die nächste Fährfahrt gemeistert haben fahren wir weiter über kleine Straßen in Richtung Norden.
Vorbei am großen Plöner See bietet der Norden zwar keine aufregenden Serpentinen, aber dafür auch Kurvenreiche kleine Landstraßen durch herrliche Landschaften

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Marine Ehrenmal

Da unsere Fähre erst am späten Abend ablegt haben wir noch Zeit am Marine Ehrenmal und dem Technischen Museum U995 in Laboe vorbei zu schauen.
U 995 ist ein deutsches U-Boot der ehemaligen Kriegsmarine, das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.

Ein kleiner Spaziergang am Strand gibt uns die Möglichkeit ein klein wenig dem Gefühl näher zu kommen im Urlaub zu sein.
Verstärkt wird das ganze beim Anblick der Kite Surfer die mit Ihren Kunststücken auf dem Wasser  auf sich aufmerksam machen. Von Laboe aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Ostuferhafen von dem die Fähre nach Klaipėda ablegt. Der Check In, einschließlich der Prüfung des Covid Zertifikates, ist schnell erledigt und so heißt es nun warten bis wir auf die Fähre dürfen.
Die Wartezeit verbringen wir damit, dass wir uns mit einem Schweizer Pärchen unterhalten die ebenfalls auf zwei Rädern in Richtung Baltikum unterwegs sind.

Zurück in die Vergangenheit

Bei einem Rundgang finden wir, direkt am Ostuferhafen, ein kleines Museum das sich mit dem Beruf des Formers und des Eisengießens beschäftigt.

Da Oliver in seinem Ersten Beruf Handformer gelernt hat war es die Möglichkeit einen kleinen Rückblick auf die eigene Vergangenheit zu haben.
Hier hat sich die Gelegenheit aufgetan mehr über den Beruf des Formers zu erfahren und alles was man bisher nur aus Erzählungen kannte, durch die Exponate der Ausstellung mehr zu verstehen.  Und für Oliver war es ein Rückblick in längst vergangene Tage.

Beim späteren Einschiffen auf die Fähre kommen die Motorräder ganz nach unten in den Bauch der Fähre.
Beladen mit unserer Tasche, die wir extra für die Fähre schon vorbereitet hatten, geht es endlose Stufen nach oben zur Rezeption der Fähre wo wir unsere Kabinenkarten bekommen.

Nach einem leckeren Abendessen vom Buffet genießen wir mehr oder weniger die Fahrt auf der Fähre da es doch sehr stürmisch geworden ist.

Knappe 300 € hat uns die Fährfahrt mit 2 Motorrädern, Innenkabine und Verpflegung gekostet.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 3

Das Wetter bessert sich zunehmend, je näher wir Litauen kommen. Jedoch wird der Wind auch immer stärker.

Wir finden ein relativ windstilles Plätzchen im hinteren Teil des Promenadendecks der Fähre und genießen die wärmende Sonne.
Die Industrieanlagen und das große Gaskraftwerk  das man bei der Einfahrt in den Hafen von Klaipeda sieht wirken nicht sehr einladend. Je näher wir jedoch der Anlegestelle kommen, ändern sich die Aussichten und das Ganze wirkt schon bedeutend einladender.

Die Fähre entlässt uns am frühen Abend  im Hafen von Klaipėda.

Wir haben es geschafft. Wir sind in Litauen. Nachdem wir den Hafenbereich verlassen haben schauen wir uns nach einer Tankstelle um, da beide Motorräder so ziemlich leer gefahren in die Fähre kamen.
Eine Tankstelle ist schnell gefunden. Benzin ist in Litauen um einiges günstiger und das Netz der Tankstellen sehr engmaschig.

 

Litauen – die Kurische Nehrung

Eine weitere Fähre bringt uns dann auf die Kurische Nehrung.

So langsam habe ich das Gefühl wir sind auf einer Kreuzfahrt und nicht auf einer Motorradtour. Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands. Seit 1945 gehören die nördlichen 52 km zu Litauen und die südlichen 46 km zur russischen Oblast Kaliningrad.
Für den Nationalpark Kurische Nehrung wird neben der Gebühr für die Fähre auch ein Eintrittsgeld von 5€ / Motorrad für den Naturpark fällig.
Wir durchfahren den Nördlichen Teil bis nach Nida, kurz vor der Russischen Grenze. Hier gibt es den einzigen Campingplatz auf der Nehrung, Nidos kempingas.

Wir checken für eine Nacht ein und fahren nach dem Zeltaufbau noch schnell in die Stadt zum einkaufen.
Die Tatsache, dass in Litauen der Euro schon eingeführt wurde, macht das vergleichen der Preise beim Einkaufen relativ einfach. Obwohl es mich schon verwundert dass es in diesem kleinen Einkaufsladen SB Kassen gibt die ich bis dato nur von Ikea her kannte. Zurück beim Zelt gibt es als erstes Mal das obligatorische Bierchen bevor wir uns das Abendessen zubereiten und danach müde ins Bett fallen.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 4

Wir starten den Tag mit einem leckeren Frühstück und ganz wichtig, endlich wieder mit unserem  morgendlichen Kaffee auf Reisen.
Irgendwie schmeckt der besonders gut.
Auch wenn er nicht, wie gewohnt, aus dem Kaffeevollautomaten zuhause kommt, sondern mit unserer French Press von Jetboil und dem Gaskocher hergestellt wird.

Das morgendliche Ritual nach dem aufstehen, den Kocher anzuwerfen, Wasser heiß zu machen und das Kaffepulver danach Löffelweise reinzugeben hat etwas besonderes.

Die Parnidis Düne

Die Nacht war ruhig, der starke Wind ist über unser Zelt hinweg gefegt und hat uns nicht weiter gestört.
Nachdem wir abgebaut haben fahren wir zum Parkplatz an der Parnidis Düne. Die Parnidis-Düne ist eine der höchsten Wanderdünen Europas.


Es führen außerdem mehrere Fußwege auf und über die Düne, sowie eine schmale Fahrstraße, die in rund 250 m Entfernung von der höchsten Stelle auf einem kleinen Parkplatz endet.
Das Verlassen der vorgesehenen Fußwege und das Klettern an Hängen der Düne ist bei Strafe verboten. So will man das fortschreitende Abrutschen des Sandes verringern.
Jeder Besucher, der sich an den Hängen abseits von befestigten Wegen bewegt, soll wissenschaftlichen Berechnungen zufolge mehrere Tonnen Sand in Bewegung setzen.
Der deutsche Namen Parnidis-Düne ist die direkte Übersetzung des litauischen Namens Parnidžio kopa.
Wegen der wandernden Düne musste die Ortschaft Nida im Laufe der Jahrhunderte nämlich mehrere Male aufgegeben und an neuer Stelle wiederaufgebaut werden.

Wir wandern eine gute Stunde durch diese einzigartige Landschaft die auch schon J.P. Sadre vor vielen Jahren besuchte. Eine Statue mit entsprechenden Erläuterungen steht direkt am Wegesrand.
Wie auch einige andere Skulpturen sowie eine Sonnenuhr mit einer 13,8 m hohen Steinsäule. Wir fahren nun weiter von der Kurischen Nehrung in Richtung Lettland.

Die Toden Dünen und ein kleines Auto

Auf dem Weg in Richtung Norden kommen wir wieder an einem Parkplatz vorbei der uns auf der Hinfahrt schon aufgefallen war. Hier gibt es zum einen eine weitere, besondere Düne.

Die Toten Dünen, Neringos savivaldybė eines der dramatischsten und botanischen Merkmale dieser einzigartigen geologischen Formation.
Mit einer Höhe von bis zu 60 Metern verdecken die Toten Dünen immer noch vier Dörfer und zwei Friedhöfe, die zwischen 1675 und 1854 vom Flugsand verschluckt wurden, als die Dünen 0,5 bis 15 Meter pro Jahr wanderten.

Um sich den Anblick zu gönnen darf man pro Erwachsenen jeweils 7 € zahlen.
Ob man das möchte, da man ja schon die Fähre sowie einen Eintritt für den Naturpark zahlen musste, darf jeder für sich selbst entscheiden.
Den Espresso aus dem „Lavazza Smart Car“ können wir auf alle Fälle empfehlen.

 

Kolonie der Kormorane in Juodkrante

Wenn man sehen will, wie Vögel einen ganzen Wald durch ihre Exkremente zerstören, dann ist ein Stop an der Juodkrantė Kolonie der Graureiher und Kormorane obligatorisch.
Es ist die größte Kolonie von Graureihern und Kormoranen Litauens, die hier seit dem 19 Jahrhundert beobachtet wird.

Holzstufen führen von der Straße hinauf zu einer Aussichtsplattform, von der aus die Besucher auf Hunderte von Nestern in den Kiefern schauen können.
Tausende von Kormoranen nisten auf den Bäumen. Und wenn die Vögel da sind vermischt sich Vogelgeschrei mit dem Gestank ihres Kotes.
Deutlich wird hier aber, was der Vogelkot mit den Bäumen anstellt. Rund um nur Todes Holz.
Solche Bilder kenne ich aus den letzten Jahren aus dem Harz als die Trockenheit extrem zugeschlagen hatte.

Der Hexenberg

In Juodkrantė entdecken wir am Wegesrand die beiden Maschinen unserer Schweizer wieder. Direkt unterhalb des Hexenberges.

Der Hexenberg ist eine Skulpturengalerie im Freien in der Nähe von Juodkrantė.
Wir durchwandern den Skulpturenpark, sehen aber die die beiden nirgends.

Der Park selbst ist sehr sehenswert und wird von den Anwohnern liebevoll gepflegt. Skulpturen sind in Juodkrantė allgegenwärtig.
Neben den Holzskulpturen gibt es noch Steinskulpturen und Sandskulpturen wie wir sie aus Dänemark kennen am Wegesrand. Ein sehr schönes Städtchen auf der Kurischen Nehrung.

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Nach der Parnidis Düne und dem Hexenwald mit tollen Holzskulpturen, ging es wieder mal auf die Fähre. Die Rückfahrt ist im Preis der Hinfahrt inbegriffen.

Doch eine Kreuzfahrt?

Museum des Kalten Krieges in Plokščiai

Durch das Gewusel des Verkehres in Klaipeda kämpfen wir uns in Richtung Osten vor bis wir den Nationalpark Zemaijdios erreichen.

Unser dortiges Ziel ist das “Cold War Museum”. Eine, von der Sovjet Union errichtete Raketenabschuss Basis, mitten im Nationalpark der Žemaitija gelegen.
Diese unterirdische Bunkeranlage aus Sowjetzeiten, in der vier riesige ballistische Raketen auf ihren Abschuss warteten.

Ihr Ziel: Westeuropa.

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Heute befindet sich in den Katakomben eines der besten Museen des Landes, in der die Geschichte des Kalten Krieges erklärt wird.
Jeder Besuch geht unter die Haut.

Dies ist eine von vielen festen Abschussbasen des kalten Krieges die man im Gesamten Baltischen Raum findet.
Erschreckend und faszinierend zugleich ist der Rundgang durch unterirdischen die Räume des Museums und der Anblick der Raketensilos.

Der Campingplatz Mikanju seta

Über die erste Gravelroad ging es dann zu unserem heutigen Campingplatz, Mikjanu seta im Pape Nationalpark in Lettland.

Schmuggeln lohnt sich nicht

Am Grenzübergang von Litauen nach Lettland werden wir von Grenzbeamten und der Polizei angehalten.
Unsere Ausweise möchten sie gar nicht sehen.

Sie lassen einen Drogenspürhund unsere Motorräder beschnüffeln und der schlägt bei meinem Motorrad an.

Er hat tatsächlich die Tüte Hundeleckerlis in meiner rechten Seitentasche gefunden und ich darf jetzt den Beamten erklären was das in der Tüte ist.
Mit einem schmunzeln im Gesicht lassen uns die Beamten dann weiter fahren.

Der Weg zum Campingplatz ist ebenfalls wieder eine Gravelroad der sich in die Länge zieht und irgendwann in einen Feldweg verwandelt.
Uns ist schon der Gedanke gekommen dass wir uns verfahren haben, aber dem ist nicht so. Als es gar nicht mehr weiter geht stehen wir schon mitten drin im Campingplatz.
Wir teilen uns den gesamten Platz mit einem anderen Deutsche Pärchen die mit Ihrem Wohnmobil unterwegs sind.

Die Aussage “fast schon Lost Place” trifft es als Beschreibung für diesen Platz sehr treffend. Liebevoll angelegt und an jeder Ecke wes anderes zu entdecken.

Schwefeliges Wasser

Die Toiletten, Duschen und die kleine Küche sind weitgehend Sauber. Ein Problem, das uns auch auf der weiteren Reise entlang der Küste und in manchen Regionen im
Inland immer wieder begegnen wird ist die Verfügbarkeit von Trinkwasser.
In vielen Regionen bekommt man aus der Leitung nur braune, nach Schwefel riechende Brühe die zwar in erster Linie nicht gesundheitsgefährdend ist,
man aber sich damit weder die Zähne putzen möchte noch einen Schluck davon trinken möchte.

Die Möglichkeit des Einkaufens ist in den Baltischen Staaten hervorragend. In fast jedem Dorf gibt es noch die guten, alten Tante Emma Läden, die man bei uns früher auch kannte
und in denen man alles bekommt was man braucht.
Für uns wird es zur Täglichen Routine das nötigste für den Abend und den anderen Tag einzukaufen.

Keine 50 m bis zu einem wunderschönen Sandstrand an der Ostseeküste an dem wir uns gemeinsam mit unseren neuen Freunden den Sonnenuntergang anschauen und wieder feststellend dass es noch mehr Reiseverrückte mit den gleichen Sehnsüchten und Wünschen gibt die jedoch mit dem Womo unterwegs sind und nicht mit dem Motorrad.

Aber in unseren Augen spielt das auch gar keine Rolle.

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Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 5

Der frühe Vogel kann uns mal. Gegen 10:00 Uhr starten wir vom Mikjanu seta Campingplatz in Richtung Norden. Immer entlang am Pape Nationalpark.
Im Pape Naturpark hat für Naturliebhaber viel zu bieten, darunter auch die Ostseeküste mit den Dünen, den See Papes, das Hochmoor in Nida, die verschiedenen Naturpfade, die Wildpferde und Auerochse, die in den Naturparkwiesen weiden.
Leider bekommen wir keins der Wildpferde oder die Auerochsen zu Gesicht

Über viele Kilometer Gravelroads und einigen Teilen des TET Europe fahren wir in Richtung Liepaja. Dort sind die alten Bunkeranlagen an der Nördlichen Mole und die Trümmer vom “Northern Ford ” unser nächstes Etappenziel. Die Anlage wurde noch zu Zeiten des letzten russischen Zaren gebaut und wieder gesprengt. Überraschenderweise hatten die Bemühungen, die Festungen zu zerstören, den Effekt, eindringliche Ruinen am Meer zu schaffen. 

Jeder dieser kleinen Steinbunker birgt seine eigenen Geheimnisse.

Unser Weg führt uns weiter nach Norden. In dem kleinen Städtchen Pāvilosta an der Küste legen wir unsere Mittagspause ein.
In einem kleinen Resteraunt treffen wir dabei unsere beiden Radfahrer von der Fähre wieder.
Nach einem kurzen Gespräch verabschieden wir uns wieder. Wir schauen uns noch den Hafen an und kaufen im örtlichen Tante Emma Laden das nötigste für den Abend ein. Unser Weg führt uns aus der Stadt direkt auf einen Offroad Abschnitt der auch Teil des TET Litauens ist. Die Strecke ist, bis auf die letzten 100 m , relativ leicht zu fahren.

Als wir wieder auf die ausgebaute Straße kommen, fahren gerade unsere Radfahrerfreunde an uns vorbei. Wir bedauern die beiden schon etwas, denn der Gegenwind macht es nicht einfach vorwärts zu kommen. 

König der Welt

Über Stock und Stein geht es die Küste entlang bis zur Steilküste Jurkalnes.
Meine Performance als “König der Welt” ala Leonardo DiCaprio aus Titanic amüsiert alle umherstehenden die sich ebenfalls an der Steilküste aufhalten.

Unsere geplante Route geht über kleine Straßen weiter.
Viele dieser Verbindungsstraßen sind jedoch entweder nicht geteert oder sind schlicht und ergreifend Feldwege. Für uns eine gelungene Abwechslung und die Möglichkeit Erfahrungen beim befahren von sandigen Abschnitten zu üben.

Irbenes Radioteleskop

Für die Off- Road Etappen benötigen wir jedoch mehr Zeit und so lange, dass es uns klar wird unser Tagesziel, das Kap Kolka ist heute nicht mehr zu erreichen.
Macht aber nix. Der nächste Besichtigungspunkt, das Radioteleskop bei Irbene wird noch besucht.
Das internationale Zentrum für Radioastronomie von Ventspils befindet sich hier in Irbene, ein ehemaliges Städtchen der sowjetischen Armee.

Zu wissenschaftlichen Zwecken funktionieren hier immer noch in die 32 m große Parabolantenne TR-32, die die größte in Europa und die achtgrößte weltweit ist.
Hier kommt man mittlerweile nicht mehr so nah ran wie früher und das starten von Drohnen ist leider verboten.
Egal, war trotzdem ein beeindruckender Spot und man hat hier einen tollen Spielplatz um Sandfahren zu üben. Außerdem liegen auf der Strecke noch jede Menge Lost Places der ehemaligen Stadt.

Ich muss direkt an Panny von den Kradvagabunden denken. Das hier wäre ein Platz ganz nach seinem Geschmack.

Wir suchen uns einen Campingplatz in Strandnähe, Mikelbäka, und bauen das Zelt auf. Nach dem Duschen mit dem braunen, schwefeligen Wasser fühlt man sich nicht wirklich sauber.
Ein Spaziergang entlang der leeren Sandstrände Entschleunigt.

Auch wenn es Stürmisch wird in Lettland. Der Platz ist soweit super und der Wind zieht über uns hinweg. Eine Sauna wäre jetzt super.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 6

Von unserem heutigen Campingplatz geht es nun in Richtung Norden. In Mazirbe findet man den „Bootsfriedhof im Wald“.
1976 nahmen die Russen den einheimischen Fischern ihre Boote weg, um deren Fischerei einzudämmen.
Die Fischerboote landeten im Wald hinter der Stranddüne, wo sie seitdem verrotten.

Gefunden haben wir die Boote nicht wirklich, aber dafür eine der schönsten Off-Road Strecken und Gravelroads entlang der Küste.
Die Strecke führt auch durch die ein oder andere Ortschaft und wir ernten teilweise Verwunderte Blicke.
Die ein oder andere Bewunderung Tina gegenüber die mit dem “großen” Motorrad und Gepäck auf solchen Straßen unterwegs ist, wird mit einem Daumen hoch kundgetan.

Kap Kolka

Am Kap Kolka angekommen stellen wir wieder mal fest wie schön es in Lettland ist.
Kap Kolka ist der nördlichste Punkt der Halbinsel Kurland, an dem die offene Ostsee und die Bucht von Riga zusammentreffen.

Das Kap ist, auf Grund seiner besonderen Lage, der einzige Platz in Lettland, wo man sowohl den Sonnenaufgang als auch den Sonnenuntergang im Meer beobachten kann.

Wir genießen die Sonnenstrahlen an dem Menschenleeren Strand und wandern durch die, von angespültem Holz und umgefallenen Bäumen gezeichnete Landschaft.
Am Parkplatz befindet sich neben einem Kiosk und der Touristeninformation auch ein Kaffee. Wir gönnen uns auf der Außenterrasse einen leckeren Cappuchino.
Es war geplant hier in der Nähe vom Kap Kolka zu übernachten, aber die geänderte Planung der ersten Tage, sowie die Wetteraussichten der nächsten Tage hat uns zu dem Entschluss kommen lassen weiter zu fahren.
Auf unserem Weg in Richtung Riga kommen wir durch kleine Ortschaften an deren Straßenrand ab und an eine kleine Holzbude steht an denen man geräucherten Fisch kaufen kann.
An genau so einem Stand bleiben wir stehen und holen uns unser Mittagessen.
Die Kommunikation mit der älteren Dame erfolgt mit Händen und Füßen, ist aber im Endeffekt von Erfolg gekrönt.

Wir suchen uns einen Platz mitten im Wald um dem leckeren Räucherfisch den Garaus zu machen. Die Strecke die es dann entlang gehen sollte ist erstmal eine reine Sandpiste.
Im weiteren Verlauf der Strecke bietet sich eine zweite Möglichkeit für uns Wildpferde zu sehen.
Im ornithologischen Forschungszentrum der Universität Lettland Naturpark Enguresee findet man Pferde der polnischen Rasse Coniqub die den wilden Tarpans sehr ähneln.
Aber auch hier ist uns da Glück nicht hold und so ziehen wir weiter.

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Das Two Wheels Hotel

Wir erreichen Nachmittags Riga und das dortige Two Wheels Hotel.

Das Hotel gehört dem Linesman des TET Lettland und wird von Motorradfahrern gerne besucht.
Auch hier müssen wir wieder unseren Covid Pass vorlegen, ebenso wie später in dem Resteraunt in der Innenstadt.
Hier genießen wir die nächsten Kulinarischen Genüsse des Baltikums. Cepelinai, gefüllte Kartoffelklöße und eine Sauerkrautsuppe mit Schweinefleisch sowie Kurzeme Stroganoff das im Gegensatz zu Beef Stroganoff mit Schweinefleisch gemacht wird.

Nach einem kleinen Rundgang durch die Altstadt geht es zurück ins Hotel und wir unterhalten uns noch mit ein paar Fernreisenden.
Wolfram (von wolframgoeseast.com) und Steve aus der USA die gemeinsam auf dem Weg nach Finnland sind und hier in Riga einen Stop einlegen.

Nebenbei probieren wir auch noch Rigaer Schwarzer Balsam in den Geschmacksrichtungen Classic und schwarze Johannisbeere, Ein traditioneller lettischer Likör aus Kräutern, Blüten, Ölen und Beeren mit 45 % Alkoholgehalt.
Ein Rigaer Apotheker stellte den Likör Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals her, wobei er auf noch ältere Rezepte aus Rigaer Apotheken zurückgriff. Der Legende nach konnte er mit seinem Trunk die russische Zarin Katharina die Große heilen, als diese in der Stadt weilte und erkrankte.

Tina vermutet eher dass die Zarin keinen weiteren Likör mehr wollte.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 7

Das Frühstück im Two Wheels Hotel ist reichhaltig und Wuchtig, aber sehr lecker. Es kräftigt jedoch anscheinend nicht genug. Oli schmeißt beim rangieren Tigger um und bricht den linken Spiegel ab. MIST! Hilft jetzt aber nix.
Wir müssen raus aus der Stadt und der Verkehr in Riga ist sehr zäh fließend.

Aber irgendwann sind wir draußen. Es beginnt heftig zu regnen. Wir ändern wieder unsere Pläne. Der Besuch der Weißen Düne in Saulkrasti sowie des wunderschönen Ainaži Strandes muss leider ausfallen.

You get what you pay for!

Wir fahren nun doch auf die Insel Sareemaa und haben über Booking.com ein Apartment in Kuressaare, der Hauptstadt von Sareemaa  genommen.

Kuressaare ist die einzige Stadt auf der größten estnischen Insel Saaremaa.
Das Appartment wird beschrieben als eine Gartenhütte mit einem Französischem Bett und einem Etagenbett sowie einem Duschbad / WC.
Klingt toll, so was Ähnliches hatten wir auf unserer Reise in Norwegen schon mal.

In strömenden Regen, ohne Außenspiegel auf der estnischen Schnellstraße ist eine spannende Sache, da die heimischen Fahrer Geschwindigkeitsbeschränkungen eher als Vorschlag sehen denn als Gesetz.

Auf der Fähre gibt es alles was man sich an Leckereien vorstellen kann. Tina zieht es vor auf Lilly sitzen zu bleiben, während Oli sich die Fähre genauer anschaut.
Die Fährüberfahrt ist kurz und unspektakulär aber verwöhnt uns mit warmen Zimtschnecken.

Das heutige Ziel ist nur noch das Zimmer zu erreichen. Das Apartment entpuppt sich als ganz einfache Gartenhütte, das Französische Bett und das Hochbett sind eine Einheit.
Das Duschbad befindet sich im Haus des Vermieters und ist alles andere als sauber.
Der Vorteil ist jedoch die Nähe zur Innenstadt. In Kuressaare findet dieses Wochenende ein Footfestival mit verschiedenen Angeboten statt.
Leider ist an diesem Abend noch nicht viel davon zu erkennen.

Wir essen in einem netten Lokal und machen noch eine Wanderung durch Kuressaare einschließlich der mittelalterliche Bischofsburg Arensburg.
So in der Dämmerung mit der Beleuchtung schon sehr schön anzusehen.

Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Tag 8

Wir verlassen die Luxusunterkunft am frühen Morgen um direkt auf den heutigen Markt von Kuressaare zu fahren.

Gestern hat das alljährliche Foodfestival seinen Anfang genommen, das heute dann mit dem Markt seinen nächsten Höhepunkt erreicht.
Wir sind leider viel zu früh aber wir können schon die ersten, ausgestellten Waren unter Augenschein nehmen. Sehr viel Handwerkskunst, frisches Gemüse, hochprozentige Getränke und jede Menge fröhliche Menschen. Wir schlendern über den Markt und bestaunen die reichhaltigen Auslagen.

Danach heißt es zurück auf das Festland. Diesmal fahren wir aber nicht die Schnellstraße,  sondern genießen die Rückfahrt auf kleineren Wegen.

Die Zeit für die Insel Saaremaa ist viel zu kurz. Es gibt hier so vieles zu sehen und so viel zu entdecken dass wir die Insel nur schweren
Herzens verlassen. Definitiv ein Grund Mehr noch einmal das Baltikum zu besuchen.

Auf dem Festland erwarten uns heute einige Besichtigungspunkte.

Das Kloster Padise

Als erstes die Ruine des Klosters Padise.
Das Kloster wurde im 14. Jahrhundert von Mönchen des Zisterzienserordens angelegt.
Die Bauarbeiten dauerten mit gelegentlichen Pausen über 200 Jahre. Nach den letzten, umfangreichen Renovierungsarbeiten ist das Kloster wieder für Besucher geöffnet.

Von der ursprünglichen mittelalterlichen Einrichtung des Klosters sind heutzutage die in der Kirche zu Risti befindliche Kirchenglocke aus dem 14. Jahrhundert und die aus der gleichen Zeit stammende, seltene Golgata-Gruppe in der Niguliste Kirche.

Der Kirchensaal des Klosters Padise ist dank der guten Akustik und der besonderen Atmosphäre zu einer geschätzten Konzertstätte geworden.

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Strafarbeit im Tagebau

Danach ging es zum Gefängnis Rummu Querry.
Die Ansage von Tina über das Cardo: “Schau mal, der Berg sieht ja klasse aus” wird direkt mit einem kurzen: ” Genau da wollen wir hin” von Oliver beantwortet.
Ein absolut unglaublicher Platz mit einer sehr bedrückenden Geschichte.

Rummu war durch die Zeiten hindurch der Abbauort von Vasalemma-Marmor, einer Art Kalkstein. Als Arbeitskräfte wurden hauptsächlich die Insassen des Gefängnisses von Murru eingesetzt.
In ihm saßen ca. 1.600 Straftäter ein, darunter einige zu lebenslanger Haft Verurteilte. Der älteste Gefängnisteil wurde 1949 durch die sowjetischen Besatzung errichtet.
Nachdem das Gefängnis geschlossen wurde, endete auch der Abbau von Marmor und die Pumpen, welche die Lagerstätte trocken hielten, wurden außer Betrieb gesetzt.
Der Anstieg des Wassers sei so schnell gewesen, dass ein großer Tagebaubagger, die Gebäude und anderes Inventar im Wasser versanken.

Hier sollten eigentlich einige  Drohnenaufnahmen entstehen, aber wie das im Leben so ist sind alle Akkus der Drohne leer.
Extra vor der Reise aufgeladen. MIST.

Aber auch ohne Drohne ist die Wanderung durch diese Surreale Welt etwas besonderes.

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Wasserfall und Hängebrücken

Wir besuchen wir als nächstes den Wasserfall Keila Juga.
Ein idyllisches Fleckchen Erde. Der Wasserfall ist 6 Meter hoch und einige Dutzend Meter breit, so dass er hinsichtlich seiner Mächtigkeit nur von den Wasserfällen Narva und Jägala übertroffen wird.  Vom Park aus führt der Weg am Flussbett entlang über zwei Hängebrücken zum Wasserfall. In Keila-Joa befindet sich ein renoviertes Wasserkraftwerk. Außerdem liegt in der Nähe ein saniertes und von der Neugotik inspiriertes Gutshaus – eines der prächtigsten unter seinesgleichen.
Auf dem 3 km langen Keila-Joa-Naturlehrpfad kann man die herrliche Natur entdecken.

Die Türisalu Raketenbasis wird derzeit komplett abgerissen und die Zufahrt ist gesperrt. Also fahren wir weiter in Richtung Tallin wo wir uns in einem Hotel für die nächsten beiden Nächte einquartiert haben. Jetzt ist endlich die Gelegenheit alle leckeren Köstlichkeiten Estlands zu probieren. Die Altstadt von Tallinn besteht hauptsächlich aus Souvenir Läden und Gaststätten. Wer jetzt aber denkt dass es überall Estländische Küche gibt… weit gefehlt.
Zu 85 % Pizzerien, 12 % Steak und Burger.

Aber, eine kleine, nicht gerade günstige Gaststätte haben wir am Abend gefunden in denen die Estländische Küche noch lebt.
Ein leckeres Gericht ist definitiv Küslauguleivad, frittiertes Knoblauchbrot mit einer leckeren Schmand Soße. Als Hauptspeise gibt es Verivorst (gebratene Blutwurst) sowie Mulgikapsas (Sauerkraut mit Schweinefleisch)
Die Kalorien vom Abendessen reichen bestimmt für die nächsten drei Wochen, aber wer fährt schon zum Abnehmen in die Baltischen Staaten.
Gut gesättigt geht es zurück ins Hotel.

Den zweiten Teil der Reise findet ihr demnächst hier:

2021 – Usus Via Baltica – Das Baltikum entdecken – Teil 2logo

 

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