ReisenRumänien

Visit Romania – Inkl. Adventure Country Track Rumänien

Die Geister die ich rief

Als ich zu Beginn unserer Reise den Spruch postete „Das Abenteuer beginnt.“ war mir noch nicht klar, dass dieser Spruch sich während der Reise dermaßen bewahrheiten würde.

Dabei hat alles so harmlos angefangen.

Als wir im letzten Jahr auf der Motorradmesse waren, hatten wir das Vergnügen uns bei Maria Danescu von Romania Motorcycle Tours, über Rumänien als Reiseland zu informieren. Tina war absolut begeistert und meiner einer ebenfalls nicht abgeneigt. Zumal es dort ja auch einen ACT gab. Einen Adventure Country Track, etwas was ich schon gerne mal ausprobieren wollte mit unseren Reiseenduros und Gepäck zu fahren.

Auch weil die sogenannte Strategica zum ACT dazu gehört, eine alte Militärstraße die mich irgendwie in ihren Bann gezogen hat, seitdem ich die Videos vom Adventure Country Track Romania gesehen habe. Gegen 15:00 Uhr starten wir an einem Freitagnachmittag in Richtung Rumänien. Wir haben unsere Bikes in den Bus geladen um nicht auf der Autobahn mit den Motorrädern fahren zu müssen. Außerdem wollen wir so viele Tage wie möglich in Rumänien verbringen.

Insgesamt planen wir 2 Übernachtungen ein. Eine in Deutschland und eine in Ungarn in Budapest, mal schauen wie weit wir kommen.

Gegen Abend sucht Tina dann im Internet nach einer Übernachtungsmöglichkeit und wird fündig im Lauterachtal in der Nähe von Das Land-gut-Hotel Forsthof Lauterachtal erweist sich als sehr schön und vor allen Dingen mit einer hervorragenden Bayerischen Küche und jede Menge leckerem Bier.

Der nächste Morgen treibt uns schnell auf die Autobahn in Richtung Ungarn. Wir finden in Budapest einen Campingplatz mitten im Stadtteil Buda. Für eine Nacht wird er reichen.

Ebenso wie auch das kleine Wurfzelt das wir mit haben wohl für eine Nacht reichen wird.

Wir nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel um in die wunderschöne Innenstadt von Budapest zu gelangen und flanieren durch die Stadt. Die Metro ist wegen umfangreicher Sanierungsmaßnahmen leider außer Betrieb, also bleibt nur der Bus.

Wir genießen den Spaziergang durch die Stadt und das ein oder andere Bier.

Später, zurück auf dem Campingplatz wird uns klar, dass es hier wie auch auf vielen anderen Campingplätzen ist. Jugendliche aus der Schweiz feiern Party bis spät in die Nacht. Dann entschließen sie sich das Budapester Nachtleben auszuprobieren und machen sich auf den in die Stadt, und mir ist jetzt schon klar, die kommen auch wieder.

Gegen 6:00 Uhr ist es soweit, sie kommen zurück und machen da weiter wo sie in der Nacht aufgehört haben. Irgendwann sag ich dann zu Tina dass ich jetzt aufstehe und mich fertigmache.
Das Wurfzelt war ehrlich gesagt etwas eng um die Hüfte und Tina, wie auch ich hatten die Nacht das Gefühl in dieser kleinen Höhle zu ersticken, somit bin ich auch froh endlich hier raus zu kommen.

Als ich aus dem Zelt komme wird den Schweizern wohl direkt bewusst, dass sie nicht alleine auf dem Platz sind und schlagartig ist Ruhe. Wir packen und laden alles ein.
Ein paar Deutsche Jugendliche bitten um Starthilfe, die ich ihnen auch geben möchten aber sie haben in einer Woche die Batterie von ihrem Bulli, der ohnehin schon schlecht angesprungen ist, restlos leer gesaugt. Da muss der ADAC ran. Wir machen uns auf den Weg und fahren weiter in Richtung Rumänien.

Wir erreichen gegen 13:00 Uhr die Rumänische Grenze.
Tina wechselt Geld und schon sind bettelnde Kinder da. Dies gibt es hier an der Grenze massenhaft, und man weiß genau, dass diese Kinder von skrupellosen Erwachsenen dazu gezwungen werden zu betteln.

Von hier aus sind es noch knappe 180 km bis zum Campingplatz Het Zwaluwnest in der Nires, in der Nähe von Dej. Wir werden sehr freundlich in Empfang genommen und sehen schon auf dem kleinen Platz ein großes, Geländegängiges, Wohnmobil.
Das faszinierende an dem Wohnmobil ist jedoch nicht die geniale Lackierung die aussieht als ob der Laster als Zielscheibe durch ein Kriegsgebiet gerollt wäre, Nein, es ist das Kennzeichen des Wohnmobils. HEF – Hersfeld-Rothenburg direkt aus unserem Nachbar Landkreis.

Die Besitzer sind Rosi und Peter aus Bad Hersfeld die zurzeit auf dem Campingplatz, aufgrund eines technischen Defekts gestrandet sind. Das Ersatzteil, auf das sie warten hätten wir auch mitbringen können. Aber wer ahnt denn schon, dass man so weite entfernt von der Heimat Reisende aus der unmittelbaren Nachbarschaft trifft.

 

Nachdem die Motorräder ausgeladen, das Zelt aufgebaut ist und das hervorragende Essen, das uns von der Familie Burjan gekocht wurde, haben wir gemeinsam mit Rosi und Peter einen sehr schönen Abend verbracht.

Der Start ins Abenteuer

Nach einer ruhigen Nacht starten wir gegen 08:30 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag. Bevor wir losfahren, sortieren wir noch ein wenig unser Gepäck aus um leichter zu werden. Es ist zwar einiges was wir dann doch noch im Bus lassen, aber es ist immer noch zu viel was wir mit uns mitschleppen.

Von Dej aus geht unsere Tour durch Rumänien in nach Norden entlang der Nationalstrasse DN 17C in Richtung Borsa, wo wir den Einstieg in den Adventure Country Track Romania geplant haben.

Den ersten Campingplatz den wir anfahren wollen ist der offRoadventure SRL, Nordwestlich von Borsa. Leider gestaltet sich die Anfahrt zum Campingplatz als zu schwierig, so, dass wir das ganze abbrechen und einen Campingplatz direkt in Borsa, die Camping Pension Borsa Tourism. Der Platz ist mitten im Wohngebiet und eigentlich auch kein Campingplatz, sondern ein Gartengrundstück das Platz bietet für einige Zelte. Ein Unterstand mit Kochmöglichkeit und Toiletten runden das ganze ab.

In Sachen Verständigung hatten wir keine großartigen Probleme. Deutsch war hier leider nicht möglich, aber mit den Grundkenntnissen Italienisch und mit Englisch kamen wir gut durch.

Die Temperaturen waren auch heute wieder sehr hoch. Dadurch dass wir aber recht früh auf dem Campingplatz waren, kamen wir zu dem Entschluss, dass wir schon mal ein kleines Stück des ACT ohne Gepäck zu fahren, nur um mal zu sehen wie das ganze so ausschaut und ob es mit Gepäck zu schaffen ist.

Über Baile Borsa steigen wir in den ACT ein. Die Strecke ist zu Beginn recht einfach zu fahren. Maximal Stufe 2-3 des Off Road Guides und so macht es regelrecht Spaß die Wege durch die Landschaft der Maramures und Bucovina, dem nördlichsten Teil der Rumänischen Karpaten entlang zu fahren.

Je weiter wir jedoch in die Tiefen der Landschaft fahren umso schlechter wird der Weg der sich stetig den Berg hinauf schlängelt. Irgendwann kam eine Stelle, an der die Strecke komplett ausgeschwemmt war und sich nur noch als Piste mit jeder Menge Steine unterschiedlicher Größe erwies.

Während ich voller Angst hinter ihr herfahre und mich nur noch Frage was ich ihr da antue, überrascht Tina mich dadurch, daß sie mit Lilly durch das Gelände fährt als ob sie noch nie was Anderes gemacht hätte.

Und das ohne Off Road Training. Stufe 7 – 8 Off Road Guide.

Den „Point of No Return“ hatten wir damit jedoch überschritten und eine Umkehr war unmöglich. Immer höher geht der Weg nun voran der einen eher an ein ausgewaschenes Flussbett erinnert.

Nur mühsam arbeiten wir uns Stück für Stück den Berg hinauf. Endlich angekommen auf einem Stück bei dem wir meinten das wäre das schlimmste nun vorbei müssen wir eine Pause machen und uns in irgendeiner Form von dem was wir hier getan haben erholen. Leider haben wir nur einen ½ Liter Wasser dabei und nichts zu essen.

Da ich mittlerweile komplett unterzuckert bin, versuchen wir das durch Sammeln von Beeren am Wegesrand zu kompensieren und fahren weiter den ACT entlang. Den ersten Tag des ACT kürzen wir dann über Carlibaba ab und erreichen spät Abend den Campingplatz. In Borsa kaufen wir noch kurz ein und fallen nach dem Essen direkt in einen komatösen Schlaf.

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Standhaft wie eine Deutsche Eiche

Beim Abbau und verladen unserer Ausrüstung am nächsten Morgen, bemerke ich, dass mein Ladestecker und das Ladekabel vom Handy verloren gegangen ist. In Borsa können wir Ersatz besorgen und fahren dann über den Pasul Prislop in Richtung Vadrei Dorei.

Am gestrigen Abend haben wir den Pass gar nicht so wahrgenommen. Heute am Tag präsentiert er sich in seiner ganzen Schönheit und mit ausgezeichnetem Asphalt.

Der Prisloppass (Pasul Prislop) ist ein Gebirgspass in den rumänischen Ostkarpaten nahe an der Grenze zur Ukraine, auf einer Höhe von 1416 m etwa 50 Kilometer lange Pass das Rodna-Gebirge im Norden von dem MaramureșGebirge im Süden ab. An höchster Stelle des Prislop-Passes, nahe der Fahrbahn, befindet sich ein Kloster und ein Denkmal.

So ganz genießen kann ich das Ganze nicht, denn die Kupplung von Tigger rutscht durch. War wohl etwas zu heftig gestern auf dem ACT.

Wir machen kurz Rast und ich stelle die Kupplung etwas nach. Um mich etwas abzulenken starte ich die Drohne um ein paar Luftaufnahmen vom Pass zu machen.

Unser Weg führt uns heute zur Pension und Camping Deutsche Eiche in Ciocănești.

Wir werden von einer Bediensteten der Pension in Empfang genommen und können unser Zelt aufbauen. Nachdem das geschehen ist und unser Gepäck verstaut ist, machen wir uns direkt wieder auf die Räder um den ACT Track Tag 1 zu beenden.

Wir fahren also auf der 1B zurück bis nach Carlibaba und treffen dann wieder auf den Track zum ACT. Er lässt sich ziemlich entspannt fahren und es geht immer entlang der ukrainischen Grenze. Wie dicht wir sind zeigt sich auch an der Grenzpolizei die uns kontrolliert und unsere Namen notiert. Wir könnten ja Schmuggler sein!  

Zwei Grenzer kontrollieren uns, und nachdem wir weiter fahren kommen vier weitere mit ihren Maschinenpistolen aus dem Wald und winken uns noch zu.

Während wir weiter fahren werden wir bei einer kurzen Rast von einigen Polnischen Enduro Fahrern überholt die kurz zu einem Plausch stehenbleiben und dann weiterfahren.  Wir folgen dem ACT bis wir an eine Kreuzung kommen. Dadurch, dass mein Navi nicht so exakt anzeigt, folge ich der Spur nach rechts. Wie sich recht schnell herausstellt ist es die falsche Richtung.

Lilly hat jetzt irgendwie keine Lust mehr und geht ständig aus. Das neue Garmin Navi hat auch irgendwie die Lust verloren und Startet immer wieder neu. Es lädt auch nicht mehr, sondern läuft über die eigene Batterie.

Wir fahren also zurück und folgen nun dem anderen Weg ein Stück bergan. Wobei dieser Weg am Anfang schon sehr schlecht war.  Aber auch hier zeigt mein Navi, nachdem es mal wieder an ist, dass es nicht die Route des ACT‚s ist. Zwei der Polen kommen von hinten angefahren und fragen uns ob wir ihre beiden Freunde gesehen haben. Haben wir jedoch nicht, auf dem Anderen Weg sind sie uns auch nicht begegnet. Plötzlich hören wir über uns Motorräder und die beiden verlorenen Polnischen Fahrer kommen uns entgegen. Die Strecke ist nach einigen Kilometern in diese Richtung komplett gesperrt. Somit müssen auch wir umkehren und uns einen anderen Weg suchen.

Aber wo zum Teufel geht denn jetzt der ACT entlang?

Mühsam bringen wir die beiden Tiger wieder zurück auf die Kreuzung unter uns. Während Tina den Weg schon mal ein Stück zurück fährt schaue ich mir die Kreuzung genauer an und finde die Überreste des Weges der mal Teil des ACT’s war. Weggeschwemmt durch starken Regen ist dieser Teil des ACT’s mit Großendenduros nicht mehr zu bewältigen.

Ich folge Tina und finde sie ein paar Kilometer weiter wartend bei einer alten Oma deren einzigen nicht-rumänischen Worte „Heavy Metal „sind, die sie ausspricht, während sie auf Lilly zeigt.

Dadurch, dass mein Navi ständig ausfällt muss ich mit Hilfe der Papierkarten und meines Smartphones navigieren um den Weg nach Hause zu finden. Die Tatsache, dass der ein oder andere Weg durch Bauarbeiten gesperrt ist, zwingt uns dazu einen Umweg über Viscovu de Sus und dem Pasul Ciumârna (1100 m) zu machen.  

Vielleicht noch ein kurzes Wort zu den Gepflogenheiten in Rumänien in Sachen Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Innerhalb von Ortschaften gilt in Rumänien 50 km/h. Dran halten tut sich keiner. Im Normalfall sind die dort mit 70 km/h unterwegs. Es schreckt sie auch nicht ab, dass es verdammt teuer wird, wenn man erwischt wird.

Aus reinem Überlebenswillen passt man sich dieser Gepflogenheit an und fährt ebenfalls deutlich schneller als erlaubt.

Umso verwunderter ist man dann, wenn man gegen 20:00 Uhr innerhalb einer geschlossenen Ortschaft durch die man mit ca. 70 km/h fährt von einem Langholz LKW mit Lichthupe überholt wird und man das Gefühl hat, dass man parkt.

Gegen 20:30 Uhr erreichen wir die Deutsche Eiche und der nun anwesende, Deutsche Besitzer, empfängt uns. Nach ein paar kühlen Bierchen und ein paar Schweinerippchen fallen wir ins Bett.

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Ein Tag voller Ruhe

Tina ist ganz schön fertig. Was jedoch nach diesen beiden Tagen Off Road mehr als nur verständlich ist. Auch an unseren Motorrädern und am Material geht das alles nicht spurlos vorbei.

So nehme ich mir nach dem Frühstück die Motorräder vor und kümmere mich um Räder, Ketten und Öl. Ebenso werden Kameras, Speicherkarten und andere Elektronik Spielzeuge wie auch das Navi etwas Pflege zuteil.

Robert, der Wirt der Deutschen Eiche hat uns empfohlen das Kloster Manastirea Sfintii apostoli Petru si Pavel auf dem Bergrücken hinter der Pension zu besuchen sowie den Pasul Rotunda der etwas nördlich liegt zu befahren.

Nachdem ich mit den Pflegemaßnahmen fertig bin zieht es mich dann auch wieder auf die Piste. Tina möchte sich lieber etwas ausruhen was ich verstehen kann. Also mache ich mich auf dem Weg zum Kloster. Da sich der Weg als nicht ganz so einfach erweist, breche ich den Versuch auf halben Weg ab und fahre dann lieber direkt zum Pasul Rotunda (1451m) Vom Pass beginnt das westliche Ende des Höhenwegs der Rodna-Berge.

Das Navigationssystem hat den heutigen Tag dann durchgehalten und ich hoffe auch, dass es keine weiteren Probleme geben wird.

Mittlerweile sind noch 2 Jungs auf ihren BMW Motorrädern und Zelten eingetroffen und es wird ein schöner Abend mit reichlich Bier, Schaschlik und Bohnensuppe.

Wildes Rumänien

Endlich geht es wieder auf Achse. Wir genießen unser Frühstück und heißen Kaffee auf der Terrasse der Deutsche Eiche als ich auf der Straße 2 Motorräder vorbeifahren sehe. Ich sage noch zu Tina „ Das waren Panny und Simon, die da vorbei gefahren sind“ als die beiden auch schon gewendet haben und auf den Hof der Deutschen Eiche rollen.

Nach einem kurzen Plausch geht es für uns dann weiter in Richtung Vatra Dornei wo wir den Startpunkt zum zweiten Teil des ACT erreichen. Über den Pasul Păltiniș (1355m), eine steile Schotterstraße fahren wir in Richtung Brosteni. Dieser Teil des ACT lässt sich auch mit Gepäck ganz gut befahren.

Die weitere Planung sah vor, dass wir, vorbei am Lacul Izvorul  Muntelui über das Bicaztal bis zum Lacu Rosu (Roter See) fahren um dort zu übernachten.

Das spektakuläre Bicaztal wie auch der Lacu Rosu zählen gehören zu den Sehenswertesten Touristenzielen in Rumänien. Die 10 Kilometer lange Bicaz Klamm, zählt zu den spektakulärsten Gebirgsstraßen Rumäniens. Direkt an der Straße streben schroffe Steilwände bis zu 300 Meter senkrecht in die Höhe und schaffen ein fantastisches Landschaftsbild. Die atemberaubende Schlucht liegt im Nordosten von Rumänien und führt von der kleinen Ortschaft Bicaz Chei bis zum Lacul Roşu, dem „Roten See“.

Die Schönheit der Klamm zieht viele Touristen an und die Cheile Bicazului ist alles andere als unberührt. Die DN 12C, die durch die Schlucht führt, ist stark befahren und von Souvenirständen gesäumt.

Der „Rote See“ am Ende der Bicaz-Klamm ist nicht nur wegen seiner manchmal mehr, manchmal weniger starken Färbung durch Eisenoxide sehenswert, sondern hält noch ein anderes Highlight bereit: einen Unterwasser-Wald.  Legende Blut!

Der See entstand im Jahr 1837 durch einen massiven Felsrutsch, der nicht nur Erdreich, sondern gleich einen ganzen Wald mit sich riss. Das Geröll staute gleichzeitig den See auf und die Baumstümpfe ragen bis heute aus dem Wasser.

Wie Sun Tzu in „Die Kunst des Krieges“ schon geschrieben hat hält jeder Plan nur solange, bis man zum ersten Mal auf den Feind trifft. Die Straße zwischen Poiana Larglului und Bicaz ist gesperrt, so dass uns der Umweg über Borsec  zum nächsten Teil des ACT Tag 2 als Alternativ route zur Verfügung stehen sollte. Aber auch der Teil war gesperrt, so dass wir wieder umkehren mussten und über Toplita und Ditrau (Dittersdorf) und Gheorgheni (Niklasmarkt) die Bicazklamm von der anderen Seite her anfahren mussten.

Da uns die Zeit langsam knapp wurde, kauften wir noch in Gherogheni in einem Supermarkt ein. Als ich uns ein kleines Eis zur Erfrischung gekauft hatte und wir vor dem Supermarkt standen wurden wir von Mikki und seiner Frau Suzanna die zusammen mit Ihrer Tochter ein Brautkleid gekauft hatten in Deutsch angesprochen.

Mikki arbeitet zurzeit in Hamburg. Seine Tochter hat einen kleinen Frisiersalon und heiratet im August. Wie so viele andere in dieser Zeit. Es ist Ferienzeit in Rumänien und alle die im Ausland arbeiten sind zu dieser Zeit zurück in der Heimat. Und diese Zeit wird dann intensiv genutzt um Hochzeiten zu feiern. Auf dem Weg zur Bicazklamm sehen wir einen kleinen Campingplatz rechts am Hang liegen.

Wir fahren also schon mal das Bicaztal entlang und beschließen dann nicht den Campingplatz weiter unten zu nehmen, sondern zurück zu fahren und den Campingplatz Lacu Rosu den wir auf dem Weg schon gesehen hatten anzusteuern.

Schnell ist das Zelt aufgebaut und wir widmen uns dem zubereiten unserer Mahlzeit, Kotelett mit Bratkartoffeln und Paprika Mais Salat.

Uns gegenüber campt eine rumänische Familie die ein Gulasch in einem großen Topf über offenem Feuer zubereitet. Der gesamte Platz ist schnell von den herrlichsten Düften durchzogen die man sich als Hungriger Mitteleuropäer vorstellen kann.

Das solche Aufenthalte in fernen Ländern auch für das Allgemeinwissen gut sind, zeigt sich daran, dass ich jetzt weiß daß, wenn Färn Alcool auf einer Flasche oder Dose steht das die Bezeichnung für „Alkoholfrei“ ist.

Es ist stockdunkel als Tina und ich gleichzeitig aufschrecken und die Luft anhalten. Stocksteif sitzen wir im Zelt und hören auf die Geräusche bei denen es uns vorkommt als ob sie direkt aus unserem Vorzelt kommen. Geräusche die ich und Tina noch nie vorher gehört haben und sofort einem Braunbären zuordnen. 

Das Herz schlägt mir bis zum Hals, die ganze Zeit strömen Gedanken durch meinen Kopf wo wir das Pfefferspray und Tinas „Krachmachbären“ haben. Die Antwort auf die Frage lautet Vorzelt.

Die Geräusche entfernen sich langsam vom Zelt weiter den Campingplatz entlang. Unsere Nachbarn von gegenüber machen mit dem Autoschlüssel ihr Auto auf und zu umso mit den Lichtern den Bären zu vertreiben.

Tina hält nun nichts mehr im Zelt, sie stürzt raus auf den Vorplatz und ich hinterher. Mit Taschenlampe und Pfefferspray bewaffnet stehen wir nun draußen zusammen mit der Rumänischen Familie rund um deren Lagerfeuer das sie wieder angezündet haben und lauschen den Geräuschen die man nun vom oberen Teil des Campingplatzes hört. Dort beißen sich anscheinend gerade Hunde mit dem Bären. 

Nach gut 1 ½ Stunden gehen dann alle wieder in Ihr Zelt. Tina hat ihren „Krachmachbären“ fest in der Hand und wacht über meinen Schlaf.

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Shigishora

Nach einer unruhigen Nacht sind wir heute die Bicaz Schlucht entlanggefahren um uns später dann dem nächsten Part vom ACT Romania Tag 2 weiter zu machen.

Am nächsten Tag gibt es beim Frühstück natürlich nur ein Thema. Wir bauen dann unser Zelt ab und machen uns auf den Weg. Wir wollen heute so früh wie möglich nochmal in die Bicazklamm um ein paar Aufnahmen mit der Drohne zu machen.

Am Ausgang des Campingplatzes bleiben wir stehen um zu bezahlen und fragen den Campingplatz Besitzer nach dem Bären in der Nacht, Urs heißt Bär auf Rumänisch, doch der Besitzer sagt uns etwas Anderes: Nix Urs, tre Lup!

Lup? Aahhh Lupus!!! Wölfe. Es waren drei junge Wölfe die dort durch das Camp gezogen sind. Bei den Geräuschen die wir gehört haben wären wir nie auf Wölfe gekommen.

Die Drohne hat wohl auch schlecht geschlafen und fliegt nicht höher wie 5 m und das Navi spinnt auch wieder.

Da unser Weg uns wieder am Campingplatz vorbei führt müssen wir schon etwas schmunzeln. Der Platz ist wie gefegt. Alle sind abgereist.

Shigishora (Schäßburg)  ist ein weiteres Ziel unser Wunschliste. Dabei kommen wir auch in das Vergnügen den 1 Teil vom ACT Tag 3 zu fahren.

Wir finden mitten in der Stadt einen Campingplatz direkt am städtische Schwimmbad. Das kühlende Bad wird erstmal ausgiebig genossen bevor wir uns auf den Weg zur Besichtigung von Shigishora machen.

Farbenfroh wie eh und je, von knallig bunt bis pastellfarben: Schäßburg – oder auch Sighisoara –verzaubert seine Besucher. Hier soll Dracula geboren worden sein.

Wir starten am nächsten Tag zum nächsten Teil des ACT Tag 3 der eine besondere Herausforderung bietet.

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Horizon Unlimited & Draculas Schloss

Wir fahren weitere Teilstrecken das ACT in Richtung Sibiu (Hermannstadt) um bei Sebeșu de Jos Carsten, Berthold (Adventurekuh) und Thomas (Sidecar On World Trip) auf dem Horizon Unlimited User Meeting Romania zu besuchen.

Es war schön die drei zu treffen und ein wenig zu quatschen. Was uns dabei wieder aber ganz tierisch stört ist die Tatsache, dass wir 30€ bezahlen mussten nur um die drei zu besuchen. Auch hier zeigt sich wieder, dass es keinerlei Transparenz der Kosten zum HU gibt und es bestärkt uns nur in der Meinung, dass wir HU nicht mehr besuchen werden.

Unser Weg führt uns nun erstmal wieder zurück in Richtung Osten zur Ortschaft Bran. Beim Anfahren der Ortschaft erkennt man schon von weitem das Schloss Bran. Es liegt hoch auf einem Felsen über der Schlucht und der Straße, die Siebenbürgen mit der Walachei verbindet. Das Gebäude, wurde unter Ceausescu zu einer Touristenattraktion ausgebaut. Das Schloss ähnelt dem in Bram Stokers Dracula beschriebenen Schloss des Vampirfürsten. Das historische Vorbild Draculas, der walachische Fürst Vlad III. Drăculea, hat es wahrscheinlich nie betreten.

Beim Durchfahren des Städtchens sieht man was für eine Touristenfalle es ist. Vor der Kasse des Schlosses stehen nicht viele Besucher, die Schlange zum Warten beginnt erst hinter der Kasse, clever gemacht. Verkaufsstände säumen die Straße und diese sind überfüllt von Touristen. Wir fahren weiter zu dem Campingplatz in Bran der sich in Holländischer Hand befindet. Wir lernen Jörg kennen, einen anderen Motorradreisenden mit dem wir einen netten Abend verbringen.

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Bären im Park

Ein weiterer Wunsch auf unserer Liste für Rumänien ist der Besuch im Bärenreservat Zărnești das sich unweit von Bran befindet und somit heute direkt als erstes angesteuert wird. Das Bärenreservat Zărnești, auch Libearty Bear Sanctuary, ist mit einer Fläche von 69 Hektar das größte Bärenschutzzentrum Europas.

Neben ungefähr 90 Braunbären, die durch ihr Leben in Gefangenschaft bzw. Gewöhnung an den Menschen in freier Wildbahn nicht überleben könnten, sind dort Rehe, Wölfe und Füchse untergebracht, für die dies ebenfalls gilt.

Da sich das Reservat nicht als Zoo versteht und um die Störung der Bären durch Besucher zu minimieren, kann es lediglich vormittags im Rahmen von Führungen in Rumänisch und Englisch besucht werden. Diese wechseln sich alle 30 Minuten ab.

Die Anfahrt erfolgt über einen Schotterweg mit einem grandiosen Ausblick auf die umliegenden Berge. Die Führung durch das Bärenreservat dauert ungefähr eine Stunde und ist in Motorradklamotten bei knapp 30°C nicht wirklich angenehm, aber sehr lehrreich.

Als nächstes steht uns erstmal nur der Sinn nachfahren.

Schöne Strecken mit brauchbaren Asphalt findet man hier rund um Brasov genügend. So führt uns unser Weg über den Paraul Rece zum Pasul Predal bis hinüber auf die Höhen vom Pasul Cheia. Allesamt empfehlenswerte Straßen und Pässe. Den ein oder anderen Stopp sollte man nutzen um die Waren, die einem am Straßenrand angeboten werden zu kaufen. Der leckere Käse oder das Fleisch schmecken ganz hervorragend. Ebenso wie die Pfifferlinge die es dort für einen Bruchteil des Preises gibt den man hier dafür bezahlt.

Wir machen noch einen Abstecher nach Prejmer um dort die Biserica Fortificată (Bauernburg Tartlau) zu besuchen.

Die Bauernburg Tartlau ist eine Bauernburg und Kirchenburg in Tartlau (Prejmer) in Siebenbürgen. Sie zählt zu den schönsten Kirchenburgen in Rumänien.

Den Abend beenden wir mit ein paar leckeren Bierchen vorm Zelt.

Die Geräusche die wir hier heute Nacht hören sind wilde Hunde, die den Mülleimer direkt neben uns leerräumen. Im Gegensatz zu Wolf oder Bär traue ich mich aber hier aus dem Zelt und vertreibe todesmutig die Hunde aus dem Bereich.

 

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The Greatest Driving Road in the World

Wer kennt sie nicht, die Jadranska Magistrala in Kroatiens oder den Highway Nr. 1 in den USA die als schönste Küstenstraßen gelten. Aber glaubt mir, Jeremy Clarkson von Top Gear hatte Recht als er den Transfăgărășan als die beste befahrbare Straße der Welt bezeichnete. Gut, das bezog sich nicht auf den Asphalt, sondern auf die Tatsache, dass man hier 100 km Fahrspaß vom feinsten hat. Kurve an Kurve, Landschaftliches Highlight nach dem anderen.

Genau diese Straße ist unser heutiges Ziel. Wir starten nach dem Frühstück vom Campingplatz in Bran in Richtung Südwesten über den Pasul Giurala um den Transfaragasan von Süden her an zu fahren.

Wir machen eine kurze Rast am Mausoleum Mateias um einen Kaffee zu trinken und treffen dort zwei Motorradfahrer aus Großbritanien. Die beiden amüsieren sich köstlich darüber dass Zwei Deutsche auf Englischen Bikes unterwegs sind und zwei Engländer auf Deutschen Bikes. Die Anfahrt über die DN 7C entlang am Lacu Vidraru lässt die Herzen höher schlagen.

Ständig begegnen uns Autos mit dem Aufkleber des Pothole Rodeos (Schlagloch Rodeo) bei der es darum geht mit einem, mindestens 20 Jahre alten Auto, das nicht teurer als 500€ sein darf eine bestimmte Strecke zu fahren. Abenteuer pur.

An einem Rastplatz machen wir kurz halt um uns zu überlegen ob wir weiterfahren oder besser umkehren sollen. Dort unterhalten wir uns mit vier Teilnehmern der Rally und schauen mit etwas Angst in Richtung Norden. Leider sieht der Himmel in Richtung des Transfagarasan nicht gerade einladend aus.

Wir entscheiden uns dazu es zu wagen. So fahren wir stetig bergauf bis uns dann der Regen richtig erwischt. Höllisch aufpassen muss man hier, da z.B. wilde Esel auf der Straße stehen und sich keinen Millimeter bewegen. Direkt vor uns ist ein Stück vom Hang abgerutscht und liegt auf der Straße. Man könnte es links umfahren, aber die Kante vom Asphalt runter ist sehr hoch. So steige ich ab und Räume für uns ein paar größere Steine aus dem Weg. Nachdem wir dieses Hindernis überwunden haben erreichen wir die Passhöhe.

Ein Pärchen auf einer BMW hat sich hinter uns gestellt und fragt ob wir Hilfe benötigen würden. Sie haben das Räumen der Straße etwas falsch gedeutet.

Aber sehr nett, dass sie stehen bleiben und fragen. Ich möchte über den Hügel fahren um zu schauen ob ich dort auf der anderen Seite einen Campingplatz finde. Das Pärchen bleibt so lange bei Tina da sie sich Gedanken machen es könnte Tina was passieren. Eigentlich sollte hier das erste Mal wild gezeltet werden. Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass nach der Aktion am Lacu Rosu keinerlei Verhandlungen mit Tina über dieses Thema möglich sind.

Der Parkplatz ist voll, die Straße gesäumt von Imbissen und Souvenir Geschäften Der Weg vom Parkplatz zum Bâlea-See ist nicht weit, doch er lohnt sich auf jeden Fall. Obwohl die Wolken tief am Himmel hängen, bietet sich uns ein atemberaubender Ausblick auf die Kulisse. Nach nur viereinhalb-jähriger Bauzeit wurde die Straße am 20. September 1974 eröffnet. Am Bau beteiligt waren Bergleute, Bauarbeiter, Bautechniker, die Mehrheit waren Soldaten.

Der Bau der Straße forderte zahlreiche Menschenleben. Von offizieller Seite werden 40 Todesopfer beklagt, von Zeitzeugen dagegen werden 400 Tote am Vidraru-Staudamm genannt und andere sprechen von 400 Toten am Bâlea-Tunnel. Eine genauere Anzahl der Todesopfer, die am Bau der Straße zu beklagen sind, ist somit unbekannt. Einen Campingplatz finde ich nicht, aber ich kann ein Zimmer in der Pension am Balea Lake ergattern. Es ist zwar im Gästehaus auf der anderen Seite vom See, aber bequem und warm. Wir versuchen unsere Kleidung so gut wie möglich zu trocknen und genießen am Abend die Rumänische Küche.

 

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Fährmann setz über & Motocamp Romania

ACT Tag 3 geht weiter. Nachdem bisher fast nur Asphalt und einfache Schotterwege zu fahren waren geht es heute über Feldwege und Stock und Stein wo sonst nur die Traktoren entlangfahren und tiefe Spuren hinterlassen haben. Mit dem ganzen Gepäck etwas schwieriger.

Unser Endziel des heutigen Tages brauch sich hinter dem Transfagarasan nicht verstecken, denn es ist die ebenso berühmte Transalpina.

Doch bevor es soweit ist geht es über staubige Schotterstraßen bis zum Fluß Mures an dem wir das Vergnügen haben den Fluss mit der Fähre zu überqueren. Was leider bald nicht mehr möglich sein wird, da direkt neben der Fähre eine neue Brücke über den Fluss gebaut wird. Bevor wir auf die Fähre fahren treffen wir noch eine Gruppe Rumänen die ebenfalls mit den Motorrädern die Fähre nehmen. Es ist wirklich ein Abenteuer mit dieser kleinen, handbetriebenen Fähre den Fluss zu überqueren.

Tina lässt, beim Verlassen der Fähre, erst mal alle anderen in einer Staubwolke zurück.

Wer die Fähre über den Mures noch erleben will, muss sich sputen. Direkt daneben wird eine Brücke gebaut.

Wir folgen hier jedoch nicht weiter dem ACT, sondern fahren in Richtung Südosten zum Motocamp Romania in Cisniadoara.

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Motocamp Cisnadioara

Doru ist mittlerweile mit seinem Motocamp schon eine Intuition in Rumänien und bei vielen Motorradreisenden bekannt.

Das Motocamp ist, bzw. war das Ferienhaus von Doru, das er jetzt Reisenden gegen geringe Bezahlung zur Verfügung stellt.

Es gibt 3 Doppelzimmer und die Möglichkeit im Garten zu zelten sowie mittlerweile eine Hütte im Garten.

2 Badezimmer, Küche, Ess- und Wohnzimmer sei einem Grillbereich. Getränke sind immer vorhanden und man lebt dort wie in einer kleinen Wohngemeinschaft. Neben uns sind zurzeit noch Antony aus den Niederlanden sowie Philip und Pia im Camp.

Man kocht, lacht und Trinkt gemeinsam.

Wir nutzen den Tag für technischen Dienst, zum Einkaufen und zum Entspannen.

Leichte Wege!

Heute mal nicht auf dem ACT Track unterwegs, sondern in den Cindrel Bergen auf Routen von Carpathian 2 Wheels. Eine Empfehlung von Doru der uns die Strecke empfiehlt mit ihren leichten Feldwegen.

Man muss sich mit Doru mal über das Verständnis des Begriffes „Leichte Feldwege“ unterhalten.

Zweifellos sind es tolle Landschaften durch die wir da fahren. Aber anstrengend ist es auch. Tina hat in einer Rechtskurve ihren nächsten Sturz und Tigger läuft heiß, da sich zwischen Kühler und Lüfter ein Stein eingeklemmt hat der mit Erfolg die Kühlende Wirkung durch Ventilation verhindert.

Wir treffen noch einen bekannten aus Hannover den wir vom Endurocamp in Schrecksbach kennen. Kommentar von Ihm: „Ich dachte schon ich wäre der einzige Verrückte der hier entlang fährt“. Nein, bist du nicht!

Gegen Abend erreicht noch ein Griechischer Motorradfahrer das Camp und es entwickelt sich eine herrliche Fete. Die Flasche Tuica, die Doru im Camp hat, wird überlebt diesen Abend nicht.