Reisen

In das Zentrum der Erinnerungen

Die Planung ergibt nicht immer das Ziel

Eine Reise die uns auch zu den Erlebnissen von vier, so gänzlich unterschiedlichen, Menschen aus vergangenen Tagen führt.

Wir fahren durch eine Landschaft mit sanften Hügeln, saftig grünen Wiesen und Tälern, die durch ihre Gesteinsformationen etwas Mystisches haben. Die Straßen folgen kleinen Gebirgsbächen und ruhig dahin fließenden Flüssen die eine natürliche Grenze zwischen zwei Ländern bilden.

Wenn man die Kurvenreichen Strecken auf Straßen entlang fährt die in einem sehr guten Zustand sind, kommt einem nicht in den Sinn was in dieser Landschaft schon alles geschehen ist.

Die Rede ist von den Ardennen. Einige der schlimmsten Schlachten in den Weltkriegen fanden hier statt. Für Tina und mich war es der Wunsch an diesem langen Wochenende auf Tour zu gehen und nach Möglichkeit, uns unbekannte Landschaften unter die Räder zu nehmen.

Richtung Westen

Unsere Wahl fiel dann auf Luxemburg.
Das Großherzogtum Luxemburg zählt zusammen mit Belgien und den Niederlanden zu den Beneluxstaaten.  Es liegt zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland und ist geprägt durch bewaldete berge, Hügel und Tälern. Durch den kurzen Anreiseweg eignet es sich hervorragend für schöne Wochenendtouren.

Unsere Anreise führt über den Westerwald, über Koblenz und zugegebenermaßen nicht dem kürzesten Weg, entlang an der Mosel in Richtung Luxemburg. Bei bestem Wetter erreichen wir über Isenburg und Koblenz endlich die Mosel.

Es ist einfach nur schön an diesem herrlichen Fluss entlang zu fahren.  Entgegen unserer normalen Route fahren wir heute mal auf der anderen Seite die Mosel hinauf. In Kinheim, direkt gegenüber von Lösnich, überrascht uns der erste Regenschauer für diesen Tag.

Die Hoffnung, dass dieser Schauer der einzige bleibt wird jedoch auf dem weiteren Weg in Richtung Dasburg zerschlagen. Wir haben noch knappe 40 Minuten Fahrt vor uns und hoffen bis zum Campingplatz Relles Mühle wieder trocken zu sein. 

Die feuchte Grenze

Der Campingplatz Relles Mühle ist klein aber fein. Er bietet (fast) alles was das Herz begehrt. Eine tolle Wiese direkt am kleinen Grenzflüsschen Our. Brötchenservice und eine kleine Gaststätte in dem man ganz gut essen kann du das gepflegte, frisch gezapfte Bier zum Abend hin genießen kann.

Die Betreiber sind sehr freundlich und Hilfsbereit und tolle Nachbarn hatten wir auf der Wiese ebenfalls. Nach einer ruhigen Nacht in der man außer dem Rauschen des Flusses und dem Gezwitscher der Vögel nichts gehört hat verlassen wir nach unserem Frühstück den Campingplatz zur ersten Tour in Luxemburg.

Über eine kleine Brücke, die über den Fluss Our führt sind es vom Campingplatz aus keine 500 m bis wir die Grenze überfahren und direkt die erste dazu verwenden beide Tiger, im Vergleich mit Deutschen Tankstellen, relativ günstig zu versorgen.

Bei herrlichem Wetter folgen wir der Our in Richtung Süden, vorbei an der Ourschleife, wo das Wasser des Flüsschens gestaut und zur Energiegewinnung verwendet wird. Kurvenreich und mit viel Freude fahren wir mal links, mal rechts von der Grenze über kleine Straßen weiter bis wir das Städtchen Vianden erreichen.

Touristische Highlights

Vianden ist einer der wichtigsten Touristenorte Luxemburgs und das sieht man auch. Sehr gepflegt und sauber sind hier Straßen und Häuser. Sie laden einen dazu ein bei einem Cafe au lait zu verweilen und dem muntere Treiben in den Gassen zu zuschauen.

Uns zieht es dann weiter auf die kurvigen Straßen die sich in bestem Zustand befinden in Richtung des, für Motorradfahrer bekannte, Müllerthal.

Unterwegs tauschen wir noch den Fluß Our gegen den Fluss Namens Sure die uns von nun an bis nach Echternach begleitet. Echternach ist der Hauptort des so genannten Kleinen Luxemburger Schweiz zu dem auch unser erstes Ziel, das Müllerthal gehört.

Die Augen des Gesetzes

Bei beginnenden, ansteigenden Temperauren sind wir jedoch froh Echternach hinter uns zu lassen und auf der E26 die sich 2 spurig bergan in Richtung Landeshauptstadt windet. Bevor wir jedoch in Richtung Lauterborn und somit zum Müllerthal abbiegen können, winkt uns ein Junger Mann in Uniform in eine Parkbucht. „Guten Morgen, allgemeine Fahrzeugkontrolle, Führerschein nd Fahrzeugschein bitte.“

Nach ausgiebiger Inspektion meiner Tiger, dem Hinweis dass meine Bremsbeläge erneuert werden müssen, dass GoPro’s in Luxemburg verboten sind und dieses eigentlich 70 € kosten würde, der Kontrolle von vorhandener Sicherheitsweste, einigen Tipps in Bezug auf Gardo Scala Rider die außen am Helm angebracht zu Versicherung rechtlichen Streitsachen werden könnten, haben wir das angenehme Gespräch mit den Luxemburgischen Gesetzeshütern ohne Strafzahlung beenden können und somit endlich in Richtung Müllerthal vorwärts kommen.

Oh ja, wenn man hier so durch das Müllerthal und den Schiessentümpel fährt weiß man warum es kleine Luxemburger Schweiz heißt. Fantastische Sandsteinfelsen die durch Wasser Erosion in Jahrhunderten entstanden bieten Wanderern, Kletterfreunden und auch uns Motorradfahrern ein unvergessenes Bild.

Idyllische Ortschaften wie Beaufort mit seiner schön anzusehenden Burg lädt ebenfalls dazu ein die Reise etwas zu entschleunigen.

Wir verlassen nun aber die Luxemburgische Schweiz und begeben uns in Richtung Norden. Das nächste Ziel unserer heutigen Reise liegt in den Ardennen, genauer gesagt in den Belgischen Ardennen.

Geschichte zum Nachdenken

Unser Ziel ist das Bastogne War Museum in der belgischen Kleinstadt Bastogne. Das War Museum beinhaltet eine Dauerausstellung zur Deutschen Besetzung Belgiens von 1940 – 1944 sowie zur Ardennenschlacht wodurch die Region eine Traurige Bekanntheit erlangte.

Unser Weg nach Bastogne führt uns durch die schöne Städtchen Diekirch und Esch sur Sure vorbei an dem gleichnamigen Stausee in Richtung Belgische Grenze. Mein Garmin scheint heute besonders gut aufgelegt zu sein, denn nachdem ich das War Museum als Ziel eingegeben habe, führt es uns auf kleinsten Straßen zum Ziel. Dies beinhaltet zu meiner Freude auch einige Feldwege deren befahren nicht verboten ist.

Wir staunen nicht schlecht als wir das War Museum erreichen und uns vor dem Gebäude uns nur allzu bekannte Zeitzeugen präsentiert werden. Im Keis aufgestellt befinden sich dort jede Menge Trabbis umgeben von Graphity besprühten Teilen der Berliner Mauer.

Innerhalb des Museums schreckt uns erstmal der Preis von 14 € / Person ab. Aber um es schon mal vorweg zu nehmen. Es ist den Preis auf alle Fälle wert.

Mit Hilfe eines Audioguides werden uns vier Zeitzeugenberichte präsentiert die uns auf dem Rundweg durch das Museum begleiten. Die Erlebnisse der Ardennenoffensive im Zweiten Weltkrieg anhand der Geschichten von Menschen aus verschiedenen Blickwinkel zu erfahren war eine besondere, aber auch fesselnde Art und Weise uns die Geschichte dieser schrecklichen Schlacht zu vermitteln. Zwischen den Ausstellungsbereichen wird die Geschichte in drei thematisierten Kinoräumen sehr eindrücklich ergänzt.

Ich weiß gar nicht wie lange wir in dem Museum waren. Aber als wir wieder auf unseren Motorrädern sitzen und in Richtung Campingplatz fahren sind wir beide Nachdenklich gestimmt und unsere Unterhaltung während dem fahren geht diesmal nicht um die Tolle Landschaft und die Ausblicke die uns auf der Strecke geboten werden. Im Hinblick auf das eben im Museum erlebte wird einem auch noch mal bewusst wie oft wir heute Grenzen in Europa einfach so überschritten haben, ohne Ausweiskontrollen, ohne Schlagbäume. Einfach und in Freiheit. Und man fragt sich dann schon ob das, was zurzeit in Europa und der Welt passiert so sein darf.

Auch das Abendliche Stiefelbier auf dem Campingplatz wird im Hinblick auf das heutige Europa und dem Glück, dass unsere Generation vor einem Krieg bisher verschont blieb ein dankbarer Abschluss dieses tollen Tages.

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Das Tal der sieben Schlösser

Der nächste Tag begrüßt uns wieder mit herrlichem Sonnenschein.

Das Hauptziel unserer heutigen Tour soll das Tal der sieben Schlösser sein, das sich im westlichen Teil Luxemburgs über 24 km erstreckt. Auf dieser Route befinden sich die Schlösser Mersch, Schoenfels und Hollenfels, die beiden Schlösser von Ansemburg, Burg Septfontaines und Schloss Koerich. Die Schlösser sind eingebettet in einer von Wiesen und alten Dörfern geprägten Landschaft durch die sich die Rue de Septfontaines schlängelt.

Der Weg dorthin führt uns durch die Luxemburger Ardennen auf kleinsten Straßen und vielen Serpentinen durch Täler und über Hügel die eine tollen Blick auf die umliegende Landschaft erlauben.

Alleine die Gegend rund um die Ortschaften Kautenbach, Merkholtz und Wiltz lassen unsere Motorräder von einer zur anderen Seite fallen.

Beim Durchfahren dieser nicht enden wollenden Serpentinenstrecke fragt man sich schon warum man unbedingt in die Alpen fahre muss, wenn man hier diese Strecken fast für sich alleine haben kann. Denn weg von den Hauptverkehrsstraßen sind die Nebenstraßen in Luxemburg sehr wenig befahren.

Bei Esch sur Sure fahren wir diesmal über die Staumauer des gleichnamigen Stausees im Naturpark Obersauer.

Der Stausee ist das größte Trinkwasser Reservoir Luxemburgs. Die steilen und bewaldeten Hänge, die oftmals bis ans Ufer reichen, zeigen ein besonders natürliches, unberührtes Landschaftsbild das zum Entspannen einlädt.

Wir befahren das Eischtal von Südwesten her beginnend mit dem Schloss Koerich.

Die Ruine des Gréiveschlass hier in Koerich, ist eines der markantesten Schösser im Eischtal.  Das Tal gilt wegen seiner Natur, Kultur und Geschichte als eine der Interessantesten Regionen von Luxemburg.

Einige der Schlösser die man hier im Verlauf der Strecke findet, sind frei zugänglich und können besichtigt werden. Neben den, teils aufwendig renovierten Schlössern findet man noch die ein oder andere Ruine als Zeitzeuge längst vergangener Tage.  Die Burg Hollenfels diente als Lager für Kriegsgefangene, heute befindet sich hier eine Jugendherberge.

Nach so viel Kultur folgen wir von Mersch aus dem Lauf der Alzette in Richtung Colmar – Berg und Ettelbrück um unseren letzten Abend in Luxemburg noch ein wenig auf dem Campingplatz zu genießen. Unterwegs kaufen wir noch für unser Abendessen ein und werden in einem Bioladen endlich fündig um die Regionalen Spezialitäten wie den berühmten Ardennen Schinken sowie einen Ziegenkäse der zum Niederknien ist in unsere Koffer wandern zu lassen.

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Zusammenfasend ist Luxemburg eine Reise wert. Dieses kleine beschauliche Land mit den Mittelgebirgszügen hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Unsere Heimfahrt führt uns nicht wieder zurück entlang der Mosel, sondern im Norden entlang eines weiteren Weinbaugebietes, der Ahr.

In Vino veritas

Man bemerkt direkt, wenn man sich an einem Sonntag in der Nähe des Nürburgringes befindet. Die Zahl der sportlich ambitionierten Fahrer erhöht sich drastisch und die Aggression auf den Straße nimmt zu. Und das betrifft Motorradfahrer ebenso wie die Vierrädrige Zunft in ihren sportliche PS Boliden es uns das ein oder andere male verspüren lässt.

Die Überquerung des Rheins bei Linz macht uns deutlich, dass dieses schöne Wochenende so langsam vorbei ist.

Du hältst Reisende für mutig, aber Reisen ist eine der entspanntesten Arten die Zeit zu verbringen. 
Paul Theroux

 

 



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