Schottland mit dem Motorrad – Teil 5

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Uisge beatha, Das Wasser des Lebens

Das Frühstück in dem B&B ist hervorragend. Aber jetzt nichts wie weg hier. Ab in die Speyside.

Doch zuvor geht es durch Inverness und dann die Küste entlang in Richtung Nairn. Wir folgen wieder mal eine Old Military Road und mir wird dann auch klar was mein Garmin damit meinte dass die Offroad Strecken wegfallen wenn ich die Route neu berechnen würde.

Tina wird mich erschlagen wenn ich die Feldwege entlang fahre die das Navi mir vorgibt.

Bevor wir jedoch Nairn erreichen, machen wir noch einen Abstecher und schauen uns einige Ölplattformen an die dort im Trockendock liegen. In Nairn gönnen wir uns in einen Tee und Scones bzw. Pancake bevor es weiter geht auf der Route.

In der Ortschaft Hopeman entschließen wir uns dazu noch einmal direkt an die Küste zu fahren um ein letztes Mal, bis wir wieder auf der Fähre sind, das Meer zu sehen. Im Hafen angekommen laufen wir ein wenig über den Kai und schauen aufs freie Meer der Nordsee.

Hm.. das da in der Ferne könnten die Rückenflossen von Delfinen oder von Walen sein. Mit der Kamera drauf gehalten und einige Fotos gemacht. Im Display der Kamera ist nichts zu sehen. Mal schauen wenn wir zuhause sind, ob man auf einem großen Bildschirm was erkennt.

Schon mal vorweg, ja, man erkennt es. Und es sind tatsächlich die Rückenflossen einer Gruppe Schwertwale, auch bekannt als Killerwale oder Orcas die dort im Wasser vor uns schwimmen. Hurra! Mein Herz jubelt als wir endlich ein Schild mit der Aufschrift „Malt Whisky Trail“ sehen.

Ziel erreicht. Wir sind im Herzen der Whiskybrennerei. Man riecht auch den Angels Share in der Luft. Immer dann wenn wir so, für Whiskyliebhaber, bekannte Orte wie Rothes, Aberlour oder Knockandu passieren.

Es beginnt natürlich wieder zu regnen als wir uns auf den kleinen Straßen entlang des River Spey in Richtung Grantown on Spey zu bewegen. Eine komplett andere Landschaft. Nicht so spektakulär wie die Westküste oder die Highlands. Aber mit einem gewissen Flair und wunderschönen Strecken.

 

Immer wieder sieht man Golfplätze, ich glaube noch ein paar mehr als wir bisher gesehen haben. Hier scheint jeder Ort seinen eigenen zuhaben. Golf spielen hat bei den Schotten einen absolut hohen Stellenwert. In Grantown ist es jedoch wieder etwas schwierig eine Unterkunft zu finden.

Überall stehen die Schilder „No Vaccansies“. Ich bin schon wieder mal an einem Schild vorbei gefahren, aber Tina hat es gesehen und will dort mal nachfragen. Das B&B Schild führt in eine Seitenstraße, na ja, eher Schotterstraße zu einem kleine Haus am Ende der selbigen.

Ich habe mittlerweile gedreht und erreiche das Haus in dem Sarah Jane Du Pon uns die Tür öffnet und uns voller Herzlichkeit empfängt. Schnell sind wir uns einig. Das Zimmer ist klein aber gemütlich und wir haben auch eine große Gäste Lounge mit Fernsehen, Couch und der Möglichkeit uns Tee oder Kaffee zu machen. Das ist auch das erste was Sarah für uns dann macht. In der Lounge die Heizung an und warmes Wasser gemacht.

Außer dass es jetzt immer öfters regnet wird es auch merklich kälter in Schottland. Und so genießen wir unsere Heiße Schokolade in der Lounge mit dem Ausblick auf den wunderschönen und liebevoll gepflegten Garten von Sarah Jane.

Sarah ist eine sehr liebe Gastgeberin und sie gibt uns auch Tipps für das Abendessen. Na ja, so richtig steht uns der Sinn nicht nach großem essen. So gehen wir dann, gut aufgewärmt nach einer heißen Dusche in die Stadt.

Ein neuer Schnellimbiss in dem es Pizza und Döner gibt hatte uns Sarah auch genannt, konnte aber nichts dazu sagen, da sie selbst noch nicht da war. Also.. probieren. Ich eine 12 Inch Pizza und Tina eine Döner. Es kommen immer mehr Personen in den kleinen Imbiss und mit erschrecken stellen wir fest dass dies fast ausschließlich Deutsche sind.

Wir halten uns etwas bedeckt. Bemühen uns die Riesen Pizza zu verdrücken und wundern uns etwas darüber was in Schottland ein Döner ist.

Zurück bei Sarah Jane lümmeln wir uns noch etwas in der Lounge rum und schauen Fern. Im Schlagemach ist es etwas kühl.

Tina friert auch ganz gut als wir dann zu Bett gehen.

 

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Schottland ist wirklich klein

Kalt war’s in der Nacht. Eine Heizung ist nicht an. Tina hat schwer gefroren.

Aber.. nach dem Aufstehen sieht Tina eine Stromleitung unten aus dem Bett herausschauen die uns seltsam bekannt vorkommt. Eine Heizdecke! Gott sei Dank, die nächste Nacht wird wärmer.

Vor dem Frühstück eröffnet mir auch Sarah dass ihr in der Nacht eingefallen ist dass sie uns nicht erklärt hat wo die Heizung für das Zimmer eingeschaltet wird!

Hö, das wird eine heiße Nacht.…

Tina wäscht noch kurz unsere Funktionskleidung durch und hängt sie draußen auf eine Wäscheleine während ich technischen Dienst an unseren Motorrädern durchführe. Wir haben beide den Zeitpunkt verpasst unsere Scottoiler aufzufüllen und so muss ich das ganze feldmäßig machen. Entlüften, auffüllen und neu einstellen.

Doch dann geht es wieder on Tour. Als erstes geht es in den Glenmore Forrest Park!

Der Ausblick vom Berg soll gigantisch sein. Mal schauen. Die Anfahrt dorthin und durch den Park ist es auf alle Fälle schon mal wert.

Auf dem Parkplatz angekommen geht es dann für uns auch schon mit er Seilbahn den Berg hinauf. Die Aussicht von hier oben ist Phänomenal!

Auch wenn die Bergstation eine Touristenfalle ist und die Preise es deutlich sagen, kauf das hier du bekommst sonst rundum nichts ist es ein schöner Ausflug auf den Berg. Danach folgen dem Malt Whisky Trail um am heutigen Tag ein paar Destillen von innen und auch von außen zu sehen sowie den Whiskyshop in Dufftown einen Besuch abzustatten.

Das alles natürlich wieder auf kleinen Wegen. Es macht mittlerweile Spaß die schottischen Single Road Tracks zu befahren und auch das Links fahren ist mittlerweile sehr angenehm geworden. Soll heißen, wir erschrecken uns nicht mehr bei jedem Auto das uns in einer Kurve auf der rechten Seite entgegenkommt.

Auch die vielen Moorhühner, die anscheinend stark selbstmordgefährdet sind schrecken uns nicht mehr.

Als wir beim Fahren eine Wiese sehen auf denen sich ungefähr 150 dieser netten Flattermänner befinden fasse ich den Entschluss diese endlich mal gründlich abzulichten. Also Stehenbleiben, Motorrad aus, Helm ab, Kamera rausgefummelt und zum Zaun gegangen.. und.. weg sind die Viecher. Alle weg.. wie vom Erdboden verschluckt. Ich fasse es nicht.

Als wir Tomintoul durchfahren, sehe ich am rechten Straßenrand eine junge Dame die sehr interessiert nach unseren Motorrädern schaut und laut anfängt zu schreien als wir an ihr vorbeifahren. Im Rückspiegel sehe ich noch dass Tina den Arm zum Gruß hebt und die junge Frau ein Bild von uns macht.

Hm.. ich mein.. die Schotten sind ja schon sehr nett.. aber so ein verhalten hatten wir bisher noch nicht erlebt. Oder war es eine Touristin die aus dem Schwalm Eder kreis kommt und sich gefreut hat 2 Motorräder mit HR auf dem Nummernschild zu sehen.

Tina und ich rätseln noch eine Weile dran rum. Mir fällt beim Grübeln auch dann ein das ja Zepi, Dirks Freundin, gemeinsam mit ihrer Tante in Schottland eine Busreise mitmachen. Vielleicht… Nein, das kann nicht sein. Das wäre ein zu großer Zufall.

Auf der anderen Seite werden wir es wohl erfahren wenn dem so ist. Spätestens wenn ich das nächste Mal W-Lan habe um ins Forum zu schauen. Wir haben nach so viel Grübelei endlich Dufftown erreicht.

Rund um Dufftown gibt bzw. gab es insgesamt 7 Destillerien. Dies prägte dann auch das bekannte Wort:

Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills („Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen“).

Mit zu den bekanntesten zählt wohl die Glenfiddich Detillery.

Dufftown gilt als Whisky-Hauptstadt der Speyside, von Schottland oder sogar der ganzen Welt. Es gibt in dem kleinen Ort nicht nur Whisky-Brennereien, sondern auch Whisky-Geschäfte, ein kleines Whisky-Museum und zweimal jährlich das Spirit of Speyside Whisky Festival.

Als erstes wird der bekannte Whiskyshop von uns gestürmt und kaum dass ich diesen Laden betrete fühle ich mich wie im Himmel.. im Whisky Himmel. Welch eine Auswahl! Lohnenswert!

Das Whisky Museum hat leider geschlossen und auch ein Festival ist zurzeit nicht in Dufftown.

Wir genehmigen uns noch einen Kaffee und 2 Sandwiches in einem kleine Teeroom und besuchen anschließend noch den Shop der Glenfiddich Destille. Sehr groß ist die Verlockung mir eine Flasche direkt vom Fass abzufüllen und mit zu nehmen. Meine Kreditkarte sitzt auch irgendwie locker. Aber .. ne.. besser nicht. Wir haben ja schon Whisky gekauft.. in Dufftown.. also eher fluchtartig verlassen wir die Destille und machen uns auf den Weg zur nächsten. Strathisla , eine Destille die zu dem Chivas Konzern gehört und mit zu den schönsten in ganz Schottland zählt.

 

Am Ortseingang von Keith müssen wir mal wieder tanken und es fällt sofort auf dass diese Tankstelle nicht nach Tankstelle riecht. Kein Benzin, kein Diesel.. nein… Whiskyduft zieht durch die Gassen von Keith. Das liegt wohl auch daran, dass direkt neben der Tanke die Lagerhäuser it dem Schriftzug Chivas stehen und ihren „Angels Share“ munter in die Luft abgeben. Es ist uns auch schon aufgefallen… nur glückliche Kühe auf den Weiden und die Leute hier sind auch am Dauergrinsen und furchtbar nett.

O ja, die Strathisla ist wirklich sehenswert!

Nach dem Besuch mache ich mir jedoch Gedanken darüber ob wir Gefahrgut Schilder an die Motorräder hängen müssen. Auf dem Rückweg liegen noch GlenLivet und andere bekannte Destillen die wir aber nur beim Vorbeifahren sehen.

Zurück in Richtung Grantown on Spey. In Tomintoul kommen noch mal kurz die Gedanken an die junge Frau von heute Morgen.

Wer das wohl war?

In Grantown on Spey erhalten wir die Antwort darauf. Kurz bevor wir unser B&B erreichen stehen die beiden nämlich wieder am Straßenrand. Die junge Dame kommt zu uns und spricht die Worte die ich wohl nie im Leben wieder vergessen werde.

„Wir kennen uns zwar nicht, aber wir fahren nächstes Jahr zusammen in Urlaub!“

 

Zepiiiii!!! Dirks Freundin!!!!! Jetzt ist alles klar und die Gewissheit ist gegeben.. Schottland ist sehr klein!

Das glaubt uns in Deutschland keiner. Also Beweisfoto machen. Rein zufällig übernachtet die Reisegesellschaft ebenfalls in Grantown, in dem Hotel das wir uns für den heutigen Abend auserkoren haben unser Dinner einzunehmen.

Vielleicht sieht man sich ja da und hat noch etwas Zeit zu quatschen.

Als wir im B&B ankommen fängt es gerade an zu regnen. Schnell die Klamotten von der Leine, heiße Schokolade gemacht und den schönen Tag Revue passieren lassen. Im Hotel gibt es leider keine freien Plätze mehr. Auch im nächsten Resteraunt ist vor21:20 Uhr kein Platz mehr frei. Ich tue es zwar ungern, aber wir gehen dann zum Inder in das Resteraunt zum Essen. Fazit Essen gut, Rechnung muss geprüft werden.. und er Dialekt ist immer noch schlimm.

Unser Zimmer ist heute Abend schön warm.

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2 thoughts on “Schottland mit dem Motorrad – Teil 5

  1. Ich war schon mit dem Flieger in Schottland nächstes Jahr geht es für mich aber auch mit dem Motorrad zu den Schotten. Nur das Wetter ist etwas abschreckend 🙂
    Toller Reisebericht über das “kleine” Schottland.

    Grüße Dominik

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