Schottland

Schottland mit dem Motorrad – Teil 4

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Wer nicht hören will

Es ist Dienstagmorgen. Die Erste Woche von unserem Urlaub ist fast rum.

Fazit bis hierher. Definitiv eine Weiderholung wert. Gut gefrühstückt machen wir uns dann bei einetzendem Regen auf den Weg. Da wir heute ohne Gepäck unterwegs sind und einige der Straßen fahren wollen die bisher nicht auf der Route standen. Geht es los.

Vorbei am Smoo Cave, den wir aufgrund des schlechten Wetters erst gegen Abend besuchen wollen, einer Meeres- und Süßwasserhöhle in Durness. Das altnordische Wort „Sumvya“, von dem sich Smoo ableitet, bedeutet so viel wie „Bachtal“.

Die Kalksteinhöhle ist über 60 m lang, 40 m breit und der Bogen über dem Eingang über 15 m hoch. Damit ist sie die Meereshöhle mit dem größten Zugang auf den Britischen Inseln. Die aus zwei T-förmig angeordneten Kammern gebildete, leicht zugängliche Höhle erreicht man über einen steilen Pfad, der zu einer Bucht hinunter führt. Die Höhle kann auch per Boot besucht werden. Ihr Inneres wird mit Flutlicht beleuchtet. Der „Allt Smoo“ genannte Bach fließt durch ein Loch in der Decke in die fast 25 m lange, „Falis Smoo“ oder Schornstein Smoo genannte zweite Kammer. Es gibt einige Geschichten über die Smoo Cave, die auch ein Schmugglerversteck gewesen sein soll. Eine lokale Legende aus dem 16. Jahrhundert erzählt, dass der Landstreicher McMurdo seine Opfer ermordete, indem er sie in das Blasloch der Höhle stieß.

Wir folgen der Kurvenreichen Straße entlang der Küste und an schneeweißen Stränden bis wir bei der Ortschaft „Hope“ rechts einbiegen in Richtung Süden um entlang des Loch Hope irgendwann Dun Dornaigil zu erreichen.

Dun Dornaigil ist ein runder Turm, der in Schottland, dort insbesondere in Caithness, aber auch auf den vorgelagerten Inseln (Orkney, Shetland und Hebriden) zu finden ist. Die meisten wurden aus Holz gebaut und verfielen. In Nordschottland und den schottischen Inseln ist und war Bauholz selten, während Stein, oft schon in gebrauchsfähiger Form, in Mengen zur Verfügung stand. Diese Türme waren Wohnhäuser in denen alles unter einem Dach war. Familie und Vieh.

Die Strecke die wir gefahren sind, ist eine von denen, die uns von dem schottischen Motorradoldie empfohlen wurden. Die Single Road Track die wir befahren ist anscheinend nicht so oft in Benutzung, denn der Streifen Gras in der Mitte deute darauf hin dass nicht allzu viele Fahrzeuge hier entlang fahren. Landschaftlich aber absolut zu empfehlen, auch wenn der Gipfel den Ben Hope, dem mit Abstand höchsten Berg in der Umgebung, ständig im Nebel ist.

Wir folgen weiter der Single Road bis wir bei Altnaharra die A836 kreuzen um dann wieder auf einer Single Road Track in Richtung Norden dem Strathnaver Trail folgen. Die Empfehlung des alten Bikers war klasse. Bevor es nun weiter geht versucht Tina erst mal die mitgenommene Tüte Gummibärchen, aufgrund der besseren Gewichtsverteilung, gleichmäßig in ihrem Tankrucksack zu verteilen.

Da wir die Stadt Tongue quasi südlich umfahren haben, halten wir uns weiter nach Westen als wir die Küste im Norden wieder erreicht haben.

Unser Ziel soll John o‘ Groats sein, der östlichste Winkel des Schottischen Hochlandes. Immer wieder wird gesagt dass dies der auch der Nördlichste Punkt des englischen Festlandes ist, was so aber nicht stimmt. Dieser ist Dunnet Head, liegt etwas weiter westlich und hat keine Ortschaft.

Direkt östlich von John o’ Groats liegt die Landspitze Duncansby Head, die wegen ihrer spektakulären Felsnadeln, den Duncansby Stacks, und als Nistplatz vieler seltener Seevögel, darunter die Papageientauchern, berühmt ist.

 

Der Alte Motorradfahrer hatte uns ja gesagt dass man da nicht hinfahren braucht. Weder schön noch interessant. Die Landschaft dorthin erinnert mehr an die Wetterau mit geraden Straßen, und John o‘ Groats ist eine Touristenfalle. Der einzige Grund warum ich nochmal dorthin fahren werde ist die Fähre zur Orkney Insel. Aber das wird eine andere Reise. Wir machen uns auf den Weg zurück nach Durness. Der Wind hat mittlerweile etwas nachgelassen und es regnet nur ab und an noch mal. In Thurso werden die Bikes aufgetankt und sich noch etwas Proviant in einem der vielen Supermärkte geholt. Wir wollen heute Abend nicht essen gehen, sondern den Abend im B&B mit ein paar Sandwiches und kühlem Bier ausklingen lassen.

Auf dem Weg zurück sind wir von dem Lichterspiel das sich uns bietet absolut fasziniert. Ich denke Schottland wäre ohne das Wetter, die dunklen Wolken und dem geheimnisvollen Sonnenschein nicht Schottland. Als Krönung des Tages sehen wir noch den Anfang eines Regenbogens direkt vor uns. Oder ist das das Ende des Regenbogens?

Ich bin mir nicht sicher ob mir auf dem Rest des Weges Regentropfen die Wange runter laufen oder ob es Freudentränen sind. Auf alle Fälle steht jetzt für uns schon fest. Wir kommen wieder.

 

In Durness ist das Wetter wieder sehr bescheiden und so fällt Smoo Gave wieder aus.

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Wege in die Einsamkeit

Was es so alles gibt hier im hohen Norden Schottlands. Da kommt ab und an ein LKW er als Kino umgebaut wurde um auch hier in die Einsamkeit die Blockbuster Hollywoods zu bringen. Oder eine mobile Bücherei. Der Verkehr an Kleinbussen und Lieferanten der uns an diesem Morgen entgegenkommt ist schon enorm. Heute durchqueren wir die Highlands. Wir sind quasi schon wieder auf dem Rückweg in Richtung Heimat. Es ist irgendwie traurig, obwohl wir ja noch sechs Tage in Schottland verbringen werden.

Aber was soll uns die Reise noch bieten? Kann das, was wir bisher gesehen haben noch von irgendwas übertroffen werden? Kann ein B&B noch schöner werden wie das letzte von Tracy und ihrer Familie.

Es sind so viele Gedanke die einem durch den Kopf schießen wenn man hier so unterwegs ist.

So viele fantastische Landschaften, so viele Liebenswerte Menschen, dessen Name man nie erfahren hat, die einem aber trotzdem lange in Erinnerung bleiben werden. Wir fahren von Tongue aus in Richtung Süden, entlang am Loch Loyal und genießen jeden einzelnen Kilometer dieser Strecke. Mal als Single Road, mal zweispurig schlängelt sich die Straße durch die Hügellandschaft der Highlands.

 

Unser erstes Etappenziel für heute sind die Falls of Shin bei Lairg. Mit etwas Glück kann man bei diesen Wasserfällen ein paar Lachse springen sehen wie sie sich den mühsamen Weg den Fluß hinauf erkämpfen. Die Teestube bei den Falls of Shin ist leider vor ein paar Wochen abgebrannt, so dass es nur ein kurzer Aufenthalt wird. Leider sehen wir auch keine Lachse springen.

Die Landschaft wechselt. Es sind jetzt wieder mehr Wälder zu sehen und Getreidefelder. Der erste Besuch in unserem Urlaub einer Destille steht an. Bei Tain besuchen wir die Glenmorangie Destillery.

Der Glenmorangie ist einer unserer bevorzugten Whiskys, und so wird auch an der Führung teilgenommen. Sie ist schon interessant, aber die junge Dame die uns das ganze erläutert ist nicht wirklich mit dem Herzen dabei und es klingt alles etwas auswendig gelernt und runtergeleiert. Wir lassen es uns aber nicht nehmen, nach dem Tasting, das im Preis der besichtigungstour inklusive ist, noch ein paar Kleinigkeiten im dazugehörigen Shop einzukaufen.

 

Wir folgen nun der A9 in Richtung Inverness.

Während ich mir so meine Gedanken mache und etwas traurig bin, dass wir, von den Sachen die Tina gerne in Schottland sehen wollte wir bisher noch nicht wirklich etwas gesehen haben. Keine Delfine oder Wale, die fairy Pools nur zum Teil, keine Seehunde. Seehunde….. !!!!

Was liegt denn da im Wasser.. direkt neben uns auf einer Sandbank im Cromatiy Firth, keine 20 Meter vom Ufer entfernt!! SEEHUNDE!!!!!!!!!!! Hurra! Über Funk gleich an Tina weiter gegeben. „Schau mal da links!“.. Wie was? Was soll da sein?“ Seehunde mein Schatz…

Ab auf den Parkplatz der gerade vor uns ist. Kamera raus und die 30 Meter die Straße zurück gelaufen.

Da liegen sie und chillen in der Sonne. Was für ein schöner Anblick! Welche Freude für mich, zu sehen wie glücklich Tina darüber ist dass wir Seehunde doch noch in unserem Urlaub sehen. Auch ohne dass wir eine Stundenlange Fahrt mit einem Schiff unternehmen müssen.

Wir genießen diesen Augenblick und schauen den Faulenzern ein wenig zu.

Mit einer hervorragenden Laune fahren wir nun weiter nach Strathpfeffer. Dem heutigen Etappenziel.

Hübsches Städtchen. Dachte ich zu mindestens. Ein B&B zu finden ging noch recht einfach. Aber dann etwas zu Essen zu finden ist schon bedeutend schwieriger.

So nach und nach dämmert es mir. Strathpfeffer ist wohl Schottlands Bad Wildungen.

Als wir bei einem Hotel in das Restaurant gehen sitzen dort nur Menschen deren Altersdurchschnitt wir wohl um 30 Jahre senken wenn wir dort rein gehen. Nix da.. weg hier.

Ich will auch gar nicht mehr über Strathpfeffer schreiben. Zum durchfahren hübsch.. aber das war’s dann auch. Tina amüsiert es köstlich.

Wie gut dass es morgen in Richtung Speyside geht. In das Herz der schottischen Whisky Kultur.

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