Schottland

Schottland mit dem Motorrad – Teil 3

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Bealach-na-Bà, Applecross

So dauert es am nächsten Tag auch nicht lange bis wir wieder auf den Motorrädern sitzen und die Isel of Skye verlassen.

Wir verlassen die Bundesstraße A87 in Lochalsh, direkt hinter der Skybridge in Richtung Norden. Die Westküste Schottlands erwartet uns mit einigen Highlights auf der Tourenliste die als „Must seen“ oder „Must drive“ veranschlagt wurden.

Auf der Fahrt entlang vom Kyle of Lochalsh bieten sich wunderschöne Ausblicke zurück auf die Isle of Skye die uns immer wieder dazu bringen stehen zu bleiben und die Ausblicke zu genießen.

Wir folgen der Single Road bis Duirnish wo ich kurz von Dauergewellten Fellkühen gestoppt werde die nicht mal so groß sind wie meine Varadero. Knuddelig sind sie anzuschauen und man würde am liebsten eine in den Koffer packen und mit nehmen. Bonzai kühe….

Mit diesen Gedanken schaffe ich es auch tatsächlich an der nächsten Kreuzung falsch abzubiegen und wir landen in dem kleinen Hafenort Plockton. Was soll ich sagen. Ich bin froh mich verfahren zu haben, denn dieses Städtchen ist ein weiteres Highlight auf unserer Tour. Wunderschöne Häuser und das Beste, Palmen wachsen in diesem, vom Golfstrom, verwöhnten Ort.

Die Landschaften wechseln wieder im Sekunden Takt als wir der Straße entlang des Loch Carron folgen. Endlich kommt die Straßenkreuzung auf deren Anblick ich schon gewartet habe und sehe die Schilder die Motorisierten Personen auf das vorbereiten was dort jetzt kommt.

„This Road rises to a height of 2053 Ft. with gradients of 1 in 5 and harpen bends Not advised for Learner Drivers Very large Vehicles or caravans After first Mile”

„Diese Straße steigt bis auf 625 m Höhe bei 20 % Steigung und einigen Kehren Nicht empfohlen für Fahranfänger, Langen Fahrzeugen oder Caravans nach der ersten Meile“ Der Bealach-na-Bà , der Pass über die Berge nach Applecross!!!

Da wir, am heutigen Tag, nur im Sonnenschein unterwegs waren, bin ich voller Hoffnung die Passhöhe nicht im Nebel vorzufinden! Applecross wir kommen.

Die Single Road ist gut befahrbar mit dem Motorrad, und die paar Autos die einem entgegenkommen stellen kein Problem dar. Anders die Natur am Applecross. Kaum dass wir den Berg hinauf fahren und die fantastische Aussicht genießen sehe ich plötzlich rechts einen großen Vogel der etwas in den Klauen hält. Ich traue meinen Augen nicht und mache eine Vollbremsung. Verzweifelt versuche ich schnell genug meine Kamera aus dem Tankrucksack zu schälen um das festzuhalten.

Ein freilebender Seeadler!!! Mit Beute in den Klauen.. keine 20 Meter rechts von uns auf der Wiese. Ich bin leider zu langsam. Die beste Kamera nützt einem nichts wenn man sie nicht im richtigen Moment zur Hand hat. Mir bleibt nur die Hoffnung dass die Kamera der Varadero ihn auf Video gebannt hat.

Zurück zum Applecross und die Schilder zu Beginn der Strecke. Trotz Warnungen finden sich immer wieder schlaue die meinen das muss für sie nicht passen. 2 Wohnmobile schleichen über den Pass und haben enorme Probleme, gerade in den Kehren. Das versaut einem dann etwas den Spaß am Fahren.

Wir haben diesmal auch glück dass wir auf der Passhöhe freie Sicht haben bis zum Meer!

Gut dass dort oben ein großer Parkplatz ist der uns die Gelegenheit bietet das alles für einen Moment zu genießen. Ein Schottisches Paar bleibt mit dem Auto neben uns stehen und teilen uns begeistert mit wie sehr sie sich freuen eine „Lady Rider“ zu sehen die selbstfahrend auf dem Motorrad durch Schottland fährt.

Der anschließende, obligatorische Coffee & Cake im Applecross in mundet dann auch sehr gut und gibt uns die nötige Energie unseren Weg fort zu setzen.

Die nun folgende Single Track Road entlang der Küste führt uns in Atemberaubende Landschaften immer entlang der Westküste Schottlands. Loch Torridon,Loch Shieldaig..

Auch immer dann wenn wir die Küste verlassen um etwas weiter in das Landesinnere die kleinen Straßen unter die Reifen zu nehmen, ist immer wieder ein Grund da stehen zu bleiben und einen Moment zu verweilen. Sei es ein wilder Gebirgsbach der sich, mit seinem, vom Torfigen Boden leicht braunem Wasser, seinen Weg durch die Landschaft geebnet hat, oder nur der herrlichen, jedoch kargen Gebirgswelt die sich einem in immer wieder anderen und erstaunlichen Ausblicken eröffnet. Und das heute bei bestem Motorradwetter.

Als sich irgendwann der Drang gewisse Bedürfnisse zu stillen kaum noch unterdrücken lässt fahren wir ein kleines Hafenstädtchen an um dort eine, in Schottland häufig zu findende, öffentliche Toilette aufzusuchen.

Auch hier, wie fast immer, stehen wir nicht lange als wir von einem älteren Schotten angesprochen werden der sich dann ungefähr 1 Stunde lang mit uns unterhält. Er war selbst begeisterter Motorradfahrer und Journalist bis er es aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Neben einigen Geschichten von seinen Motorradreisen, die er dann auch in einem Englischsprachiges Motorradmagazin veröffentlicht hat, gibt er uns auch noch für die weitere Reise einige Tipps, welche Strecken ein absolutes Muss sind und welche man sich sparen kann.

Es ist schon später Nachmittag als wir Ullapool erreichen. Unser Etappenziel für diesen Tag. Wir kommen diesmal in einem Guest House unter das links am Ortseingang von Ullapool liegt. Das ganze gleicht mehr einer Pension wie wir sie in Deutschland kennen, aber auch hier sind die Besitzer sehr nett und zuvorkommend. Neben unseren beiden Motorrädern stehen noch 2 Maschinen auf dem Hof. Ein deutsches und ein Italienisches Kennzeichen sind drauf!

Frisch geduscht und mit einem riesen Hunger machen wir uns anschließend hinunter in den Ortskern. Beim Schaufensterbummel zeigt sich ebenso wie anschließend im Resteraunt dass sich Ullapool wohl in Deutscher Hand befindet. Im Resteraunt bestellt man sein Essen und die Getränke an einer extra Theke dafür und bezahlt auch direkt. Wie es auch in jedem Pub ist in dem wir bisher waren. Getränke gibt es nur gegen bares.

Vor mir bestellt ein Motorradfahrer gerade sein Essen und ich höre deutlich einen Italienischen Akzent in seiner Aussprache. Ob das wohl die sind die auch im Sheiling Guest house sind?

Neben uns am Tisch sitzen 8 Herren im mittleren Alter und man sieht auch ihnen an dass sie aus Deutschland sind. Das werden wohl die Besitzer der 8 Maschinen sein die wir auf dem Weg in die Innenstadt gesehen haben. Wer von denen wohl welche Maschine fährt?

Fragen die uns solange beschäftigen bis wir unser Steak vor uns haben und uns die Bäuche vollschlagen. Neben dem allabendlichen Bier gönnen wir uns auch noch eine Dram. Ein leckerer Whisky lässt uns das Steak noch besser Munden. Nebenbei sind wir auch froh uns dazu entschlossen haben in das Resteraunt hinein zu gehen und nicht draußen zu essen. Die Gäste von außen flüchten jetzt auch in innere nachdem eine Invasion von Midges die Außenterasse für sich beansprucht.

Bisher hatten wir Glück mit den Midges und wurden nicht so sehr genervt. Was aber definitiv nicht an dem Avon Mittel liegt, sondern eher daran dass wir immer schnell die Flucht ergriffen haben nachdem einige Midges uns als Opfer auserkoren haben. Ich bin mir sicher die kommunizieren miteinander. Meistens siehst du nur ein oder zwei Midges wenn du den Helm abziehst, aber wenige Minuten spät sind tausende da.

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Karibische Sehnsucht

Das Frühstück im Sheiling ist sehr gut. Wir haben heute Morgen, neben dem obligatorischen Porridge, mal nicht das original Scotisch Breakfast genommen, sondern geräucherten Lachs mit Rührei.

Ein Traum! Absolut empfehlenswert und lecker.

Das italienische Pärchen vom gestrigen Abend ist dann ebenfalls im Frühstücksraum. Es beginnt leicht zu regnen als wir uns auf den Weg in Richtung Norden machen.

Zuvor werden an der Tankstelle in Ullapool die Bikes noch versorgt und wir treffen neben den Motorradfahrern von gestern Abend auch noch das Paar das mit dem Auto auf dem Applcross Pass so begeistert war von Tina, die es als Frau auf sich nimmt durch die Wilde Landschaft Schottlands selbst mit dem Motorrad zu fahren. Ich bin stolz auf meinen Schatz.

Die Frage wer von den Herren des gestrigen Abends welche Maschine fährt ist leider nicht geklärt, da die Jungs den Helm nicht abnehmen. Wir folgen weiter der Route in Richtung Norden und genießen die Landschaft. Egal ob die Deep freeze Mountains oder die Berge, die sich immer wieder mit dem Ausblick auf traumhafte Seen oder dem Meer abwechseln. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und genießen.

Am Loch Chairn Bhain legen wir wieder eine kleine Biologische Pause ein als mich ein älterer Herr in perfektem Deutsch anspricht was wir doch für schöne Bikes haben. Er war mir schon aufgefallen als wir in den Ort hinein fuhren und er mit seinem Hund spazieren gegangen ist. Die alte Hundedame ist, mit Hilfe von Leckerlis schnell auf unserer Seite.

Das Gespräch mit dem dazugehörigen Mann ist ebenfalls wieder etwas länger und sehr interessant.

Er ist eigentlich Deutscher und ist während des 2. Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft bei den Amerikanern geraten die ihn in die USA transportierten. 1948 wurde er dann nach Schottland gebracht, wo er als Fährmann arbeitete bis die Brücke über den Fjord gebaut wurde.

Mittlerweile hat er 4 Kinder und lebt zufrieden hier in diesem kleinen beschaulichen Ort. Er kümmert sich dort ein wenig um die Rasenflächen und betreut das örtliche Post Office.

Als wir ankamen war er gerade im Begriff die Fenster seines Hauses putzen zu wollen. Als wir losfahren steht er dann auch schon auf einer Leiter und ist am Putzen. In dem Moment ist es für mich fast unglaublich dass der Mann bereits 88 Jahre alt ist.

Wir kommen immer wieder an Abzweigungen vorbei die aus dem Landesinneren in Richtung Meer den weg vorgeben. Alles immer wieder Sackgassen von denen eine jedoch wichtig ist, da diese zu den besten Fish & Chips sowie zu einem Traumhaften Strand führen soll.

Dank Navi finden wir diese Abzweigung auch und folgen ihr. Fish & Chips gibt’s leider keine, der Laden, der zu einem Campingplatz gehört, ist zu. Aber der Traumstrand ist da. Ein Strand wie in der Karibik. Weißer Sand und strahlendblaues, klares Wasser.

Erst der prüfende Griff ins klare Wasser macht uns deutlich dass wir noch in Schottland sind. Es sind einige Besucher hier, die diesen Anblick und das spazieren durch den schneeweißen Strand genießen.

Wir setzen uns noch einen Moment auf die angrenzenden Hügel und schauen ein paar Hunden zu die es ebenfalls mit Freude genießen an diesem Strand zu tollen.

Zurück auf dem Parkplatz werden unsere Bikes von 3 Schottischen Mitbürgern begutachtet, eine Frau und 2 Männer die nun doch etwas traurig sind nicht ebenfalls ihre Motorräder für den Trip verwendet zu haben und die etwas verwundert sind warum wir als Deutsche keine BMW’s fahren. Na ja, die Schotten haben ja auch die Vorstellung dass wir zum Frühstück nur Müsli und Corn Flakes essen.

Die Westküste ist wohl das absolute Highlight von Schottland bis zu diesem Zeitpunkt. Welche Strecke, welche Landschaft, welche Natur.

Irgendwann überkommt uns der kleine Hunger und wir wollen am Drumbeg Viewpoint eine Pause einlegen. Es ist so die erste Gelegenheit unseren Teekessel auszuprobieren und uns ein warmes Getränk zuzubereiten. Das schwierigste daran ist den Espit anzuzünden, denn es ist sehr windig. Wir haben es aber geschafft und genießen unseren Latte macchiato sowie Wurst, Käse und Brot.

Zwei Frauen, die mit einem Wohnmobil unterwegs sind sprechen uns an und schwärmen von der Gegend die in unserer Fahrtrichtung liegt. Wir werden sehen…. Immer und immer wieder sind wir fasziniert von der Landschaft und der Strecke bis wir am Nachmittag Durness erreichen. Es beginnt schon wieder zu regnen, was die Suche nach einem B&B nicht unbedingt leichter macht. Die beiden Damen hatten übrigens Recht.

Nach einigem rumgekurve und der Nachfrage in der Touristik Info ( die helfen nicht wirklich ) ist es uns schon mal gelungen ein B&B mit freien Zimmern zu finden. Benview B&B ganz oben auf dem Hügel mit freiem Blick auf das Meer.

Die Anfahrt zum Haus geht über eine Gattle Grid wie ich ihn bisher noch nicht gesehen habe. Wenn du den Weg abends mit etwas Alkohol gehen willst musst du aufpassen dass du nicht durchfällst. Des Weiteren ist der Weg geschottert. Beim Haus angekommen sehe ich einen älteren Herrn der mit einer Flasche Whisky in der Hand das Haus verlässt. Ich kann mir nicht verkneifen ihm zu sagen dass dieses Bild mir gefällt. Er schickt mich zur anderen Hausseite wo ich wegen Zimmern fragen soll. Nachdem ich geklingelt habe werde ich von einer jüngeren Frau mit einer Herzlichkeit begrüßt die seines gleichen wohl sucht. Du hast nicht das Gefühl als Fremder irgendwo zu klingeln, sondern als ein guter Freund den man lange nicht gesehen hat. Ich frage nach ob sie ein Doppelzimmer für zwei Nächte frei hat. Hat sie leider nicht. Aber einen Twinroom, soll heißen, zwei Betten, aber getrennt. Sie sagt aber auch gleichzeitig, kein Problem, wir können es umgestalten und die Betten zusammenschieben.

Auf dem Zimmer befinden sich eine Toilette und ein Waschbecken. Die Dusche ist für das gesamte Haus. Und wirklich für das gesamte Haus! Wir sind nicht ganz so begeistert dass es kein Doppelbett ist und wollen uns noch weiter in Durness umsehen. Für Tracy ist das kein Problem, sie sagt dass sie und den Raum reserviert, und wenn wir ihn doch wollen sollen wir einfach einziehen.

Wir finden nichts anderes und als wir zurückkommen ist der Raum für uns reserviert. Tracy ist Altenpflegerin und musste noch mal arbeiten. Wir haben noch etwas Zeit bis wir uns etwas zu essen fangen müssen, so beschließen wir noch mal kurz einen Abstecher zum Cape Wrath zu machen. Es liegt einige Kilometer im Nordwesten von Durness und bildet die nordwestlichste Landspitze des britischen Festlandes.

Mangels Straßenanschluss kann sie nur zu Fuß oder in der Kombination einer kleinen Fußgängerfähre über den Kyle of Durness mit einem Pendel-Minibus erreicht werden. Auf Cape Wrath gibt es einen Leuchtturm sowie ein stillgelegtes militärisches Objekt. Westlich von Cape Wrath schließt sich ein gesperrter militärischer Schießplatz an, der von der britischen Royal Air Force, der Royal Navy und der US-amerikanischen Air Force genutzt wird. Die dabei entstehenden Explosionen haben nicht verhindert, dass zahlreiche Seevögel auf dem Kap und seinen Steilküsten brüten.

Leider ist für heute der Fährbetrieb eingestellt und wir machen einen Ausflug zum Balnakeil.

In Balnakeil, einem einen Kilometer westlich von Durness gelegenen Weiler, wurde ein Kunsthandwerkerdorf gebaut. Hier findet man auch einen sehr alten Friedhof mit der Ruine einer Kapelle aus dem Jahre 1619. In dieser Kapelle liegt der Straßenräuber und angeblich achtzehnfache Mörder Donald Macmurchow begraben, der nach einem Sinneswandel den Kirchenbau finanzierte – um dort begraben zu werden.

So viel zur Kultur, aber was dort noch schöner ist.. der weiße Sandstrand.

Zeit zum Abendessen. Durness kann man jetzt nicht unbedingt als Weltstadt bezeichnen. Eigentlich noch nicht mal als Stadt. Es gibt jedoch alles dort was man zum Leben braucht. Einkaufsladen, Tankstelle und Restaurants.

Wir gehen in ein Resteraunt in der Nähe des Campingplatzes. Da wir zu früh sind, das resteraunt selbst hat noch geschlossen, genehmigen wir uns ein Bierchen in der direkt daneben liegenden Lounge Bar.

Auf dem Rückweg vom Essen zum B&B sehe ich auf der anderen Straßenseite unser Pärchen aus Italien das ich mit einem netten „Bueno Sera“ begrüße! Am Straßenrand wird dann ein kurzer Plausch geführt bis wir uns von den beiden aus Milano stammenden Paar, das mit einer Fazer 1000 bis hierher gefahren ist, verabschieden.

Tracy ist mittlerweile von der Arbeit zurück und wir verbringen den Abend in geselliger Runde mit Tracy, ihrer Tochter, Ihrer Mutter und einem weiteren Paar aus Deutschland das mitsamt Hund unterwegs in Schottland ist.

Das Vergnügen von der Flasche Whisky zu naschen, die Tracy‘s Vater in den Händen hatte, haben wir auch noch. Monkey Shoulder… ich wusste bis dahin nicht dass es auch so leckere blendet Whiskys gibt. Notiz auf den Einkaufszettel!

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