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Guidamo al Lago di Garda 2010

Guidamo al Lago di Garda… hm… was schreibt man da.. wie fängt man an?

Welchen Namen soll die Tour bekommen? Ideen dazu gab es auf der Tour genügend. Deja vu mit der Vara und die Bedeutung von Zwiesel?

Gib dir den Adrenalin Kick?

Überwinde deine Angst?

Guidamo al Lago di Garda 2010

Zu den Ideen der Namensgebung werde ich wohl zu einem späteren Zeitpunkt etwas mehr erklären müssen.
Die Entscheidung war also gefallen. Die gute alte Pan bleibt in der Hütte und die Abenteurer Gold Wing namens Varadero wird der Reisebegleiter werden um
Tina und mich Richtung Süden zu transportieren. 

Tag 1

Da ich kein sonderlicher Fan von Autobahnfahrten bin, wird die Anfahrt zum Gardasee auf mehrere Tage gelegt und die A7 gemieden.
Donnerstag um die Mittagszeit. Das Dicke Kind ist beladen und wartet schön geputzt darauf endlich in Richtung Süden bewegt zu werden.
Alles verstaut? Die Scala Rider funktionsbereit? Man (und Frau) will sich ja unterhalten können…

Am Garmin ist keine Anfahrtsroute eingegeben. Ich weiß ja dass es in Richtung Süden geht und die Österreichische Grenze sollte lang genug sein um sie nicht zu verfehlen.
12:30 Uhr… aufsitzen…. Motor an… Blick zum Himmel. Na ja… mit etwas Glück….. Nur schnell weg hier von dem Sauwetter.
Über die nicht so erbauliche B254 geht es über Alsfeld – Lauterbach in Richtung Fulda.

Wie nicht anders zu erwarten werden wir ab Lauterbach von dem netten Hessischen Regen noch mal so richtig schön geduscht und gewaschen!
In Speicherz, in der Nähe von Bad Brückenau ist der Regen mittlerweile so nett, dass wir uns dazu entscheiden die Haltbarkeit von Gore Tex Kleidung nicht mehr länger zu testen und zwängen uns in die Regenbekleidung. Hm.. ich hätte wohl Manuel mal eine Nachricht schicken sollen dass er für diesen Tag die liebe Julia noch mal in die Regenbekleidung reintackert…..
Eine kleine Zigarettenpause und die Hoffnung dass währenddessen der Regen aufhört.. So viel können wir anscheinend gar nicht rauchen. Also weiter…
Der Zweizylinder der Vara brummelt sanft vor sich hin als wir weiter in Richtung Süden fahren.
Durchs beschauliche Sinntal geht es in Richtung Gemünden am Main.

Hier ist mal kurzzeitig Ruhe vor dem Regen so dass Tina und ich uns dazu entschließen eine kleine Kaffee (und Kuchen) Pause einzulegen.
Der Zeitpunkt für das erste Deja Vu ist da.

Deja vu

Vor 6 Jahren sind Tina und ich ebenfalls mit einer Varadero in Richtung Spessart gefahren.. und… es hat geregnet!
Sollte ich es irgendwann mal schaffen diese Gegend im trockenen zu sehen????

Weiter geht es durch den nun wieder beginnenden Regen . Über schöne Straßen durch Lohr am Main, Marktheidenfeld und Tauber Bischoffsheim zieht es uns kontinuierlich in Richtung Süden.
Der Abend nähert sich und es ist Zeit sich nach einer brauchbaren Unterkunft umzuschauen….

Als Helden der Landstraße bucht man so was ja nicht.. sondern findet es auf der Tour… Der Weg ist das Ziel.
Hallo? Da war doch was? Ich hatte doch ein Hotel rausgesucht und die Adresse im Navi eingespeichert? Klick klick klick.. da ist es ja.. hm.. knappe 50 km bis dahin.. liegt nur… na ja.. sagen wir etwas weiter links von der derzeitigen Route in Richtung Süden. Aber egal. Ich erinnere mich schattenhaft daran dass die Bilder des Hotels schön waren. Also.. Kursänderung in Richtung Osten in die Ortschaft Gunzenhausen.

Kurz bevor wir Gunzenhausen erreichen meldet sich die Vara mit einem netten Licht… sie hat Hunger und will was zum fressen haben…
Respekt. Mit zwei Personen und dem kompletten Gepäck hält sich der Verbrauch mit knapp 6 Litern in Grenzen.
Und überhaupt.. der Reisekomfort der Varadero ist erstaunlich gut. Ich fühle mich auf der Original Sitzbank Pudel wohl, obwohl ich ja von der Pan und dem Sessel da drauf sehr verwöhnt bin.
Auch Tina geniest ihren Zuschauerplatz auf der Vara sehr… Hat dieser doch den Vorteil dass Sie mehr nach vorne raus sieht, da der Besucherplatz auf der Vara doch etwas höher angelegt ist als auf der Pan.

Festliche Übernachtungskosten

Nachdem das treue Pferdchen gefüttert ist heißt es nun die Unterkunft zu suchen.
Direkt vor dem Hotel ist ein Festzelt mit Buden und allem was dazu gehört aufgebaut und über das Blubbern der Vara legt sich der aufdringliche Sound von festlicher Volksmusik!!!!!!!
Die Übernachtungskosten von 180 € einschließlich Beschallung mit einer Musikrichtung die ich ohne genügend Bier nicht ertragen kann und will lässt uns in Gunzenhausen nach einer anderen Unterkunft suchen.

Die haben wir dann gefunden in der Lokalität “Gasthof Adlerbräu”.
Wie der Name es schon ahnen lässt.. eine Hausbrauerei!!!! Hurra!!!!
Was soll ich sagen. Gute Unterkunft zu einem vernünftigen Preis mit hervorragendem Essen und leckerem Bier.
Bevor wir uns das jedoch zu Gemüte führen wird erst mal die Varadero in eine trockene und abschließbare Unterkunft gebracht sowie die Sacla Rider ans Stromnetz angeschlossen damit diese auch morgen wieder ihren Dienst verrichten können.
Frisch geduscht geht es nun ins Resteraunt und die örtlichen kulinarischen Genüsse werden ausgiebig getestet. Ob wir morgen das zulässige Gesamtgewicht der Vara noch halten können??????

Tag 2

Juhuu… es ist Freitagmorgen so etwa… 07:00 Uhr!
Tina ist begeistert.. meine Pre-senile Bettflucht hat wieder zugeschlagen und so kann der Tag schon frühzeitig beginnen.
Das gut ausgestattete Frühstücksbuffet im Gasthof Adlerbräu lockt uns nach unten. Frisch gestärkt kann nun das Dicke Kind aus der Garage geholt werden. Ein Blick gen Himmel lässt Hoffnung aufkommen den heutigen Tag trocken zu erleben. Schnell noch die paar Habseligkeiten in die Koffer verstaut. Ein letzter Blick auf die Karte… ( die nervende Stimme der Tussi in der kleinen Box vorne möchte ich immer noch nicht hören) und schon sind wir wieder „on the Road again“ in Richtung Süden.

Über die Bundesstraße geht es vorbei an Augsburg, gut voran. In Augsburg kehren wir noch mal kurz bei einem Amerikanischen Millionär auf einen Kaffee ein, den wir jedoch nicht im Drive in zu uns nehmen, sondern auch eine kleine Pause machen und die Sonne genießen. Ja.. endlich ist sie vollends da.. die Sonne!!!! Heute ist ein schöner Tag! Der Weißwurscht Äquator ist überwunden.
Auf der Bundesstraße herrscht doch mittlerweile reger Verkehr, der mich dazu verleitet diesen Highway zu verlassen.
Also kommt jetzt doch die Tussi Namens Steffi, mit der nervenden Stimme ins Spiel.

Bayerischer geht’s kaum

Mal schauen wo Sie mich entlang führen wird, wenn ich als Ziel Füssen angebe und die kürzeste Route dorthin gefahren werden soll.
Aha… es geht also nicht mehr die dicke Straße entlang, sondern ins Gesträuch.
Zwischen Lengenwang – Holzleuten –Rückholz fahren wir auf schmalen Straßen weiter und genießen den ersten Eindruck Süddeutschlands. Wiesen die aussehen als ob dort eher Golf gespielt wird anstatt glücklichen Kühen als Weidegrund zu dienen säumen unseren Weg. So sieht es also aus, das Ostallgäu.

Ui.. was ist das denn???? Erste Gebirgszüge sind manchmal am Horizont zu erkennen wenn wir aus einen beschaulichen Tal wieder hinauf in etwas luftigere Höhen kommen.

Sollten das etwa schön die Alpen sein? Na ja.. wenn ich mich nicht verfahren habe und die Tussi mich nicht belogen hat, sind wir immer noch in Richtung Süden unterwegs…
Füssen… da liegt es vor uns. Unser Tor zu den Alpen. Wir durchqueren dieses malerische Städchen und begeben uns zu dem ersten Kulturziel unserer Reise. Schloss Neuschwanstein. Als Kind kenne ich es von einigen Postkarten und einem riesigen Ravensburger Puzzle. Wollte ich schon immer mal aus der Nähe sehen. Also.. nichts wie hin.
Beim überqueren des Lech stockt uns der Atem. Welch eine Farbe für einen Fluss! Jade Grün schimmert das Wasser. Ein herrlicher Anblick!
Wo um alles in der Welt hat dieser Fluss eine solche Farbe her?

Klugscheissermodus an
Das schnell strömende, hellblau-türkis bis jadegrün schimmernde Wasser verleiht dem Fluß eine besondere Schönheit. Dieses verdankt der Lech 2 Umständen:
1. Die niedrigen Wassertemperaturen von durchschnittlich 6° Celsius
2. Dem hohen Gehalt an gelösten Mineralien (Magnesium Carbonat)
Quelle:Natrupark Tiroler Lech Österreich
Klugscheissermodus aus

Ok, nach so viel Kultur geht es nun zu unserem ersten Pass. Dem Fernpass….
Aber auch hier geht der Fahrspaß im Reigen der vor sich hinfahrenden LKWs und Rentnerkutschen etwas flöten. Aber, der Fernpass wird uns unserem Ziel immer näher bringen. Ein guter Einstieg in die Gebirgswelt für solch einen Flachlandtiroler wie mich. Links und rechts zeigen sich die Berge und bei sonnigem Wetter bietet sich schon hier ein Anblick der einem von Zeit zu Zeit den Atem nimmt.
Ob die GoPro Kamera auch nur einen Bruchteil von diesen Eindrücken wiederspiegeln kann?
Über Imst steigen wir ein in eines der wohl bekanntesten Täler Österreichs, dem Ötztal.

Bergan bewegen wir uns nun in Richtung Timmelsjoch, dem nächsten Pass auf unserer Reiseroute zum Lago di Garda.
Am Fuße des Tales zum Einstieg genießen wir in Sautens noch einen Kaffee und leckeren Strudel. Im Gasthaus zur Post in Sautens, das anscheinend vollends auf Biker ausgelegt ist, lassen wir es uns für einige Minuten gut gehen und genießen die Tiroler Gastfreundlichkeit. Wenn es nicht so weit weg wäre… ein schönes Ziel für die VBler….
Bei der Abfahrt kommt kurz der Gedanke auf dass wir uns ja noch nach einer Unterkunft für die nächste Nacht umschauen müssen. Evtl. umkehren und das Gasthaus Post mal ausprobieren? Nein… es sind noch einige Kilometer bis zum Fuße des Timmelsjochs und die Zeit brauchen wir evtl. morgen früh dringender. Außerdem stehen ja noch zwei Kultureinlagen im Ötztal auf meinem Programm die ich auch noch am heutigen Tage erleben möchte.
Das Ötztal ist nicht nur der Einstieg zum Timmelsjoch in Richtung Südtirol, sondern hat auch noch einiges Sehenswertes zu bieten. Viele Motorradfahrer begegnen uns oder schießen im Hirnaus Modus an uns vorbei den Berg hinauf.

Schilder die mich zum Ötzi Museum lotsen wollen gibt es reichlich, aber das ist nicht Bestandteil der Ziele die ich anfahren möchte.
Dort, das Schild! Stuibenfall… Ja genau den will ich sehen. Links ein Parkplatz.. och nee.. das geht’s weiter zur Panoramaaussicht des Stuibenfalls.
Die ersten Kehren unseres Weges kommen unter die Räder der Vara die sich als saubequemes Reisedampferchen bisher gut bewährt hat. Kein anders Motorrad zu sehen. Es verirren sich wohl nur wenige Biker hier herauf.

Wir stehen nun auf einem Parkplatz und genießen die Ruhe der Berge und die Geräusche des Stuibenfalls, Tirols größter Wasserfall mit 159 m Fallhöhe. Mir kommen die Worte in den Sinn den ich in einem anderen Reisebericht der Alpen mal gelesen habe. „Genieße die Ruhe, bis die nächste Ducati um die Ecke kommt“. Na ja, eine Duc wars nicht, aber eine Harley Fahrer mit seiner Sozia findet auch den Weg zu diesem idyllischen Platz in Tirol.
Bergab geht es nun wieder zurück ins Tal und dann nach links weiter bergan.

Wir erreichen Sölden und müssen feststellen dass die Uhr erbarmungslos vorwärts geht. Tempus fugis Zeit fliegt…. Ebenso wie die Eindrücke der Bergwelt an uns vorbeifliegen. Ich hätte gerne noch mehr Zeit alles zu sehen.. aber ich hab ja noch einen Punkt auf der Karte… Die Ötztaler Gletscherstrasse.
Direkt am Ortsausgang von Sölden geht es rechts ab und über einige Kehren ständig bergan.
Irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl… hmm… keine Ahnung.. weiter geht’s.

Wir sind recht hoch und wie es überall üblich ist gibt es kurz vor den richtig interessanten Dingen eine Zahlstation an der man erst mal zur Kasse gebeten wird. Es wäre mir aber egal ob ich was zahlen muss. Ich will diese Landschaft sehen!
Leider stehen wir dann an der Mautstation vor verschlossenen Türen bzw. Schranken. Wir sind für den Tag zu spät. Mist. Ein paar Bilderchen gemacht und schön geht’s zurück ins Ötztal.
Es wird Zeit sich eine Unterkunft zu suchen. Weiter in Richtung Timmelsjoch erreichen wir die Ortschaft Zwieselstein. Viele Pensionen, Hotels und Gasthöfe haben die Schilder „Biker willkommen“ groß an ihre Häuser gepinnt. Bereits bei der Einfahrt überkommt mich das nächste Gefühl eines Deja vus. Zwieselstein? Da war doch was bei dem Wochenende damals mit der Varadero? Ach ja.. die Übernachtungsstätte die wir damals hatten hieß Zwieselmühle. Diesmal also der Gasthof Zwieselstein!
Zufälle gibt es…. Oder ist alles vorbestimmt?

Die Vara findet einen ruhigen Platz zusammen mit einer Harley in einem abschließbaren Schuppen. Klammotten aufs Zimmer, Duschen und dann was zu essen fangen.
Halt, erst noch die Bilder und Videos aufs Notebook sichern bevor wir uns verpflegen.

Mist.. warum läd das Notebook nicht am Stromnetz? O mein Gott.. das falsche Ladegerät. Wie bekomme ich jetzt die ganzen Videos und Bilder gesichert. So viele Speicherkarten für den Urlaub hab ich nicht. Den Kindern des Hotels die Netzteile abnehmen, vielleicht passt eins. Wohl keine gute Idee wenn man keinen Krieg mit Österreich anfangen möchte.
Mal ne Nacht drüber schlafen.. aber nicht ohne die Tiroler Küche und das Kaiserbier ausgiebig getestet hat…
Das Zimmer bietet direkten Blick auf die Gebirgszüge des Timmelsjochs.. traumhaft.

Während dem Essen erscheinen noch drei weitere Biker um eine Unterkunft zu beklommen. Auch ne Vara dabei…. Prima… aber leider gibt es keine Gelegenheit mehr ein Benzingespräch mit den Jungs zu führen. Ein Spaziergang durch Zwieselstein im Dunkeln und das Rauschen des nahen Gebirgsbaches lassen uns nun in die zweite Nacht der Gardasee Tour in den Schlaf fallen… na ja.. wenn da nicht das Ladegerät.. vielleicht doch den Krieg riskieren?

Tag 3

Sodele… Samstagmorgen….
Über die Uhrzeit sag ich jetzt mal nix, aber geheilt bin ich wohl noch nicht.
Die Sonne geht auf in den Bergen. Die Gipfel erscheinen schon im strahlenden Licht während es im Tal doch noch sehr schattig ist.

Das Frühstücksbuffet im Gasthaus Zwieselstein ist auch zu unserer Zufriedenheit und nach lecker Brötchen und Kaffee geht es daran das Dicke Kind wieder zu beladen.
He.. was das? Das Dicke Kind hat über Nacht Besuch bekommen! Fünf weitere Motorräder stehen in der Scheune und quer hinter dem Dicken Kind auch noch ne GS…. Was soll mir das sagen?
Na ja.. egal.. Lieber Herr Wirt.. 2 Fragen quälen mich.

  1. Wo bekomme ich ein Ladegerät her.
  2. Wem gehört die GS und würde der evtl… weil ich will ja weg!!!!!!!

Höhö… irgendwie war der jetzt net so begeistert seine Maschine aus dem Gefahrenbereich der Vara zu bringen. Ob‘s an der Uhrzeit lag?
So viel zur guten Nachricht. Kommen wir zurück zum Ladegerät. Zurück nach Imst heißt die Devise.
Dort gibt es einen Markt einer, auch in Deutschland bekannten, Elektroschrott verkaufenden Kette.
Prima.. 40 km hin und 40 km zurück.. da war er dann irgendwie weg, der Zeitliche Vorteil.

Obwohl das Ötztal ja sehr schön ist stört es mich doch irgendwie das ganze noch mal rauf und runter zu juckeln.
Endlich sind sie erreicht. Die ersten Kehren auf der Nordanfahrt zum Timmelsjoch. Auweia, das dicke kind ist noch ganz schön widerspenstig. Aber das liegt wohl daran, daß ich noch nicht das Gefühl habe mit der Maschine eins zu sein. Hätte ich vielleicht doch lieber die Pan nehmen sollen?
Doch egal, das Fahrvergnügen ist schon vorhanden. Ziegen links und rechts am Fahrbahnrand. Ich halte Ausschau nach dem Almöhi und dem Ziegenpeter. Bloß keins von den Viechern über den Haufen fahren.

Und zag, da isse. Die nächste Station die Geld haben will wenn man weiterfahren möchte. Heute nennt sich das Maut.. früher Wegelagerei. Wozu verwenden die das Geld eigentlich? Für den Zustand der Straße wohl eher nicht. Aber auch wieder egal, fürs Kino zahl ich mehr und sehe manchmal weniger. Aber vor allen Dingen werde ich im Kino nicht diese Traumhaften Landschaften sehen an denen wir vorbeischlendern. Ich verstehe nicht die ganzen Biker die anscheinend versuchen den Geschwindigkeitsrekord noch mal um einige Sekunden drücken zu können. Denn von der grandiosen Landschaft sehen die mit Sicherheit nicht viel. Saukalt ist es am Timmelsjoch… Kurz angehalten, ein paar Bilderchen und Filmchen für die spätere Gedächtnisauffrischung und zum Fernweh erneuern und weiter geht es. Ein Tunnel ist plötzlich da und gähnt mich wie ein schwarzes Loch an. Hinein mit der dicken und die Flutlichtanlage der Vara schafft es gerade so dass man etwas erkennen kann.
Auf der anderen Seite ist direkt linkerhand ein kleiner stand. Der Ausblick, grandios, also… links ran.. Pause!
Was gibt’s hier? Speckbrot??? Hab ich von gelesen.. soll gut sein. Schwupp das hats Tinchen auch schon eins gekauft. Ich beiße genüsslich hinein und.. die Angaben im Reisebericht stimmen.. lecker.

Weiter Bilderchen machen.. näher zum Rand. Von da aus kann man bessere Bilder von der Südrampe machen.
Wie ein Wurm schlängelt sich die Straße in Kehren und Kurven gegen Süden. Und da ist auch wieder das komische Gefühl das ich schon mal gestern hatte. Schlagartig wird mir auch bewußt was dies für ein Gefühl ist.

HÖHENANGST!!!!!

Wie kann ich Depp denn auf die Idee kommen mit Höhenangst eine Tour durch die Alpen zu machen? Hätte mir es nicht klar sein sollen dass es dort Berge gibt???
Bei der Höhenangst (=Akrophobie) sollen mit Hilfe der Konfrontationstherapie schon gute Erfolge verzeichnet worden sein. Die Verhaltenstherapie beruht auf den Erkenntnissen der Lernpsychologie: Angst wird als ein erlerntes Reaktionsmuster verstanden, ebenso kann man die Angst auch wieder verlernen.
So richtig beruhigen kann mich dieses Wissen auch nicht. Aber umdrehen ist nicht drin. Rauf auf die Vara und ab ins Tal….
Oje oje.. was werden die anderen Biker von mir denken… ich habe so das Gefühl den Berg hinab zu schleichen. Was wahrscheinlich an manchen Stellen auch der Fall ist.
Die Kommunikation über die Scala Rider funktioniert Problemlos, und Tina genießt den Ausblick auf die herrlichen Berge und ABGRÜNDE!!! Ich hasse die Berge…. Aber der Ausblick in die Ferne ist schon genial, sch.. auf die Abgründe.

Bei Höhennagst soll es ja auch gut sein eine vertraute Stimme zu hören die einen aufmuntert und lobt wenn man die ersten gesammelten Alpenkehren fährt ohne die Maschine jedes Mal wieder aufheben zu müssen. Aber manchmal habe ich auch so das Gefühl dass Tina sich auch köstlich amüsiert auf dem Sozia Platz der Vara.
Der erste Pass ist geschafft. Steht für Heute das Gampenjoch noch auf dem Programm. Na ja, vielleicht sind da die Abgründe ja etwas niedriger.
Südtirol was bist du schön. Warum bekomme ich solch große Lust auf Äpfel? Durch gewaltige Apfelplantagen hindurch geht es in Richtung Gampenjoch. Immer wenn man denkt dieser Ausblick kann von nichts getoppt werden, geben die Alpen noch eine Zulage und mir schwindet der Atem von mal zu mal mehr. Nein, das hat nichts mit der Höhenluft zu tun, es ist wirklich die Aussicht die mir die Luft nimmt.

Nein, es ist auch nicht Tina die sich aus Selbstschutz zu feste an mich klammert. Tina geniest immer noch die Fahrt.
Die Kommunikation mit Tina wird aber zurzeit etwas strapaziert, da die andere Tussi vorn am Motorrad ständig was zu erzählen hat. Cool, bis Steffi die Italienischen Straßennamen ausgesprochen hat in die ich abbiegen soll ist das schon längst geschehen.

In Sanzeno überkommt uns die Lust nach einem leckeren Espresso und einem Cappuccino. Schnell ist eine Gelateria gefunden und zu den beiden Muntermachern gesellt sich noch ein leckerer Eisbecher.
Traumhaftes Wetter begleitet uns weiterhin. Die Italienische Sonne lacht am Himmel und in unseren Herzen als es weiter in Richtung Süden geht. Der Lago di Garda wartet…
Rechterhand die Brentagruppe und links der Monte Terlago verzaubern uns als wir vom Hügel herab den Lago di Molveno sehen. Boahhhhh schon wieder so ein Smaragdgrünes Wasser. Wie ein Zaubersee liegt er vor uns. Ob es am Lago di Garda genauso schön sein wird?

Bestimmt nicht so, aber anders. Diesen See und die Region sollte man sich mal im Hinterkopf behalten.
Die Zeit drängt so langsam. Also entschließe ich mich Steffi zu ignorieren und die SS45 über Arco in Richtung Lago di Garda zu nehmen. Irgendwann nervt mich das „Bitte wenden“ von Steffi und ich mache sie Mundtot.

Riva del Garda.. das ist also die Traumhafte Stadt am Nordufer des Lago di Garda. Werden wir uns die Tage noch anschauen. Ich will jetzt erst mal ins Hotel!
Die Occitentale Gardasena entlang geht es über Limone in Richtung Tremosine.
Hmm… ist nicht schon nachsaison? Wo kommen die ganzen Dosen her? Und wieso fahren die so langsam?

Aha.. jetzt weiß ich auch wo die Rentner alle sind wenn die Ärzte Herbstferien machen.

Brasatal

Nachdem wir dann endlich die Galerien durchfahren haben die schon im letzten James Bond als Kulisse dienten kommt endlich die Einfahrt rechts nach Tremosine. Prima, denk ich mir, nur noch den Berg hoch und du hast dein Hotel erreicht!
Vor mir ein Auto, wird ja wohl nicht so schlimm werden. Haste gedacht. Unten war die Fahrbahn ja noch zweispurig. Aber je höher man kommt, umso schmaler wird der weg. Zwei Autos kommen nur noch an einigen Stellen vorbei. An manchen kann man sogar vergessen mit dem Motorrad und einem Auto aneinander vorbeizufahren. Ach ja, bevor ichs vergesse. Hier gibt es mal wieder einige Abgründe und meine Zuversicht in Italienische Leitplanken ist nicht so gut dass ich mich manchmal frage ob das Dicke Kind die überhaupt merken würde wenn man drankommt.
Aber nichts desto trotz. Die Auffahrt nach Tremosine, durch die erst steil am Ufer ansteigende Strasse und dann ins Brasatal. Wieder ein Punkt auf der Reise der wohl unvergessen bleiben wird. Jedem der den Gardasee besucht empfehle ich diese Straße zu fahren.

Zum einen, weil das Brasatal einfach nur traumhaft ist, zum zweiten gibt es im oberen Drittel ein Resteraunt in dem man jeden Tag beim vorbeifahren riechen kann daß dort leckeres Fleisch auf Glut gegart wird, und zum Dritten, man den Besuch auf der Schauderterasse nicht verpassen sollte.
Die Schauderterasse am Hotel Paradiso in Tremosine. Unser Zielhotel das uns die nächsten Tage als zufluchtsort dienen soll von dem aus unsere Touren starten sollen und Abends bei leckerem Essen und Vino Rosso enden sollen. Es ist nun erreicht.

Zimmer beziehen, Elektronik anschließen, Vara parken und Kette pflegen ( der Gedanke an die Pan überkommt mich schon wieder). Duschen… ab zum Abendessen. Da wir etwas zu früh sind geht es erst mal raus auf die Schauderterasse. Ein Blick in den Abgrund… 300 Meter über dem Lago di Garda. Aussicht über den ganzen See. Der Abgrund… Konfrontationstherapie… Nein ich gehe nicht näher ran…

Nach dem leckeren Menu, dem Rotwein und leckerem Tiramisu setzen wir uns noch raus auf die Terrasse und genießen den ausklingenden Abend am Lago di Garda.
Dummerweise überkommt mich der Gedanke meiner Schwester mitzuteilen dass wir gut angekommen sind und ich erfahre von Ihr dass meine Mutter am heutigen Tag verstorben ist.
Da zuhause alles geregelt ist möchte meine Schwester dass wir noch ein paar Tage am Gardasee bleiben. Ein trauriger Schatten der sich über den so herbei gesehnten Urlaub wirft.

Tag 4

Eine etwas unruhige Nacht liegt hinter mir. Urlaub abbrechen? Nach Hause fahren? Was soll ich da tun? Schwesterchen hat gesagt sie hat alles im Griff. Wir sollen ein paar Tage am Gardasee bleiben und den wohl verdienten Urlaub genießen.
Na denn. Die Uhrzeit nenn ich jetzt lieber nicht, aber es gibt ab 08:00 Uhr Frühstück im Hotel Paradiso. Und wir haben noch etwas Zeit nach dem Dicken Kind zu schauen und die Zigarette vorm Frühstück zu genießen.

Irgendwann wird Tina mich Nachts knebeln und fesseln damit ich nicht immer so früh Land und Leute wecke.
Die Sonne geht auf über dem Lago di Garda und es ist somit die Möglichkeit draußen auf der Schauderterrasse unser erstes Frühstück in Bella Italia einzunehmen.
Ab zum Buffet. Was gibt’s denn hier alles so? Kuchen und anderer Süßkram. Typisch Italienisch.. jede Menge Käse, Wurst, Marmelade und Obst! Prima. Hier kann man es aushalten. Etwas Fruchtsaft zum Frühstück und??? Na klar.. Cappuccino! Oje.. was ist das denn? Ein Automat zum Kaffe zapfen! Sieht aber nicht so aus als ob das frisch gemahlener Kaffe wäre. Als ich noch etwas ratlos vor dem Automaten stehe und überlege was ich nehmen soll…. Kaffee… Cappuccino, werde ich von einem älteren Herren in sächsisch angesprochen der mir unbedingt die Funktionen der Maschine erklären will und gute Ratschläge gibt wie der Kaffee am besten schmeckt.
„Nu jo junger Mann… der Koffeee is hier net su genüssbar…. Am beschten nöhmen sö mal erst den Koffeee und dann drücken se noach der Hälfte die Milsch dazooo, dann üst der Genüssbar“ Sprichts aus und drückt die Knöpfe.

„ OOooo do ischt ja nuch gor keene Tasse drunter“ spricht der nette Ostdeutsche Rentner, und ich sehe den ersten dickflüssigen Kaffee Im Auffangbecken der Maschine verschwinden.
Danke schön, kann ich da nur sagen und der Rentner ist schon wieder weg. Also gut. Versuchen wir es mal. Mist.. das lässt sich gar net gut dosieren. Geschmacklich.. na ja.. nicht das was ich mir unter einem guten Cappuccino vorstelle. Gemeinsam mit Tina nehme ich das Frühstück also auf besagter Terrasse zu mir. Nachdem die erste Tasse der Brühe verschlungen ist kommt Tina auf die Idee mal die Cappuccino Taste an dem Automaten zu testen. Und siehe da… ein recht leckerer Cappu wird da zubereitet. Ein Segen dass Frauen manchmal anders denken als wir Männer.

Für den heutigen Tag war eigentlich geplant den Hoteleigenen Swimming Pool zu testen und uns faul in die Italienische Sonne zu legen. Aber da wir ja noch etwas sehen wollen von der schönen Gegend…. Rein in die Motorradkluft und ab auf das Dicke Kind.
Den Garmin aufgeschnallt, die Kamera eingeschaltet geht es los. Die Fünf Seen Tour soll heute unser Programm sein. Also das schöne Brasatal hinab zur Uferstraße und zurück in Richtung Riva del Garda.

Was Zeigt mir da eigentlich das Blöde Navi an? Nur eine gerade Linie? Hallo Steffi??? Ich fahre Motorrad und fliege damit und nicht mit einem Hubschrauber!!!! Steffi sacht nix… Beleidigt ist se wohl die blöde Ziege… hätte sie gestern wohl nicht mundtot machen sollen…..

Nicht ohne meine Karte

Na dann wollen wir mal versuchen den Weg anhand der gezeigten Luftlinie zu finden. Ist auch angenehmer ohne Steffi, so kann ich mich wenigstens mit Tina unterhalten ohne dass Steffi uns ständig unterbricht. Ein kleiner Nachteil vom Scala Rider, da Steffi immer das Vorrecht bekommt beim Quasseln…. Navigationstechnisch gesehen bestimmt gut.. aber ich hätte es trotzdem gerne konfigurierbar.
Erstes Ziel ist der Ledro See. Hmm.. die Beschilderung hier ist auch nicht unbedingt die beste. Und wieso ist die Straße hier so neu? Damit kommt Steffi auch ohne Ton gar nicht zurecht.
Wie soll es anders sein… Abzweigung verpasst und in schönen Serpentinen geht es nun in Richtung Tenno. Gut, da gibt es zwar auch einen See… aber der steht nicht auf meiner geplanten Route. Nach endlosen Kehren bei denen ich immer wieder auf dem Navi die Straße sehe auf der ich jetzt gerne wäre stoppe ich die Vara. Erst mal einen Blick auf die Karte. Hoffentlich sieht Steffi das nicht!

Aha.. da unten ist ein Tunnel. Könnte helfen den Berg vor mir zu überwinden bzw. ihn zu durchqueren.
Also, die schönen Serpentinen mit einem Hals auf Steffi, MapSource und meiner einer wieder zurück ins Tal. Rechts ab. Da steht ja auch das Schild vom Vale di Ledro! Wo war das eben?
Durch den Tunnel hindurch geht es dann erst mal Bergan. Schöne Straße, schöne kleine Italienische Orte mit schmalen Gassen. Hübsch hier. Dann auch noch das morgendliche Licht! Perfekt für Videos und Bilder!

Ich weiß auch nun wo BMW die ganzen GS hin verkauft. Die fahren alle hier unten rum und in den Alpen. Vielleicht liegt meine Höhenangst ja gar nicht am Gelände. Vielleicht ist es die Höhe der Varadero? Ist die GS niedriger? Haben die auch alle Höhenangst bekommen und sich deswegen die GS gekauft?

Und freundlich sind die GS Fahrer hier! Wow… die ignorieren einen irgendwie mit Stil! Die schauen einen wenigstens an wenn sie nicht grüßen.
Einen Haufen Fahrradfahrer gibt es hier auch. Respekt. Wenn ich die so sehe wie die den Berg hinauf radeln. Bei mir müsste in dem Fall wahrscheinlich ein Notarztwagen mit Sauerstoffzelt hinterherfahren.

Lago di Ledro

Da liegt er nun vor uns. Lago di Ledro. Schon wieder so eine wunderschöne grünliche Farbe.

Der Ledro See liegt auf ca. 660 m üNN zwischen dem Gardasee und dem Idrosee. Das Valle de Ledro gehört zur Autonomen Provinz Trient, was wohl so was Ähnliches wie für uns der Freistaat Bayern ist. Vielleicht ein Bayrischer Vorposten? Eventuell deswegen so viele GS?
Verglichen mit dem Tumult am Gardasee ist es hier oben am Lago di Ledro erholsam. Der blaugrünen See ist eine Erholung für Seele und Augen. Genau das richtige Ziel für den nächsten Urlaub.

Leider ist es aus Zeitgründen nicht möglich zum 1500 m hohen Tremalzopass zu fahren um von dort die Aussicht zum See zu genießen. Ebenso gibt es kulturell am See noch einiges zu entdecken. Das Pfahlbauten Museum oder die Hinterlassenschaften des Alpenkrieges am Passo Nota.
Am östlichen Ufer entlang geht es nun weiter in Richtung Idrosee, dem nächsten Ziel auf unserer Route.

Anfangs eine schöne Uferstraße, entwickelt sich diese später immer mehr zum Trampelpfad. Kleine Ferienhäuser, Fußgänger, Fahrradfahrer und enge Kurven bringen mich ganz schön ins Schwitzen.
Rechts um den See heißt aber die Devise. Anhalten Bilderchen machen.

Durch malerische Ortschaften die mehr an Tirol erinnern als an das mediterrane Italien säumen unseren Weg als wir in Richtung Storo fahren. Wenn uns schon der Mund offen stand als wir durch Südtirol gefahren sind, ist das Gefühl das wir jetzt haben eigentlich gar nicht zu beschreiben.
Eine solch traumhafte Straße durch das Ledrotal in Richtung Storo sucht auf der Welt wohl seinesgleichen.

Von der ersten bis zur letzten Kurve sind wir hellauf begeistert. In Storo gibt es die Möglichkeit einer Endurostrecke. Ob ich es mit der dicken mal wagen sollte? Besser nicht… Außerdem.. die Zeit…
Im Ledrotal haben wir schon jede Menge davon verbraucht, was sich aber gelohnt hat.

Von Norden her kommend erblicken wir dann den Idrosee. Schmutzig braun liegt er da vor uns. Etwas enttäuschend, nach dem Ledrosee. Auch die Straße von Storo nach Zoia ist nicht das was man sich unter einer schönen Motorradstrecke vorstellt.

Passo di Croce Domini

An einer engen Kurve vor Sant Antonio biegen wir rechts ab in Richtung Bagolino. Dieser Weg soll uns nun zu einem der bekanntesten Pässe in Italien bringen zum Passo di Croce Domini.
Gleich hinter der Abzweigung wird noch ein kleines Päuschen gemacht und einige Bilder vom Idrosee.
Also neu einstellen die Kamera und dann ab aufs Bike. Die Straße zum Croce domini ist sehr schön zu fahren und bietet auch landschaftlich einige schöne Eindrücke.
Und ich finde die Menschen die hier fahren sind sehr nett. Alle winken, geben Lichthupe, egal ob Auto, Motorrad oder Roller.
Rechts am Straßenrand sehe ich dann den Grund der Freundlichkeit. Die Polizia Municipale sind damit beschäftigt die gesetzlichen Vorgaben in Italien zu überprüfen.

Die Fahrt zum Pass… herrlich. Das ist wohl die treffendste Beschreibung die ich geben kann.
Mitten in einem Waldstück sehe ich rechts einen kleinen Bachlauf in dem merkwürdige Gebilde stehen. Rechts ran Pause… Hat sich wohl auch ein Italienisches Pärchen gedacht die sich gerade zur Weiterfahrt zurechtmachen.

Die Straße erinnert hier eher an eine Route aus Endurofahren leichtgemacht. Aber wer hats schon eilig?
Welch Ruhe… welch Anblick…. Welch ein Getöse… als einige Italiener mit ihren Supercross an uns vorbeibrettern!!!!!
Jede Menge Motorräder fahren hier rauf und runter, wer hätte es gedacht.
Weiter geht es in Richtung Pass. Linkerhand sind die Supermotos ins Gelände gehuscht und haben dort ihren Spass. Kehre an Kehre bringt uns höher an den Pass. Wieder das Getöse der Supercross, die aber nicht die Kehren fahren sondern das ganze schnurrstrack durchs Gelände abkürzen.
Das will ich mit der Dicken nicht ausprobieren….noch nicht.
Bei der Anfahrt zum Croce wird mir auch langsam klar warum viele Varaderofahrer die werkseigene Hupe durch was Lauteres austauschen. Hier muss man vor einigen Kurven hupend auf sich aufmerksam machen um eventuell entgegenkommende zu warnen.
Passo di Croce Domini. Ein Platz wie man sich einen Motorradtreff vorstellt. Jede Menge Mopeds, gutes Essen und Kaffee. Respekt.. da kommt sogar einer über die geschotterte Zufahrt zum Pass gefahren.

Gute Gelegenheit die OnBoard Digicam GoPro auf Funktion zu überprüfen. Blick drauf.. Mist.. wasn das? Die läuft gar nicht!!! Die hat ja immer nur ein paar Bilderchen gemacht wenn man auf den Aufnahmeknopf gedrückt hat.

Ich glaube, ich hatte irgendwo schon mal erwähnt dass die Bedienung der GoPro, milde ausgedrückt, nicht zu den besten gehört.

Lago d’Iseo

Der nächste und letzte See auf dieser Runde ist der Lago d‘ Iseo. Der viertgrösste der Oberitalienischen Seen und auch hübsch anzusehen
Zur Anfahrt dorthin muss natürlich erst mal wieder ein steiler und Kehrenreicher weg vom Croce Domini bewältigt werden. Was einem aber bei den Landschaften nicht als lästig erscheint.
Der Lago d’Iseo lässt sich komplett mit dem Motorrad umfahren und ist eigentlich schon für sich eine Tagestour wert. Die Straße ist teilweise in den Felsen gehauen.
Den Rückweg zum Lago di Garda treten wir über Sarezzo, Sonico und Vallio Terme in Richtung Salo im Süden des Gardasees an. Herrliche Landschaften, wunderbare Kurven und Eindrücke die einem immer in Erinnerung bleiben werden, liegen hinter uns.
In Salo wird es auch Zeit die Vara zu betanken und dann geht es im Schneckentempo die Uferstraße des Gardasees zurück zum Hotel. Aha.. die Rentner sind wohl auch auf dem Heimweg!
Hotel Paradiso, Vino Rosso dela Casa und das leckere Abendmenu warten auf uns. Ebenso wie ein Herrlicher Sonnenuntergang, der den Monte Baldo gegenüber in ein rotes Licht wirft.

Tag 5

Montagmorgen, die Uhrzeit dürft ihr jetzt mal raten!
Rollos hoch Blick nach draußen! Was ist das denn???? Regen!!! Wind!!! Argggghhhhhhhhhhhhhhhhllllllllllllllll!!!!

Na ja.. das Beste draus machen. Erst mal.. Vara besuchen und Frühstücken. Diesmal drinnen. Ist irgendwie gemütlicher.
Das mit dem Cappuccino klappt ja heute Morgen auch ohne Anweisung eines netten Rentners und ohne die Maschine zu zerstören.
Das Frühstück fällt heute mal etwas länger und üppiger aus… was soll man denn auch machen?
Die Teller sind leer, der Cappu rein geschlürft und es hat, zu mindestens jetzt, aufgehört zu regnen.

Blechbüchsenarmee

Wie war das Gestern Abend am Nachbartisch? Die hatten sich doch drüber unterhalten dass die Straße durchs Brasatal mit dem Auto so schlecht zu fahren wäre. Es würde noch eine andere Straße geben die besser sein soll? Na ja… eigentlich wollte ich heute die Trentiner Hausberge abfahren. Aber bei dem Wetter? Umdisponieren.. auf der „besseren“ Straße runter zum Gardasee und den dann umrunden. Blinker also links und los geht’s.
Die Straße erweist sich in ihrem Verlauf ebenso ungeeignet für Dosen wie das Brasatal. Schön eng, schlecht einsehbare Kurven, manchmal schlechter Asphalt.
Immer wieder erhascht man einen Blick zum Gardasee und auf den Monte Baldo. Fürs Motorrad ebenfalls eine wunderschöne Strecke mit herrlichen Landschaften. Nachdem die Uferstraße erreicht ist geht es nun in Richtung Süden. Hat irgendjemand gesagt es wäre Nachsaison? Eine Blechbüchsenarmee scheint die Uferstraße in Richtung Süden zu marschieren. Nicht auszudenken was hier in der Hochsaison los sein muss.

Endlos scheint der Weg zu sein, und so wird wieder, auf Wunsch von Tina, umdisponiert. Ab in die Walachei und in Richtung Ledrosee. Mittlerweile kommt die Sonne raus und nur der heftige Wind stört uns als wir das Ledrotal entlang fahren nach Riva del Garda.
Riva del garda ist einer der größeren Orte am Gardasee und gehörte früher zu Österreich. Was diesem Ort eine interessante Mischung aus Südtiroler und mediterranem Flair einbringt.
Langsam schlendern wir durch die engen Gassen von Riva und ein wenig ärgere ich mich schon dass wir nicht mehr Stauraum haben um all diese leckeren italienischen Spezialitäten an Pasta, Öl, Wein und Gewürzen mitzunehmen. Es ist Mittagzeit und so langsam kommt die Lust nach was Essbarem. Ich habe eher Lust auf ein leckeres Eis und einen Kaffee. Sehe aber immer wieder Touristen die sich leckere Pasta reinziehen. Also doch Spaghetti Aglio e‘ Olio?

Nein, lieber das Eis., und so steuern Tina und ich die Eisdiele direkt am Hafen an. Die Eis Karte entpuppt sich als Multifunktional und schon fallen mir wieder die Aglio e‘ Olio ins Auge.
Frauen können ja so einfallsreich sein. Zu mindestens einfallsreicher als ein Mann der Hunger und hat.
Ergo sind jetzt die Spaghetti dran und das Eis gibt es nachher in der Waffel. Danke Tina!!!!

Die geduldige Mauer

Kurz bevor meine Spaghetti serviert werden fällt mir schlagartig meine Videokamera ein die sich noch in der Halterung an der Vara befindet. Im Laufschritt hin und hoffen dass sie nicht schon einen anderen Liebhaber gefunden hat. Gott sei Dank sie ist noch da und hat jetzt eine Stunde lang die Steinmauer aufgenommen vor der ich die Vara geparkt habe. Hmmm… kann man vielleicht zum Abspann nehmen um einige Texte im Video laufen zu lassen…… Egal… zurück zu den Spaghetti…

Nach dem das leckere Eis noch vernascht wurde geht es weiter.. aber wohin? Entlang des Gardasees?
Der Monte Baldo! Da liegt er quasi vor uns. Wäre ja ein Teil der Trentiner Hausberge Tour gewesen. Ein Blick auf die Karte genügt und schon steht der Entschluss fest dass diese Tour auch verkürzt gefahren werden kann. Monte Baldo Höhenstrasse.. wir kommen. Das Wetter hält sich einigermaßen nur der Wind bläst ganz schön, aber egal. Stellen wir uns vor es wäre etwas mehr Fahrtwind.

Durch Nago und Loppio geht es dann den Berg hinauf und rechts ab in Richtung Bretonice.
Eine traumhafte Motorradstrecke. Kurve an Kurve, gepaart mit herrlichen Landschaften und kleineren Ortschaften. Gut, einige Baustellen waren zu Beginn auch da. Wieso haben die hier eigentlich nur Baustellenampeln für Zwerge? Nicht mal bis zum Lenker der Vara reicht die Ampel.
Ein Italienischer Almöhi treibt seine Kühe über sie Straße. In gebührendem Abstand bleibe ich mit der Varadero stehen und lasse ihn in Ruhe seine Plüschohrigen Kühe über die Straße treiben. Langsam rolle ich dann an ihnen vorbei und der Almöhi grüßt freundlich.

Immer an der Wand lang

Kühe gibt es hier anscheinend sehr viele, was ganz deutlich an deren Nachlassenschaften auf der Straße zu erkennen ist. Deswegen fahre ich so manche Kurve auch wieder etwas langsamer an. Oder ist es aus Gründen der bekannten Höhenangst? Und wieso legt sich die Varadero immer so zur Seite wenn ich mal links an der Wand vorbei fahre und nicht den rechten Fahrstreifen am Abgrund nehme? Zu wenig Luft? Rad nicht ausgewuchtet? Oder ist es Tina auf dem Sozia Platz die verzweifelt versucht mich wieder auf die rechte Spur zu drücken?
Wieder ein genialer ausblick. Stehenbleiben und Fotosession. Schon bekomme ich einen anpfiff von hinten. Ich soll nicht mitten in der Kuhsch..e stehen bleiben. Also noch ein paar Meter nach vorne rollen. Motor aus. Absteigen und dem fröhlichen läuten der Kuhglocken zuhören. Putzig stehen sie da auf der Weide. Die Kühe bei uns würden wohl ständig den Berg runterpurzeln.
Die Ruhe genießen bis die nächste Ducati kommt. Der Spruch kommt mir sofort wieder in den Sinn. Heute sehe ich die Gefahr aber nicht. Es fallen erste zarte Schneeflöckchen, da ist kein Ducatist unterwegs. Die harten in den Garten.

Die Abfahrt von der Monte Baldo Höhenstrasse ist ebenfalls traumhaft. Spätestens ab dem Moment wo man wieder die ersten Blicke auf den Lago di Garda werfen kann, geht jedem Biker wohl das Herz auf.
In Garda erreichen wir wieder die Uferstraße und fahren von dort aus in Richtung Norden zurück zum Hotel. In Malcesine wird noch ein Stop gemacht um einige Bilderchen zu machen. Speziell von unserem Hotel das dort nun direkt gegenüber am Hang zu sehen ist. Die Sonne geht nun langsam unter am Lago di Garda und es wird Zeit für das Abendessen und einen weiteren Liter Vino Rosso della Casa. Etwas wehmütig fahre ich zurück zum Hotel. Genieße noch einmal die Auffahrt zum Hotel durch das Brasatal. Morgen früh steht die Abreise vom Lago di Garda an.

Tag 6

Der Tag der Abreise ist gekommen. Es heißt nun Abschied nehmen vom Gardasee und knappe 850 km Wegstrecke liegen vor uns. Ich bin mir immer noch nicht sicher welche Route wir in Richtung Heimat einschlagen werden. Die schnelle Route über den Brenner? Die gleiche Route zurück? Die Route die Marcus mir vorgeschlagen hat?
Schaun mer mal.. erst mal gut frühstücken. Die paar Habseligkeiten einpacken und auf das Dicke Kind packen.
Bei herrlichstem Sonnenschein geht es nun die Uferstraße in Richtung Norden. Mein Ziel ist es bis zum Abend irgendwo in der Nähe von Imst zu sein und morgen früh dann die Traumroute A7 in Richtung Norden zu nehmen.
Hmm.. die Strecke von Marcus. Eigentlich ganz interessant.. aber da kann man ja einige Feinheiten machen.
Bei dem Wetter wollen wir noch mal das Ledrotal entlang fahren um den Entschluss zu festigen irgendwann mal diesen lauschigen Platz als Urlaubsdomizil anzuvisieren.

Zollfreies Samnaun

Der Reiz an der Streckenauswahl von Marcus sind auch einige Pässe in Richtung Norden die wir bisher nur von der Karte kennen und natürlich das Zwischenziel, der Reschensee.
Nachdem der Reschensee begutachtet und der Reschenpass sich als absolut unspektakulär erwiesen hat, geht es weiter nach Samnaun um ein wenig Zollfrei einzukaufen. Touristenfalle pur, aber günstige Zigaretten gibt es auf alle Fälle schon mal. Und „günstigen“ Sprit!
Zur Weiterfahrt in Richtung Heimat ist als Zwischenübernachtung Imst als Ziel ausgewählt. Leider ist in ganz Imst kein Zimmer mehr zu finden. Auf Empfehlung einer Gastwirtin geht es dann weiter über das Hahntennjoch in Richtung Heimat. „Da werden sie sicher was finden“ klingt es noch in meinen Ohren als wir uns am späten Nachmittag weiter in Richtung Norden bewegen.

Das Hahntennjoch.. ein Traum. Absolut fantastische Strecke! Danke liebe Gastwirtin!! Danke!!!
In Blabschs finden wir den „Gasthof zur Gemütlichkeit“ und bekommen auch ein Zimmer. Die Varadero bekommt ein trockenes Plätzchen in der Garage und das Abendessen erweist sich als der absolute Hammer.

Tag 7

Wohl geruht, wie man es mit vollem Bauch halt kann genießen wir das Frühstück und es geht auf zur letzten Etappe in Richtung Heimat.

Was soll man noch sagen. Dauerregen auf der A 7, toll! Nachdem wir Stunden lang über die Bahn gebügelt sind und so langsam der Regen nervt. Geht es ab Bad Kissingen über die Landstraße nach Hause.
Ein unvergessener Urlaub liegt hinter uns…

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